Militärische Intervention Russland startet Luftangriffe in Syrien

Russland hat mit ersten Luftangriffen in Syrien begonnen - wenige Stunden nachdem das russische Parlament diese gebilligt hatte. Ziel der Attacken war demnach unter anderem die Umgebung der Stadt Homs.


Moskau soll die Amerikaner nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters eine Stunde vorher informiert haben: Russland fliegt erste Luftangriffe in Syrien. Der Angriff habe in der Region Homs stattgefunden, sagte ein amerikanischer Regierungsvertreter am Mittwoch.

Kurze Zeit später meldeten auch russische Medien unter Berufung auf das Verteidigungsministerium den Beginn der Luftangriffe. Das syrische Staatsfernsehen meldete am Nachmittag, Russland habe zusammen mit der syrischen Luftwaffe mehrere Ziele des "Islamischen Staats" (IS) attackiert. Von US- und französischer Seite hieß es jedoch, die Russen hätten keine Stellungen der Terrormiliz angegriffen, sondern der syrischen Opposition. Ein Sprecher der Opposition behauptete später, bei dem Luftangriff der Russen seien Zivilisten getötet worden.

Laut dem US-Fernsehsender CNN informierte ein russischer General die US-Botschaft in Bagdad über die bevorstehende Attacke. Der General habe einem Militärattaché gesagt, dass der Angriff innerhalb einer Stunde stattfinden werde, ohne den Ort zu nennen, hieß es. Zudem habe er die USA aufgefordert, Kampfflugzeuge aus dem syrischen Luftraum abzuziehen. Diese fliegen jedoch weiter ihre eigenen Einsätze.

Zuvor hatte das russische Parlament Präsident Wladimir Putin die Erlaubnis zu einem Militäreinsatz im Ausland erteilt. Der Kremlchef ist der wichtigste Verbündete von Syriens Präsident Baschar al-Assad, der zunehmend durch die Extremistenmiliz "Islamischer Staat "(IS) unter Druck gerät. Die syrische Regierung behauptete, die russische Militärhilfe gehe allein auf eine Bitte Assads zurück.

Putin: "Einziger Weg gegen internationalen Terrorismus"

Putin bezeichnete die Intervention als "einzigen Weg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Russland werde die syrische Armee so lange unterstützen, bis diese ihren Kampf beendet habe, sagte er bei einem Treffen mit Regierungsvertretern am Mittwoch bei Moskau. Bodentruppen sollen nach Angaben des russischen Präsidialamts aber nicht eingreifen. Putin sagte außerdem, er erwarte, dass sich Assad bei der Frage über die Zukunft seines Landes kompromissbereit zeige - was auch immer das bedeutet.

Auf ein gemeinsames militärisches Vorgehen gegen den IS konnten sich Washington und Moskau bisher nicht einigen. Die Information der USA und ihrer Verbündeten gegen den IS sollen über ein Verbindungsbüro in Bagdad laufen. In Putins Umfeld hieß es, eigene Interessen verfolge Moskau in Syrien nicht. Es sei zudem nach wie vor ein gemeinsames Vorgehen gegen den IS möglich und notwendig.

Die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte unterdessen mit, bei Angriffen der syrischen Luftwaffe in der Provinz Homs seien mindestens 27 Menschen getötet worden, darunter sechs Kinder.

Die USA fliegen bereits gemeinsam mit Frankreich und anderen Alliierten Angriffe gegen den IS in Syrien und im Irak, wo die Islamisten jeweils große Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht haben. Für Dienstag meldete die US-Armee insgesamt 26 Luftangriffe.

SPIEGEL ONLINE

als/dpa/Reuters/AFP/AP



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