Seit Mitternacht in Kraft Waffenruhe in Syrien scheint zu halten

Werden die Hoffnungen dieses Mal erfüllt? Seit Mitternacht gilt in Syrien eine Feuerpause - bis auf wenige Ausnahmen blieb es in den meisten Landesteilen ruhig.

Syrische Soldaten in Aleppo
AFP

Syrische Soldaten in Aleppo


Die von Russland und der Türkei vermittelte Waffenruhe in Syrien schien in den ersten Stunden zu halten. Das berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien. Deren Informationen lassen sich in der Regel nicht zu 100 Prozent verifizieren, haben sich aber in der Vergangenheit als valide herausgestellt. Die Feuerpause war um Mitternacht in Kraft getreten.

In der Gegend zweier von Rebellen gehaltener Ortschaften im Süden des Landes seien dennoch Schüsse zu hören gewesen. Auch in der Nähe von Damaskus soll es Aktivisten zufolge wieder Gefechte gegeben haben. Hubschrauber würden auf Stellungen der Opposition sowie der dschihadistischen Fateh-al-Scham-Front feuern, die früher Al-Nusra-Front hieß, teilte die Beobachtungsstelle mit.

In anderen Landesteilen schien die Waffenruhe hingegen zu halten. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete aus Ost-Ghuta, nach heftigen Luftangriffen und Schüssen am Donnerstag sei es später ruhig gewesen. Auch AFP-Reporter in Damaskus und Idlib berichteten, es gebe seit Mitternacht weder Gewehrfeuer noch Luftangriffe oder Zusammenstöße.

Syriens Außenminister Walid al-Muallim nannte die Waffenruhe im syrischen Staatsfernsehen "eine ernsthafte Möglichkeit, um eine politische Lösung zu finden und das Blutvergießen in Syrien zu beenden". Die oppositionelle Syrische Nationale Koalition (SNC) hatte die Abmachung am Donnerstag begrüßt und alle Rebellengruppen dazu aufgefordert, sich an die Waffenruhe zu halten. Auch der militärische Arm der Koalition, die Freie Syrische Armee (FSA), teilte mit, sich an die Feuerpause halten zu wollen. Allerdings werde auf Verstöße reagiert.

Mohammed al-Schami, ein führender Kommandant der FSA, sagte, die Garantiemächte Russland und Türkei würden die Waffenruhe überwachen und darauf achten, dass keine Konfliktpartei versuche, neue Gebiete während der Feuerpause zu erobern. "Verhandlungen werden innerhalb eines Monats beginnen", sagte er. Ziel sei eine politische Lösung.

Russland und die Türkei hatten die Waffenruhe zwischen der Regierung von Präsident Baschar al-Assad und mehreren Oppositionsgruppen ausgehandelt. Gruppen, die vom Uno-Sicherheitsrat als Terrororganisationen eingestuft werden, sind von der Waffenruhe ausgenommen. Der internationale Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) soll also fortgeführt werden. Auch ist die Fateh-al-Scham-Front nach Ansicht der syrischen Opposition nicht Teil der Waffenstillstands-Vereinbarung.

Eine stabile Waffenruhe könnte Grundlage für Gespräche sein, bei denen die Türkei und Russland im Januar in der kasachischen Hauptstadt Astana zwischen Vertretern der syrischen Opposition und der Regierung von Machthaber Assad vermitteln wollen.

Frühere Versuche international ausgehandelter Waffenruhen scheiterten. Die Abmachungen im Februar und September waren nach wenigen Wochen gescheitert. Mitte Dezember aber verhalfen die russische Luftwaffe und iranische Milizen Assad zur strategisch wichtigen Rückeroberung der Stadt Aleppo - dadurch entstand eine neue Dynamik. Die Vereinten Nationen begrüßten die Einigung auf eine Waffenruhe.

max/dpa/AFP

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