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Jordanien, Libanon, Türkei: Flüchtlinge kehren nach Syrien zurück

Hoffnungslose Lage: Syrische Flüchtlinge im Zaatari-Camp in Jordanien Zur Großansicht
REUTERS

Hoffnungslose Lage: Syrische Flüchtlinge im Zaatari-Camp in Jordanien

In Jordanien, dem Libanon und der Türkei leben Millionen Flüchtlinge aus Syrien. Viele können sich den Weg nach Europa nicht leisten - und kehren nun zurück in das Bürgerkriegsland.

Viele Menschen, die in Syriens Nachbarländern Zuflucht gesucht haben, geben auf. Sie haben oft kaum etwas zu essen, arbeiten dürfen sie nicht, sie leben in bitterster Armut. Eine Chance, mehrere Tausend Euro für einen Schlepper aufzubringen, der sie nach Europa bringt, haben sie nicht.

Die Folge: Immer mehr Flüchtlinge aus Syrien gehen dorthin, woher sie gekommen sind - in ihre Heimat, das Bürgerkriegsland. Das berichten Hilfsorganisationen wie das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR.

Nach Uno-Angaben sind im August von Jordanien aus mehr als 3800 Syrer in ihre Heimat zurückgekehrt, im Juli waren es nur knapp 2000. Rund 94.000 syrische Flüchtlinge haben insgesamt im vergangenen Jahr die Türkei Richtung Syrien wieder verlassen, rund die Hälfte von ihnen nach Angaben der türkischen Regierung in die kurdische Stadt Kobane, die bis Anfang 2015 vom "Islamischen Staat" (IS) belagert war und dann von den kurdischen Kämpfern, unterstützt durch die US-Luftwaffe, zurückerobert wurde.

Dabei ist nicht klar, wie viele der Rückkehrer tatsächlich auch in Syrien bleiben wollen. Einige berichteten laut Uno, dass sie nach Syrien zurückkehren, weil sie dort ihren Besitz verkaufen wollen, um die Flucht nach Europa bezahlen zu können. Andere reisen zum Beispiel von Jordanien nach Syrien, um von dort in die Türkei zu gelangen - wo ihnen die Lage etwas besser erscheint.

Insgesamt sind mehr als vier Millionen Syrer vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land geflohen - die meisten von ihnen leben derzeit in städtischen Gegenden in der Türkei, dem Libanon oder Jordanien. Kürzungen der Hilfsgelder, wie etwa für das World Food Programm, treffen diese Menschen besonders hart.

Nahe des riesigen Flüchtlingslagers Zaatari in Jordanien wartet der 47-jährige Adnan aus Syrien auf Tickets für den Bus an die syrische Grenze. "Wir bekommen überhaupt keine Hilfe mehr", sagt er. Adnan und seine 12-köpfige Familie haben ihr Dorf in der syrischen Provinz Daraa vor mehr als drei Jahren verlassen. Sie haben sich auf der anderen Seite der Grenze im jordanischen Ramtha niedergelassen. Die Familie lebte von Essensgutscheinen, die ältesten Söhne verkauften Gemüse, um die Miete bezahlen zu können. Weil es keine Gutscheine mehr gibt, sind sie seit zwei Monaten pleite. Natürlich habe er Angst zurück nach Syrien zu gehen, aber es gebe keine Wahl sagt Adnan. Sobald er Geld hat, will er auch nach Europa fliehen. Die zwei ältesten Söhne sowie zwei andere Kinder der Familie sind inzwischen in Richtung Europa aufgebrochen - vier seiner Kinder sind schon auf dem Weg dorthin.

Auch der 21-jährige Khaled will aus Jordanien zurück nach Syrien - und dort bleiben. Er hat Heimweh. "Ich vermisse meine Mutter, ich vermisse meine Familie", sagt er.

Das UNHCR sieht die steigende Zahl der Rückkehrer nach Syrien mit großer Sorge. "Das ist eine gefährliche Entscheidung", sagt der Leiter des UNHCR in Jordanien, Andrew Harper. Die Rückkehr der Flüchtlinge ins kriegszerrüttete Syrien, unter ihnen viele Frauen und Kinder, zeige das Versagen des internationalen Schutzsystems. Oft bekommen die Helfer von denen, die zurück in Syrien sind, traurige Nachrichten. "Vor ein paar Monaten verließ eine Familie das Flüchtlingscamp in Richtung eines Dorfes in der syrischen Provinz Daraa. Der Ort wurde seit sechs Monaten nicht bombardiert", so Hovig Etyemezian, Leiter des Flüchtlingslagers Zaatari in Jordanien. "Ein paar Tage aber nach ihrer Rückkehr fielen wieder Bomben, und alle wurden verletzt."

anr/AP

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