Angriff auf Tremseh: Syriens Regime bezichtigt Annan der Lüge
"Es gab kein Massaker in Tremseh": Syriens Regime bestreitet, dass bei dem Angriff auf das Dorf am Donnerstag Unschuldige getötet wurden. Der Sprecher des Außenministeriums in Damaskus warf dem Uno-Sondergesandten Kofi Annan vor, Unwahrheiten zu verbreiten.
Hamburg/Damaskus - Das syrische Regime wäscht seine Hände in Unschuld: In dem Ort Tremseh habe es kein Massaker gegeben, erklärte Dschihad Makdissi, Sprecher des syrischen Außenministeriums, am Sonntag. Dem Sondergesandten von Uno und Arabischer Liga in Syrien, Kofi Annan, warf er vor, Unwahrheiten über den Ablauf der Ereignisse zu verbreiten.
Annan hatte in einem Brief berichtet, dass die syrische Armee am Donnerstag Artillerie, Panzer und Helikopter bei ihrem Angriff auf Tremseh eingesetzt habe. Damit verletze die Regierung Annans Sechs-Punkte-Plan, der unter anderem den Einsatz schwerer Waffen in Wohngebieten verbietet.
"Das Mindeste, das über diesen Brief gesagt werden kann, ist, dass er nicht auf Fakten beruht. So diplomatisch wie möglich sagen wir, dass dieser Brief sehr voreilig war", so Makdissi vor Journalisten in Damaskus. "Die Regierung hat weder Flugzeuge noch Hubschrauber, Panzer oder Artillerie eingesetzt. Die schwersten Waffen, die zur Anwendung kamen, waren Panzerfäuste."
Er widersprach zugleich den Opferzahlen, die von Oppositionellen aus Tremseh berichtet werden. Anders als von den Aufständischen behauptet, seien in dem Ort nicht mehr als 100 Menschen getötet worden, sondern lediglich 37 bewaffnete Kämpfer und zwei Zivilisten.
Augenzeugen berichten von Hinrichtungen
Die Bewohner des Dorfes nahe der Stadt Hama zeichnen ein ganz anderes Bild der Ereignisse. Am frühen Donnerstagmorgen hätten die Regimetruppen begonnen, Tremseh zu beschießen. "Am Nachmittag sind Soldaten und mit ihnen verbündete Schabiha-Milizionäre ins Dorf eingerückt", berichteten Augenzeugen im britischen "Observer".
Sie seien in Häuser eingedrungen und hätten Zivilisten gezielt in den Kopf geschossen. Einige Dorfbewohner sollen zunächst gefesselt und anschließend exekutiert worden sein. Viele Leichen hätten die Eindringlinge anschließend verbrannt, andere verschleppt. Ein Teil der Angreifer soll aus den alawitischen Dörfern stammen, die Tremseh umgeben. Dessen Bewohner gehören zur sunnitischen Bevölkerungsmehrheit in Syrien, zu der auch die meisten Aufständischen zählen.
Am Samstag besuchte eine Beobachterdelegation der Uno den Ort. Nach ersten Erkenntnissen habe die Armee Häuser von Deserteuren und Oppositionellen angegriffen. Auch eine ausgebrannte Schule fanden die Mitarbeiter der Unsmis-Mission vor. In mehreren Gebäuden seien Blutlachen und Patronenhülsen entdeckt worden.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) machte das Regime des Präsidenten Baschar al-Assad für die Gewalt verantwortlich. In der "Bild am Sonntag" forderte er den Uno-Sicherheitsrat auf, dem Assad-Regime endlich seine Grenzen aufzuzeigen und Sanktionen zu verhängen, wenn der Diktator sich weiter weigere, seine schweren Waffen aus den Städten und Dörfern Syriens abzuziehen.
syd/dpa
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Bevölkerung: 22,505 Mio.
Hauptstadt: Damaskus
Staatsoberhaupt:
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