TV-Interview: Assad verkündet Ankunft russischer Raketen

Russisches Waffensystem S-300: Erste Lieferung ist offenbar in Syrien angekommen Zur Großansicht
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Russisches Waffensystem S-300: Erste Lieferung ist offenbar in Syrien angekommen

Die ersten russischen Raketen sind offenbar in Syrien angekommen. Diktator Assad hat laut einem libanesischen TV-Sender erklärt, eine Ladung der S-300-Abwehrwaffen habe das Land erreicht. Der Westen hatte versucht, die Lieferung zu verhindern.

Berlin - Die Lieferung ist hochumstritten - aber Russland hat sich offenbar nicht von den Protesten Israels, der EU und der USA abbringen lassen: Nach Angaben von Syriens Staatschef Baschar al-Assad ist die erste Lieferung von russischen Abwehrraketen des Typs S-300 in Syrien angekommen. Das Waffensystem bedeutet für die syrische Armee eine substantielle Verstärkung im Kampf gegen mögliche Luftangriffe zur Unterstützung der Rebellen.

Der libanesische TV-Sender al-Manar teilte mit, Assad habe die Ankunft der Waffen in einem Interview bekanntgegeben, das im Laufe des Donnerstags ausgestrahlt werden soll. Der Sender gehört der schiitischen Hisbollah, die das syrische Regime aktiv in den Kämpfen gegen die Rebellen unterstützt.

"Syrien hat die erste Lieferung von S-300-Raketen erhalten. Der Rest wird bald ankommen", sagte Assad in dem Gespräch. Russlands Außenministerium wollte die Lieferung an Syrien weder bestätigen noch dementieren.

"Die S 300 ist keine Wunderwaffe"

Vor allem Israel ist wegen des S-300-Waffensystems in großer Sorge. Der israelische Luftraum wäre nach Angaben aus Tel Aviv in Reichweite des Systems aus russischer Produktion. "Das Himmel über unserem Staat würde dadurch zu einer Flugverbotszone", hatte Israels Premier Benjamin Netanjahu gewarnt.

Nach Einschätzung von Experten kann es jedoch etwa vier Monate dauern, bis das Flugabwehrsystem voll einsatzfähig ist. Robert Hewson, Rüstungsexperte der Militärzeitschrift "Jane's" spielte die Gefahr, die von den S-300 ausgeht, herunter. "Das ist keine Wunderwaffe", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Es ist ein ziemlich bekanntes System und Israels Freunde wissen, wie man damit umgeht."

Assads Äußerungen kommen wenige Tage, nachdem die Europäische Union das Ende des Waffenembargos gegen Syrien beschloss. Damit kann ab Samstag jedes Mitgliedsland der EU individuell über Waffenlieferungen an die Rebellen entscheiden. Russland hatte daraufhin angekündigt, seine Verbündeten in Damaskus vor einer ausländischen Intervention zu schützen und seine Bereitschaft bekräftigt, S-300-Raketen an Assad zu liefern.

Das militärische Gleichgewicht in Syrien habe sich zugunsten seiner Truppen gewendet, sagte Assad. Seine Regierung werde an der geplanten Friedenskonferenz in Genf teilnehmen, er glaube jedoch nicht an den Erfolg der Verhandlungen. Die "terroristischen Gruppen" in seinem Land würden weiterhin rücksichtslos bekämpft.

USA fordern Hisbollah zum Abzug auf

Auch an Israel richtete Assad Drohungen: Seine Regierung werde sich keiner bewaffneten Gruppe in den Weg stellen, die den von Israel bewaffneten Golan mit militärischer Gewalt befreien wolle.

Unterdessen haben die USA die Hisbollah-Kämpfer zum Abzug aus Syrien aufgefordert. Kämpfer der mit dem Iran verbündeten Hisbollah haben dem Assad-Regime in letzter Zeit zu militärischen Erfolgen gegen die bewaffnete Opposition verholfen. Zuvor hatte schon der Uno-Menschenrechtsrat die Intervention durch ausländische Kämpfer auf Seiten des Assad-Regimes verurteilt.

Die Kämpfe zwischen dem syrischen Militär und Rebellen konzentrieren sich weiterhin rund um die Ortschaft Kusair nahe der libanesischen Grenze. Sie gilt als letzte Rebellenhochburg in Syrien. Die Opposition forderte das Rote Kreuz auf, den mehr als tausend Verwundeten in Kusair zu helfen. Die Nationale Syrische Koalition erklärte am Donnerstag in Istanbul, in der Kleinstadt, die seit der vergangenen Woche von Regierungstruppen und Kämpfern der libanesischen Hisbollah-Miliz angegriffen wird, fehlten Ärzte, Sanitäter und Erste-Hilfe-Material.

Nach Informationen der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldeten Revolutionsaktivisten in Kusair am Morgen erneut heftige Kämpfe.

syd/flo/dpa/AP/Reuters

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insgesamt 281 Beiträge
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1. Es sollte eigenlich auch für...
dissidenz 30.05.2013
Spiegel-Journalisten nachvollziehbar sein, dass ein S-300 Waffensystem weniger im Kampf gegen die Rebellen hilft, sondern in erster Linie fremde Mächte von einer militärischen Intervention abschrecken soll. Israel, Frankreich und Großbritannien werden jetzt wohl den Tod einiger ihrer Piloten in die Rechnung einbeziehen und vertreten müssen, sofern die Meldung stimmt.
2. Syrien
APPEASEMENT 30.05.2013
Zitat von sysopAPDie ersten russischen Raketen sind offenbar in Syrien angekommen. Präsident Baschar al-Assad hat laut der Mitteilung eines libanesischen TV-Senders erklärt, dass die erste Ladung der S-300-Abwehrwaffen sein Land erreicht haben. Der Westen hatte versucht, die Lieferung zu verhindern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syriens-praesident-assad-raeumt-waffenlieferung-aus-russland-ein-a-902728.html
Wie würden wir reagieren, wenn in Deutschland ein Angriff einer arabischen Allianz drohen würde, die deutsche Aufständische unterstützen will? Dürfte Deutschland sich dann auch mit Luftabwehr gg. "Rebellen" und eine Invasionsarmee verteidigen? Syrien wird wohl geteilt werden und die verschiedene Religionen werden dann getrennt leben. Das Gegenteil von Multi Kulti. Den Christen wird es wohl bei Assad am besten gehen.
3. Stolz wie ein Gockel
walter_e._kurtz 30.05.2013
Zitat von sysopAPDie ersten russischen Raketen sind offenbar in Syrien angekommen. Präsident Baschar al-Assad hat laut der Mitteilung eines libanesischen TV-Senders erklärt, dass die erste Ladung der S-300-Abwehrwaffen sein Land erreicht haben. Der Westen hatte versucht, die Lieferung zu verhindern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syriens-praesident-assad-raeumt-waffenlieferung-aus-russland-ein-a-902728.html
Allerding nutzt ihm ein solch komplexes System in den nächsten 12 Monaten gar nix, wenn nicht noch russisches Bedienpersonal "mitgeliefert" wird. Die Option der Errichtung einer Flugverbotszone ist also noch lange nicht vom Tisch. Man wird sehen, was nächsten Monat bei den Friedensgesprächen alles (nicht) passiert.
4.
Torkemada 30.05.2013
Zitat von sysopAPDie ersten russischen Raketen sind offenbar in Syrien angekommen. Präsident Baschar al-Assad hat laut der Mitteilung eines libanesischen TV-Senders erklärt, dass die erste Ladung der S-300-Abwehrwaffen sein Land erreicht haben. Der Westen hatte versucht, die Lieferung zu verhindern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syriens-praesident-assad-raeumt-waffenlieferung-aus-russland-ein-a-902728.html
Ok das ist AP und nicht der Spiegel direkt der das behauptet, aber wenn man sowas durch kopieren/einfügen übernimmt steht man auch dafür ein. Es handelt sich um Luftabwehrraketen. Die "Rebellen" verfügen über keine Luftwaffe. Es kann allerdings sein, dass man inzwischen die israelische und die NATO-Luftwaffe dazuzählt, was dann in gewissen -z.Zt. sehr kleinem- Rahmen dazuzählt.
5. Fliegende Rebellen
olaf_olafson 30.05.2013
Zitat von sysopAPDie ersten russischen Raketen sind offenbar in Syrien angekommen. Präsident Baschar al-Assad hat laut der Mitteilung eines libanesischen TV-Senders erklärt, dass die erste Ladung der S-300-Abwehrwaffen sein Land erreicht haben. Der Westen hatte versucht, die Lieferung zu verhindern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syriens-praesident-assad-raeumt-waffenlieferung-aus-russland-ein-a-902728.html
Vielleicht haben die mittlerweile Superhelden rekrutiert. Spaß beiseite: Die Raketen sind nur dazu gut, zu verhindern, dass ein anderes Land auf die Idee kommt eine Flugangriffszone zu errichten wie in Libyen.
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