Syrien Von Rebellen belagerte Dörfer werden evakuiert

Knapp 7000 Menschen sollen aus Fua und Kafraja gebracht werden, die beiden syrischen Orte wurden seit Jahren von Rebellen belagert. Die Evakuierung wurde offenbar von Russland und der Türkei vereinbart.

Krankenwagen und Busse bei Fua und Kafraja
REUTERS

Krankenwagen und Busse bei Fua und Kafraja


In Syrien hat die Evakuierung Tausender Menschen aus zwei von Rebellen belagerten regierungstreuen Dörfern begonnen. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete in der Nacht zum Donnerstag von 20 Bussen, die die überwiegend von Schiiten bewohnten Ortschaften Fua und Kafraja verließen. An Bord waren demnach sowohl Kämpfer als auch Zivilisten.

Auch die Agentur Reuters berichtete vom Beginn der Evakuierungen und berief sich dabei auf Angaben der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte*. Demnach ist die Aktion Teil einer Einigung zwischen Russland als Verbündetem der syrischen Regierung und der Türkei als Unterstützer der Aufständischen. Den Informationen zufolge sollen alle rund 6900 Bewohner aus den Dörfern heraus und in von der Regierung kontrollierte Gebiete gebracht werden. Im Gegenzug sollen Hunderte Gefangene aus staatlichen Gefängnissen freigelassen werden.

2017 war in der Region schon einmal eine ähnliche Einigung ausgehandelt worden. Im Gegenzug wurden zwei von Regierungstruppen belagerte Städte in der Nähe von Damaskus evakuiert. Der Flüchtlingskonvoi aus Fua und Kafraja wurde damals angegriffen, etwa 150 Menschen starben.

Angriffe auf Nawa

Einwohner der Stadt Nawa im Süden Syriens hatten am Dienstagabend von massiven Angriffen der Armee berichtet. Die Rede war von intensiven Luftangriffen sowie Raketenbeschuss. Nach Angaben von Aktivisten und Rettungskräften starben etwa ein Dutzend Menschen.

In Nawa leben noch mindestens 100.000 Menschen. Das dortige Stadtzentrum ist das größte in der Provinz Deraa, das sich noch in der Hand von Rebellen befindet. Mit Unterstützung Russlands haben Regierungstruppen vergangenen Monat eine Offensive gegen die Aufständischen in Deraa gestartet. Die Provinz grenzt an die Provinz Kuneitra nahe der von Israel kontrollierten Golanhöhen.

Golanhöhen

Die Angriffe auf Nawa erfolgten nur Stunden, nachdem Tausende von Vertriebenen, die an der Grenze zu Israel Zuflucht suchten, in die Stadt zurückgekehrt waren. Nach Auskunft eines weiteren Einwohners wurden sie dazu durch Berichte ermutigt, die Aufständischen hätten mit dem russischen Militär ein Kapitulationsabkommen geschlossen, das die Stadt vor Beschuss verschonen werde.


*Die Organisation bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort. Für Medien sind sie kaum zu überprüfen, in der Vergangenheit haben sich die Angaben aber als verlässlich erwiesen.

aar/AFP/Reuters

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