Damaskus/Paris - Vor 41 Tagen hat die Familie des US-Kriegsreporters James Foley zum letzten Mal von ihm gehört. Der 39 Jahre alte freie Journalist hatte aus Syrien berichtet. Doch dann wurde er Ende November im Norden des Landes von Bewaffneten verschleppt. Seither gilt er als vermisst.
Seine Familie hat sich jetzt entschieden, die Entführung bekannt zu machen und hat jetzt eine Website unter dem Namen "Free James Foley" eingerichtet. "Wir möchten, dass Jim sicher nach Hause kommt, oder wir müssen zumindest mit ihm sprechen, um zu wissen, wie es ihm geht", sagte sein Vater.
Seiner eigenen Website "A World of Troubles" zufolge hat James Foley in den vergangenen Jahren über die Konflikte im Irak, Afghanistan, Libyen und Syrien berichtet. Er gilt als erfahrener Kriegsreporter, war unter anderem für die französische Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) tätig. "James ist ein professioneller Journalist, der völlig neutral geblieben ist in diesem Konflikt. Seine Entführer, wer auch immer sie sind, müssen ihn sofort freilassen", forderte AFP-Chef Emmanuel Hoog. Die Identität der Entführer ist demnach noch immer unklar.
In Libyen wurde Foley im April 2011 mit zwei anderen Reportern von Regierungstruppen in Gewahrsam genommen, als sie über den Bürgerkrieg in dem Land berichtet hatten. Ein südafrikanischer Fotograf wurde damals in der Gefangenschaft erschossen. Im Mai wurde Foley freigelassen. Aus Syrien berichtete er offenbar erstmals im April 2012.
60.000 Tote im syrischen Bürgerkrieg
In dem blutigen syrischen Bürgerkrieg sind bislang mindestens 60.000 Menschen gestorben, schätzen die Vereinten Nationen. "Das ist wirklich schockierend", sagte die Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, am Mittwoch. Sie machte vor allem das Assad-Regime für das Töten verantwortlich. "Dieser gewaltige Verlust an Menschenleben hätte vermieden werden können, wenn die syrische Regierung einen anderen Weg eingeschlagen hätte als den der skrupellosen Unterdrückung der anfangs friedlichen und legitimen Proteste unbewaffneter Zivilisten", erklärte Pillay.
Später seien auch immer mehr Menschen durch regierungsfeindliche bewaffnete Gruppen getötet worden. "Schwerste Verbrechen und aller Wahrscheinlichkeit nach auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden von beiden Seiten verübt." Weitere Ermittlungen seien erforderlich, um später die jeweils Schuldigen zur Rechenschaft ziehen zu können.
Die vom Uno-Kommissariat für Menschenrechte beauftragten Experten ermittelten für den Zeitraum zwischen dem 15. März 2011 und dem 30. November 2012 aus sieben verschiedenen Quellen 59.648 Menschen, die durch den Krieg umgekommen seien. "Da die Kämpfe seit Ende November nicht nachgelassen haben, können wir davon ausgehen, dass die Zahl der Opfer noch viel höher ist", sagte Pillay.
Allein am Mittwoch zählten Regimegegner 207 Tote. Sie meldeten Luftangriffe auf mehrere Vororte der Hauptstadt Damaskus mit zahlreichen zivilen Opfern. Als eine Tankstelle angegriffen wurde, starben mehr als 30 Menschen. Amateuraufnahmen zeigten die dramatischen Bilder.
kgp/dapd/AFP/dpa
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