Von Raniah Salloum
Steht das Regime von Syriens Präsident Baschar al-Assad schon bald vor dem Zusammenbruch? Im ganzen Land haben die Rebellen in den vergangenen Monaten ihren Einfluss ausgeweitet, der Druck auf die Regierung steigt von Tag zu Tag, und Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hält den Zerfall des Regimes nur für eine Frage der Zeit.
Sogar Russland scheint sich auf den Sturz Assads vorzubereiten - auch wenn Moskau die Aufsehen erregenden Äußerungen von Vizeaußenminister Michail Bogdanow am Freitag relativierte, dass ein Sieg der Aufständischen nicht auszuschließen sei. "Russland hat seine Position zu Syrien nicht verändert und wird sie nicht verändern", schob Ministeriumssprecher Alexander Lukaschewitsch hinterher.
Doch das Blatt hat sich offenbar zu Gunsten der Rebellen gewandelt. Denn Assad gehen die Unterstützer aus. Es fehlt an willigen Fußsoldaten. Schätzungsweise über 10.000 syrische Soldaten und Milizionäre sind inzwischen gestorben. Syrer in Wehrdienst-Alter fliehen in Massen. Das Regime muss auf immer weitere Altersgruppen unter den Alawiten zurückgreifen - der Minderheitskonfession, der auch Assad angehört.
Selbst die Lufthoheit der Assad-Kampfjets gibt es nicht mehr uneingeschränkt, seit die Rebellen in einem syrischen Militärstützpunkt bei Aleppo Abwehrraketen erbeuteten. Das Regime zieht derzeit in Damaskus Mauern hoch, um sich in Sympathisanten-Stadtteilen einzubunkern.
Syriens Wirtschaft ist größtenteils zusammengebrochen unter den Sanktionen und den Folgen des Krieges. Erst in diesen Tagen hat das Handelsministerium die Ausfuhr von Fleisch und Gemüse verboten. Einen an Normalität grenzenden Alltag gibt es nur noch in wenigen Teilen des Landes. In Homs oder Damaskus gehen die Menschen nur dann zur Arbeit, wenn gerade die Waffen schweigen. Staatsangestellte beziehen dort noch immer ihr Gehalt, in Aleppo im Norden nicht mehr.
Wie geht es in Zukunft in Syrien weiter? Folgende Szenarien kommen in Frage:
Wie es mit Syrien weitergeht, ist also nur sehr bedingt vorherzusagen. Das Regime hat schon manches überlebt, was anderen Diktatoren das Genick gebrochen hätte - die Flucht von über drei Dutzend Generälen oder den Tod fast der gesamten Riege der führenden Sicherheitsberater im Juli 2012. Es kann noch immer auf wichtige Unterstützer in der Region zählen - allen voran Iran, die libanesische Hisbollah und Russland. Dass es jedoch jemals wieder ganz Syrien beherrschen könnte, gilt als ausgeschlossen.
Aktuell ist das wahrscheinlichste Szenario ein jahrelanger Bürgerkrieg mit oder ohne Assad. Überraschungen, die alles verändern könnten, wie erfolgreiche Verhandlungen mit hochrangigen Regimevertretern für einen schnellen Abgang Assads, sind jedoch nicht auszuschließen.
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