Assad-Auftritt in Damaskus: "Das Land steht in Flammen"
Bei einem seltenen Auftritt hat Syriens Diktator Baschar al-Assad die dramatische Lage in seinem Staat anerkannt: Das Land stehe in Flammen, ganz Syrien sei verletzt. Seit Beginn des Aufstands gegen ihn sind Zehntausende gestorben, Millionen geflüchtet.
Damaskus/Istanbul - Der Bürgerkrieg in Syrien traumatisiert ein ganzes Land: Menschen werden gefoltert, Kinder werden zu Waisen, ganze Familien innerhalb weniger Sekunden ausgelöscht. Seit dem Aufstand gegen das Regime von Baschar al-Assad sind geschätzte 70.000 Menschen getötet worden. Doch die Familie von Assad gaukelte inmitten dieses Grauens noch lange heile Welt vor.
Erst am Wochenende veröffentlichte Assad auf seiner Facebook-Seite ein Foto von seiner Frau Asma, die bei einem Termin gut gelaunt und umringt von jubelnden syrischen Frauen und Kindern zu sehen ist.
Nun scheint die Dimension des Konflikts auch zu Assad durchgedrungen zu sein. Bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte räumte er ein: "Das Land steht in Flammen." Während eines Treffens mit Angehörigen getöteter Schulkinder am Mittwoch in Damaskus sagte der Despot: "Ganz Syrien ist heute verletzt. Es gibt im ganzen Land niemanden, der nicht einen Verwandten verloren hat, einen Bruder, den Vater oder die Mutter, aber nichts ist so schlimm wie der Verlust eines Sohnes. Dennoch darf das, was uns widerfährt, uns nicht schwächen."
Eine Videoaufnahme des Treffens, das aus Sicherheitsgründen nicht angekündigt worden war, wurde am Donnerstag von der staatlichen Nachrichtenagentur Sana veröffentlicht.
Der Aufstand der Rebellen gegen Assad begann vor knapp zwei Jahren. Nach Uno-Angaben sind mehr als 1,1 Millionen Syrer wegen des Bürgerkriegs in ein Nachbarland geflohen. Weitere rund 3,6 Millionen Menschen seien innerhalb des Landes auf der Flucht. Deutschland wird in diesem Jahr mindestens 5000 weitere syrische Bürgerkriegsflüchtlinge aufnehmen, kündigte die Bundesregierung am Mittwoch an.
Der Konflikt im Land tobt weiter. Allein am Mittwoch sollen etwa 200 Menschen getötet worden sein. Am Donnerstag zählten die Rebellen 17 Tote.
Die internationale Gemeinschaft ist besonders besorgt über den angeblichen Einsatz von Chemiewaffen. Die syrische Regierung und die Rebellen werfen sich gegenseitig vor, am Dienstag in den Gegenden von Damaskus und Aleppo Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Die USA, Großbritannien und Frankreich fordern jetzt, eine Uno-Untersuchungskommission solle die Vorwürfe klären.
Israelische Militärs und US-Abgeordnete vermuten, dass das Assad-Regime für den Einsatz der Chemiewaffen verantwortlich ist. US-Präsident Barack Obama gerät daher unter Druck - früher hatte er ein solches Vorgehen als rote Linie bezeichnet.
kgp/dpa
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Staatsoberhaupt:
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Regierungschef: Wail al-Halki
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