Nach Luftangriff Syrien wirft USA Massaker vor

Bei einem US-Luftangriff in Syrien sollen bis zu 100 regierungstreue Soldaten getötet worden sein. Nun wirft das syrische Regime den USA Kriegsverbrechen vor.

US-Soldaten in Syrien
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US-Soldaten in Syrien


Die syrische Regierung hat den Luftangriff des US-Militärs auf regierungstreue Truppen als "brutales Massaker" bezeichnet. "Diese neuerliche Aggression bestätigt die niederen Beweggründe gegen die Souveränität Syriens", hieß es in einem Brief des syrischen Außenministeriums an den Uno-Generalsekretär und den Präsidenten des Uno-Sicherheitsrates. Das Land warf der von den USA geführten Anti-IS-Koalition Kriegsverbrechen und Terrorunterstützung vor.

Am Mittwoch hatte das US-Militär die regierungstreuen Truppen in der Provinz Dair as-Saur aus der Luft und mit Artillerie angegriffen. Das Pentagon sprach von Selbstverteidigung. Die Regierungsanhänger hätten im Euphrattal das Gebiet um ein Hauptquartier der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) mit Panzern und Artillerie angegriffen. Dort hätten sich auch Soldaten des Anti-IS-Bündnisses aufgehalten. Syrien behauptete, dass sich die eigenen Truppen in Kämpfen mit der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) befunden hätten.

Die SDF, von Kurden angeführt, sind eng mit Washington verbündet und bekämpfen mit Unterstützung der Koalition den IS. Das Gebiet um die frühere Extremistenhochburg Dair as-Saur nahe der Grenze zum Irak ist strategisch wichtig. Hier stehen sich SDF und Regierung gegenüber. Zudem liegen im Euphrattal wichtige Ölvorräte des durch den Bürgerkrieg schwer geschädigten Landes.

Russland hat "eine Menge Fragen" an die USA

Über die Opferzahlen gibt es unterschiedliche Angaben. Das US-Militär schätzte die Zahl der Toten auf mehr als 100, berichtete der Sender CNN. Das Pentagon wollte zunächst keine Zahlen bestätigen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete mindestens 45 getötete Regierungskräfte. Aus syrischen Militärkreisen hieß es, mehr als 150 regierungstreue Kämpfer seien getötet oder verletzt worden. Unter den Toten seien auch afghanische Kämpfer gewesen.

Russlands Militär sprach abweichend von nur 25 Verletzten aufseiten der regierungstreuen Kräfte, nicht von Toten. Das Vorgehen der Milizen gegen die SDF sei nicht mit Russland abgestimmt gewesen, hieß es in einer Mitteilung. Moskau habe wegen des Vorfalls "eine Menge Fragen" an die USA, sagte Maria Sacharowa, Sprecherin des Außenministeriums. Sie hielt sich mit einer Bewertung zurück. Man sammle noch Informationen, sagte sie der Agentur Interfax zufolge. Russische Soldaten, die die Assad-Truppen im Bürgerkrieg unterstützen, seien nicht in der Region gewesen. Die Anti-IS-Koalition teilte mit, sie habe mit ihrem russischen Gegenüber vor, während und nach dem abgewehrten Pro-Regime-Angriff in regulärem Kontakt gestanden.

Die USA gehören zwar zu den Gegnern von Syriens Machthaber Baschar al-Assad, vertreten aber eigentlich die Linie, sich aus dem Bürgerkrieg herauszuhalten. An der Spitze der internationalen Koalition bekämpfen sie nur die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). US-Verteidigungsminister James Mattis sagte, an dieser Haltung habe sich nichts geändert. Trotz des Angriffs werde man nicht in den Bürgerkrieg eingreifen.

max/dpa



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