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Aufstand gegen Assad: Syriens Rebellen rüsten auf

Im Kampf gegen das Regime von Assad könnte das Kräfteverhältnis bald kippen. Denn die Rebellen erhalten nach Angaben der "Washington Post" Geld für mehr und bessere Waffen - mit Hilfe der USA.

Syrische Rebellen: Sie sollen inzwischen mehr und bessere Waffen erhalten Zur Großansicht
AFP

Syrische Rebellen: Sie sollen inzwischen mehr und bessere Waffen erhalten

Hamburg - Die Schlagkraft der syrischen Aufständischen nimmt offenbar zu: Die Rebellen haben in der vergangenen Woche deutlich mehr und bessere Waffen erhalten. Das berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf US-Beamte und syrische Oppositionelle.

Bei der Aufrüstung der Gegner des Regimes von Baschar al-Assad habe Washington eine zentrale Rolle gespielt: Die Obama-Regierung stehe inzwischen in engem Kontakt mit Oppositionsgruppen. Zwar würden die USA nach wie vor keine Waffen an die Rebellen liefern, sondern nur zivile Hilfe wie Satellitentelefone. Doch die US-Regierung arbeite intensiv mit den Golfstaaten zusammen. Saudi-Arabien und Katar hatten im April entschieden, Syriens Aufständische zu finanzieren.

Am Montag hattenAufständische in Rastan nahe der Stadt Homs 23 Regime-Soldaten getötet, berichteten mehrere Aktivistengruppen. Möglicherweise war dieser Rebellen-Erfolg bereits das Ergebnis der stärkeren Unterstützung durch die Golfstaaten und die USA.

Während es den Aufständischen seit Beginn des Aufstandes gegen das Assad-Regime an Waffen und Munition mangelte, scheint dies inzwischen kein Problem mehr: "Große Lieferungen sind angekommen, in manche Gegenden sind wir bis an die Zähne bewaffnet", sagte ein syrischer Oppositioneller der "Washington Post". In Damaskus, dem Vorort Zabadani und in der Provinz Idlib nahe der türkischen Grenze würden bereits Depots mit Waffen angelegt. Auch Granatenwerfer zur Abwehr von Panzern seien darunter.

Der Großteil der Waffen werde nach wie vor auf dem libanesischen Schwarzmarkt gekauft, berichten Oppositionelle - mit Geld aus Saudi-Arabien, Katar und von der syrischen Muslimbrüderschaft. Deren führende Mitglieder leben größtenteils im Exil. Die USA würden die Golfstaaten dabei beraten, welche Aufständischen-Gruppen sie unterstützen sollten. Es hielten sich jedoch weder US-Geheimdienstler noch US-Militärs in Syrien auf.

Offiziell steht Washington jedoch nach wie vor hinter den Friedensbemühungen des Uno-Sonderbeauftragten Kofi Annan. Dieser hatte im März einen Waffenstillstand zwischen dem syrischen Regime und den Aufständischen ausgehandelt. Doch sei die Gewalt trotzdem auf einem "inakzeptablen Niveau", gestand er ein. International werden daher Alternativen sondiert, wie eine weitere Eskalation und ein mögliches Übergreifen des Konflikts auf die ganze Region doch noch verhindert werden könnte. Da ein internationaler militärischer Eingreifen als zu riskant gilt, setzt man nun verstärkt auf die Aufrüstung der Opposition.

Die USA hätten sich auch mit einer Kurden-Delegation aus dem Nordosten Syriens getroffen, berichtete die Washington Post. Bisher haben sich die syrischen Kurden kaum an den Aufständen gegen Machthaber Baschar al-Assad beteiligt. Washington wollte in den Gesprächen prüfen, ob sich dies möglicherweise ändern könnte. Dann stünden Syriens Regimesoldaten neben dem rebellischen Westen einer weiteren Front im dünn besiedelten Osten gegenüber. Damaskus hat bisher versucht, durch Truppenverlagerungen einen Unruheherd nach dem anderen niederzuschlagen. Offenbar kann die Armee nicht an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen.

Das syrische Regime kann sich seit längerem auf Unterstützung aus dem Ausland verlassen. In den vergangenen fünf Jahren kaufte Damaskus in großen Mengen schwere Waffen von Russland ein, berichtete das Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) im Februar. Auch vermuten US-Sicherheitskreise, dass Iran das Regime Syrien bei der Unterdrückung der Aufstände berät.

sal

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1.
Persiflist 16.05.2012
Zitat von sysopAFPIm Kampf gegen das Regime von Assad könnte das Kräfteverhältnis bald kippen. Denn die Rebellen erhalten nach Angaben der "Washington Post" Geld für mehr und bessere Waffen - mit Hilfe der USA. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833457,00.html
SPON sollte seinen journalistischen Pflichten nachkommen und eine neutralere Haltung einnhemen. Und z.B. den Titel umgestalten in: "USA rüsten Terrorgruppen auf"...
2.
unumvir 16.05.2012
"Gewaltbereite syrische Aufwiegler werden von ausländischen Interessengruppen aufgerüstet" wäre wohl der treffendere Titel gewesen.
3. Erinnerungsvermögen!
vlupme 16.05.2012
In den 80ern hat man die Taliban unterstützt, was dabei rausgekommen ist weißman ja und dann letztes Jahr Lybien. Die Einmischung in ein Bürgerkriegsland kann ungeahnte Folgen haben die nicht abschätzbar sind. Wie werden beispielsweise die Milizen wieder entwaffnet, es wurde auch nicht geklärt wer die Nachfolge antreten soll oder was passiert mit Assads-Minderheit. In ein paar Jahren werden wir auf Syrien zurückblicken und uns fragen wie wir nur so dumm sein konnten.
4.
Thom-d 16.05.2012
Zitat von vlupmeIn den 80ern hat man die Taliban unterstützt, was dabei rausgekommen ist weißman ja und dann letztes Jahr Lybien. Die Einmischung in ein Bürgerkriegsland kann ungeahnte Folgen haben die nicht abschätzbar sind. Wie werden beispielsweise die Milizen wieder entwaffnet, es wurde auch nicht geklärt wer die Nachfolge antreten soll oder was passiert mit Assads-Minderheit. In ein paar Jahren werden wir auf Syrien zurückblicken und uns fragen wie wir nur so dumm sein konnten.
Glauben Sie, der Westen wußte nicht, wer in Lybien an die Macht gelangt, wenn er Gaddafi beseitigt und die Rebellen unterstützt? Die wußten ganz genau, das das islamistische Terroristen sind
5. Titel
Ghanima22 16.05.2012
Zitat von sysopAFPIm Kampf gegen das Regime von Assad könnte das Kräfteverhältnis bald kippen. Denn die Rebellen erhalten nach Angaben der "Washington Post" Geld für mehr und bessere Waffen - mit Hilfe der USA. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833457,00.html
Ich bin sicher, mehr und bessere Waffen werden dazu beitragen, die Gewalt auf ein akzeptables Niveau abzusenken. Orwell lässt grüssen. Syrien sollte auf eine vernünftige Antiterror Strategie zurückgreifen und in Städten mit gewalttätigen Aufständischen die männliche Bevölkerung zwischen 16 und 60 eliminieren. Dann sinkt die Gewalt auch auf akzeptables Niveau.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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