Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Syrienkrieg: Putin weist Merkels Kritik an Luftangriffen auf Aleppo zurück

Kinder in Aleppo neben einem Einschlagsloch: Kreml wirft Merkel Doppelmoral vor Zur Großansicht
REUTERS

Kinder in Aleppo neben einem Einschlagsloch: Kreml wirft Merkel Doppelmoral vor

Der Kreml rechtfertigt die russischen Luftangriffe auf Aleppo. Derzeit gebe es keine glaubwürdigen Beweise für zivile Opfer, sagt der Sprecher von Wladimir Putin.

Seit Tagen fliegt die russische Luftwaffe schwere Angriffe auf die syrische Großstadt Aleppo und das nördliche Umland. Zivile Opfer habe es bei den Bombardements aber bisher nicht gegeben, behauptet der Kreml. Jedenfalls gebe es bislang "keine glaubwürdigen Beweise" für getötete Zivilisten, sagte Wladimir Putins Sprecher, Dmitrij Peskow.

Am Montag hatte Angela Merkel die Bombardierungen verurteilt: "Wir sind in den letzten Tagen nicht nur erschreckt, sondern auch entsetzt, was an menschlichem Leid für Zehntausende Menschen durch Bombenangriffe entstanden ist, vorrangig von russischer Seite", sagte die Kanzlerin. Sie machte deutlich, dass Moskau damit gegen eine entsprechende Uno-Resolution verstoße, die sich gegen Angriffe auf die Zivilbevölkerung richte.

Der Sprecher des russischen Präsidenten weist die Anschuldigungen nun zurück: "Was die Worte der Bundeskanzlerin über die angeblichen Opfer durch russische Flugzeuge angeht, so möchte ich die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass es trotz großen Aufwands noch niemanden gibt, der diese Worte glaubwürdig bestätigen kann."

Kreml-Sprecher Peskow warf Merkel zudem Doppelmoral vor. "Leider haben wir solche Bewertungen nicht gehört, als vor zwei bis drei Jahren barbarische Terroristen auf syrischem Gebiet die syrischen Streitkräfte und die legitime Regierung angriffen."

80 Prozent der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder

Putins Sprecher nannte auch die Anschuldigungen des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan absurd, der Russland eine Invasion Syriens vorwarf, die das Ziel habe, einen Zwergstaat für Diktator Baschar al-Assad zu errichten.

Nach Uno-Angaben sind in den vergangenen Tagen 31.000 Menschen aus Aleppo und Umgebung geflohen. Ahmad al-Mohammad von der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) erklärte, die Hilfsorganisationen verteilten warme Kleidung und Matratzen. Hilfe aus der Türkei kann über die Grenze in das fünf Kilometer entfernte Asas gebracht werden, aber die Einreise der Flüchtlinge in die Türkei haben die dortigen Behörden verboten.

Der Uno-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien äußerte sich "tief beunruhigt". Schätzungen zufolge seien etwa 80 Prozent der Flüchtlinge Frauen und Kinder. Es gebe Berichte über getötete oder verletzte Zivilisten. Bei den Kämpfen um Aleppo seien auch zwei Krankenhäuser getroffen worden.

Lesen Sie hier eine Reportage von Hasnain Kazim von der türkisch-syrischen Grenze.

syd/Reuters

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Kämpfe in Aleppo: Tausende Syrer auf der Flucht

Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Syrien-Reiseseite

Fotostrecke
Fotostrecke: Die Türkei macht die Grenze dicht


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: