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Bürgerkrieg in Syrien: Zehntausende fliehen vor russischen Bomben auf Aleppo

Zahraa, nördlich von Aleppo: Schiiten feiern Einzug von Assads Soldaten Zur Großansicht
AFP

Zahraa, nördlich von Aleppo: Schiiten feiern Einzug von Assads Soldaten

Während in London Milliardenhilfen für Syriens Bürgerkriegsopfer beschlossen werden, fliehen Zehntausende vor der Schlacht um Aleppo. Russland wirft der Türkei vor, in Syrien eingreifen zu wollen.

Offenbar führen der Vormarsch Assad-treuer Regierungstruppen und russische Bombardements im Norden Syriens dazu, dass erneut Zehntausende aus der Region fliehen müssen.

Unterstützt von Luftangriffen rücken syrische Einheiten auf von Rebellen gehaltene Orte und Stadtviertel in und um die nordsyrische Großstadt Aleppo vor. Die Türkei rechnet deshalb mit der Ankunft von bis zu 70.000 Flüchtlingen an ihrer Grenze.

Russland hat seine Luftschläge seit Montag intensiviert: Wie das russische Verteidigungsministerium meldet, habe man seit Wochenanfang 900 syrische Rebellenstellungen aus der Luft attackiert. Russland warnte die Türkei zugleich davor, sich nicht in den Syrienkrieg einzumischen. Das Land treffe "geheime Vorbereitungen" für ein Eingreifen auf syrischem Staatsgebiet, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in Moskau.

Türkei wirft Russland Beteiligung an Kriegsverbrechen vor

Die Türkei rechnet indes mit einer neuen Flüchtlingswelle an ihrer Grenze. Es warteten bereits "10.000 neue Flüchtlinge vor dem Grenzübergang in Kilis", sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Rand der Syriengeberkonferenz in London. Syrische Regierungstruppen hatten am Mittwoch die wichtigste Nachschubroute der syrischen Rebellen von Aleppo zur türkischen Grenze abgeschnitten.

Ministerpräsident Davutoglu attackierte indirekt die russische Regierung und warf ihr vor, mit ihrer Unterstützung für Machthaber Baschar al-Assad Kriegsverbrechen zu begehen. Er sage das auch, weil Aleppo gerade unter schwerem Beschuss russischer Kampfjets stehe. Die Wurzel aller Probleme in Syrien seien "die Kriegsverbrechen, die das syrische Regime begeht, ebenso wie die Kriegsverbrechen des 'Islamischen Staates'", sagte der Premier.

Internationale Gemeinschaft verspricht zehn Milliarden Dollar

Die Friedensgespräche zwischen dem Assad-Regime und syrischen Rebellengruppen im schweizerischen Genf waren am Mittwoch nach nur drei Tagen bis Ende Februar ausgesetzt worden. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan machte Russland in diesem Zusammenhang schwere Vorhaltungen: "Russland tötet weiter Menschen in Syrien", sagte Erdogan bei einem Staatsbesuch in Peru. Die Friedensgespräche hätten deshalb derzeit keinen Sinn, sie würden die Sache nur leichter für Assad machen.

Bereits die USA hatten Russland eine Mitschuld an der dreiwöchigen Unterbrechung gegeben. Der US-Außenamtssprecher John Kirby warf Moskau vor, die Friedensbemühungen mit seinen Luftangriffen in und um Aleppo behindert zu haben.

Auf der Londoner Geberkonferenz für die syrischen Bürgerkriegsopfer haben Deutschland und etliche andere Staaten unterdessen Milliardenhilfen zugesagt. Als Zielmarke hatte die Uno 7,7 Milliarden US-Dollar ausgegeben. Deutschland will 2,3 Milliarden Euro bis zum Jahr 2018 beisteuern. Großbritanniens Premier David Cameron kündigte an, die Mittel, die im vergangenen Jahr versprochen wurden auf gut eine halbe Milliarde Pfund zu verdoppeln. Die USA sagten 890 Millionen Dollar für das laufende Jahr zu. Laut Cameron habe die Konferenz insgesamt Zusagen von zehn Milliarden US-Dollar erreicht.

Im syrischen Bürgerkrieg sind seit März 2011 rund 260.000 Menschen getötet worden. Grundlage der Genfer Gespräche ist die Resolution 2254 des Uno-Sicherheitsrats vom 18. Dezember. Diese sieht einen mehrstufigen Zeitplan zur Beendigung des Konflikts vor, an dessen Ende eine Übergangsregierung stehen soll.

Video: Syrische Kinder schildern Angriffe auf ihre Schule

REUTERS

cht/dpa/Reuters/AP

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