Brisanter Auftrag US-Spezialschiff soll syrische Chemiewaffen vernichten

Die Aktion soll auf hoher See ablaufen: Ein US-Spezialschiff ist ins Mittelmeer aufgebrochen, um die gefährlichsten syrischen Chemiewaffen zu zerstören. Verteidigungsminister Hagel sprach von einer "historischen Mission".

US-Marinefrachter MV "Cape Ray": Zerstörung von Chemiewaffen auf dem Meer
AP

US-Marinefrachter MV "Cape Ray": Zerstörung von Chemiewaffen auf dem Meer


Washington - Die Zerstörung der syrischen Chemiewaffen rückt näher. Das US-Spezialschiff MV "Cape Ray" ist aufgebrochen, um die gefährlichen Kampfstoffe zu zerstören. Das Marine-Frachtschiff habe am Montag den Hafen von Norfolk im Bundesstaat Virginia verlassen, teilte ein US-Militärsprecher mit. Es werde in zwei bis drei Wochen im süditalienischen Hafen Gioia Tauro eintreffen.

Dort soll das Schiff die gefährlichsten der syrischen Chemiewaffen an Bord nehmen, um sie anschließend auf offener See zu vernichten. Das 197 Meter lange Frachtschiff war speziell für die Mission mit zwei Hydrolyse-Anlagen ausgestattet worden.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel schrieb in einem Brief an die 136-köpfige Besatzung des Schiffs, sie breche zu einer "historischen Mission" auf, mit der sie dazu beitragen würde, die Welt sicherer zu machen. Die chemischen Kampfstoffe, darunter Senfgas und das Nervengas Sarin, sollen mit Hilfe von Chemikalien unschädlich gemacht werden. Übrig bleibt toxischer Abfall, der ähnlich wie Industriemüll entsorgt werden kann. Ein Militärsprecher versicherte, die Überreste würden nicht in die Luft oder ins Meer gelangen, sondern gemäß internationaler Bestimmungen entsorgt. Die Operation soll 45 bis 90 Tage dauern.

Nato und Russland wollen kooperieren

Mittlerweile haben die Nato und Russland vereinbart, bei der Vernichtung des syrischen Chemiewaffenarsenals zu kooperieren. Das teilte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel mit. Man wolle prüfen, ob etwa gemeinsame Eskorten beim Abtransport der Waffen per Schiff möglich seien, hieß es aus Diplomatenkreisen.

Nach dem tödlichen Giftgaseinsatz bei Damaskus im August hatte Syrien angesichts der Drohung mit einem US-Militärschlag zugesagt, sein gesamtes Chemiewaffenarsenal unter internationaler Aufsicht zu zerstören. Die Produktionsanlagen wurden inzwischen unbrauchbar gemacht und die Kampfstoffe zum Mittelmeerhafen Latakia gebracht, von wo sie mit skandinavischen Frachtschiffen in den Hafen von Gioia Tauro transportiert werden sollen.

Der Bürgerkrieg in Syrien steckt seit Monaten in einer Pattsituation. Weder die Truppen von Präsident Baschar al-Assad noch die Rebellen sind in der Lage, ihre Gegner entscheidend zu schlagen. Bei den Syrien-Friedensgesprächen in Genf bewegen sich die Konfliktparteien kaum aufeinander zu. "Es ist schon ein Erfolg, dass die beiden Delegationen nicht abgereist sind und jetzt miteinander in einem Raum sitzen", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier. "Das ist nicht viel. Aber es kann der Beginn von dauerhaften Gesprächen werden." Unklar ist nach wie vor auch, wann die ersten Hilfslieferungen in der eingekesselten Stadt Homs ankommen.

mxw/dpa/AFP/AP/Reuters

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Seite 1
Reziprozitaet 28.01.2014
1. ...
Zitat von sysopAPDie Aktion soll auf hoher See ablaufen: Ein US-Spezialschiff ist ins Mittelmeer aufgebrochen, um die gefährlichsten syrischen Chemiewaffen zu zerstören. Verteidigungsminister Hagel sprach von einer "historischen Mission". http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-us-spezialschiff-vernichtet-chemiewaffen-auf-dem-meer-a-945977.html
Hoffentlich wird die internationale Aufsicht auch auf dem US-Spezialschiff lückenlos aufrechterhalten. Nicht das sich die CIA etwas von den Giftgasbeständen auf die Seite legen können um zukünftige Massenvernchtungwaffenvorwürfe in irgendwelchen Ländern mit diesem Material zu rechtfertigen.
dilinger 28.01.2014
2.
Zitat von ReziprozitaetHoffentlich wird die internationale Aufsicht auch auf dem US-Spezialschiff lückenlos aufrechterhalten. Nicht das sich die CIA etwas von den Giftgasbeständen auf die Seite legen können um zukünftige Massenvernchtungwaffenvorwürfe in irgendwelchen Ländern mit diesem Material zu rechtfertigen.
Genau, da muss man höllisch aufpassen. Assad hatte ja eigentlich auch keine Chemiewaffen, sie wurden ihm von der CIA bloß untergejubelt.
Leto13 29.01.2014
3. hm
Zitat von sysopAPDie Aktion soll auf hoher See ablaufen: Ein US-Spezialschiff ist ins Mittelmeer aufgebrochen, um die gefährlichsten syrischen Chemiewaffen zu zerstören. Verteidigungsminister Hagel sprach von einer "historischen Mission". http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-us-spezialschiff-vernichtet-chemiewaffen-auf-dem-meer-a-945977.html
Wer die syrischen Waffen zerstoeren will, soll das gefaelligst bei sich vor der Kueste durchfuehren, vielleicht im Golf von Mexico, statt im fast komplett geschlossenen Mittelmeer zwischen Griechenland, Italien und Libyen das Wasser zu verseuchen.
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