Syrien-Krieg Russische Militärbewegungen irritieren USA

Was treibt Russland da in Syrien? Seit Tagen ist von Flugzeugtransporten die Rede, Panzerlandeschiffe sollen angekommen sein. Die USA zeigen sich besorgt - der Kreml spottet dagegen über eine "merkwürdige Hysterie".

Russische Antonow-124 (Archivbild): Zwei Maschinen sind in der syrischen Region Latakia gesichtet worden
REUTERS/ Host Photo Agency/ RIA Novosti

Russische Antonow-124 (Archivbild): Zwei Maschinen sind in der syrischen Region Latakia gesichtet worden


Im Weißen Haus wächst die Sorge über ein mögliches direktes Eingreifen Russlands im Bürgerkriegsland Syrien. Schließlich sind dort in den vergangenen Tagen zahlreiche Flugbewegungen und Baumaßnahmen registriert worden. "Wir sind tief beunruhigt über Berichte, wonach Russland Soldaten und Luftfahrzeuge nach Syrien gebracht haben könnte", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses am Mittwoch (Ortszeit).

Die russische Armee unterhält im syrischen Tartus ihre einzige Marinebasis im Mittelmeer. Russland gehört zu den letzten Unterstützern von Syriens Staatschef Baschar al-Assad.

In den vergangenen Tagen seien mindestens drei russische Militärflugzeuge in Syrien gelandet, sagten US-Offizielle laut der Nachrichtenagentur Reuters. Zwei Maschinen vom Typ Antonow-124 sowie eine Passagiermaschine seien auf einem Flughafen in der Region Latakia registriert worden. In einem weiteren Bericht ist außerdem von zwei Panzerlandeschiffen die Rede.

Den US-Angaben zufolge errichten russische Soldaten in der Nähe der Hafenstadt Latakia 100 zusätzliche Wohneinheiten. Hinter den Kulissen spekulieren US-Vertreter, ob sich dahinter mögliche Hinweise auf ein direktes militärisches Eingreifen Russlands in den syrischen Bürgerkrieg verbergen könnten.

Die Zeitung "Kommersant" berichtet am Donnerstag zudem unter Berufung auf Militärkreise, dass Russland die syrische Armee mit Handfeuerwaffen und Granatwerfern beliefert. Zudem erhalte die Führung von Präsident Assad gepanzerte Transportfahrzeuge vom Typ BTR-82-A sowie Transporter vom Typ Ural.

Spott über "merkwürdige Hysterie"

Im Kreml nimmt man die wachsende Unruhe der USA offenbar belustigt bis genervt zur Kenntnis. Das Außenministerium beklagte sich über eine "merkwürdige Hysterie", die offenbar viele westliche Länder erfasst habe. "Russland hat nie ein Geheimnis aus seiner militärtechnischen Kooperation mit Syrien gemacht", erklärte Ministeriumssprecherin Maria Zakharov.

Auch in Syrien selbst heißt es, Russland habe die Präsenz seiner Militärberater dort ausgeweitet. "Russische Experten sind immer vor Ort, aber im vergangenen Jahr waren sie stärker präsent", verlautete aus syrischen Militärkreisen. Alle Aspekte der Beziehungen zwischen Syrien und Russland würden derzeit weiterentwickelt, auch die militärischen. Russland argumentiert, seine Militärexperten seien nur vor Ort, um der syrischen Armee bei der Übernahme russischer Waffenlieferungen zu helfen.

Auch Briten und Franzosen könnten eingreifen

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zeigte sich alarmiert. "Ich bin besorgt über Berichte über eine verstärkte russische Militärpräsenz in Syrien", sagte er am Mittwoch in Prag. "Das wird keinen Beitrag zur Lösung der Krise bringen", fügte er hinzu. Auch der französische Außenminister Laurent Fabius sagte, die russische Militärpräsenz in Syrien erschwere die Suche nach einer politischen Lösung.

Neben Russland könnten demnächst auch Großbritannien und Frankreich in Syrien militärisch eingreifen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte daher am Mittwoch vor einer zusätzlichen Eskalation in dem Land. Die britische Luftwaffe hatte am 21. August erstmals die Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien angegriffen. Die britische Regierung schließt weitere solcher Angriffe nicht aus. Auch Frankreich bereitet Luftangriffe gegen den IS in Syrien vor.

jok/dpa/AFP



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