Beirut - Mehr als hundert Zivilisten sind offenbar bei Angriffen der syrischen Armee getötet worden. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte spricht von 106 Opfern, "darunter Frauen und Kinder".
Die Streitkräfte der Regierung hätten die Menschen in der Region von Homs attackiert, in einer ärmlichen Gegend. Die Beobachtungsstelle nannte weitere, grausame Details: Die Opfer seien erschossen, erstochen oder in ihren Häusern verbrannt worden. "Das muss von den Vereinten Nationen untersucht werden", forderte der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Von unabhängiger Seite ließen sich die Angaben zunächst nicht überprüfen.
Seit Monaten bekämpfen sich die Truppen von Präsident Baschar al-Assad und die Rebellen. Seit Beginn des Aufstands im März 2011 gegen Assad sind mehr als 60.000 Menschen ums Leben gekommen.
Nervengas gegen Zivilisten?
Eine der am härtesten getroffenen Städte ist Homs. Einem geheimen Bericht des US-Generalkonsulats in Istanbul zufolge soll Assads Armee am 23. Dezember dort das Nervengas Agent 15 eingesetzt haben. Dies berichtet das US-Magazin "Foreign Policy". Die Depesche stützt sich auf Informationen von syrischen Ärzten, Deserteuren und Aktivisten. Demnach wurde Agent 15 - ein Nervengas, dass beim Einatmen Halluzinationen, starke Übelkeit und Desorientierung auslöst und zum Tod führen kann - kurz vor Weihnachten in Homs eingesetzt. Das unter dem Nato-Code BZ bekannte Giftgas soll Ärzten zufolge fünf Menschen das Leben gekostet und bei rund hundert weiteren zur Schädigung des Nervensystems geführt haben.
Ein Mitarbeiter der Obama-Regierung hatte "Foreign Policy" den Bericht bestätigt: "Wir können es nicht zu 100 Prozent sicher sagen, aber Zeugenaussagen machen es sehr wahrscheinlich, dass Agent 15 eingesetzt wurde", wird der Beamte zitiert. Das US-Magazin berichtet, dass auf YouTube und Facebook Videos der Opfer kursieren würden.
Zwischenzeitlich ist die US-Regierung allerdings von dem Bericht des Außenministeriums über einen Einsatz von Chemiewaffen abgerückt. Es gebe keine Beweise dafür, dass die syrische Führung neue Maßnahmen zum Einsatz von Chemiewaffen ergriffen habe, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Tommy Vietor.
Viele Syrer flüchten sich vor Tod, Gewalt und Hunger ins Ausland. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk erwartet, dass bis Mitte dieses Jahres die Zahl der syrischen Flüchtlinge in den Nachbarländern auf über eine Million steigen werde. Doch auch in den Flüchtlingslagern erwartet die Syrer oft großes Elend: In vielen Camps herrschen katastrophale Zustände.
Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz hat sich jetzt dafür ausgesprochen, mehr syrische Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen. Die bisherige Politik müsse überprüft werden, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur. Polenz plädierte dafür, die Familienzusammenführung mit Syrern, die bereits in Deutschland lebten, zu erleichtern: "Ich finde, in solchen Fällen sollten wir die Familienzusammenführung erleichtern und das möglich machen."
kgp/AFP/Reuters
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