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01. Januar 2013, 21:08 Uhr

Bürgerkrieg

Syrische Offiziere fliehen in die Türkei

Sie dienten dem Regime von Baschar al-Assad als Offiziere, jetzt haben sie dem Diktator den Rücken gekehrt: Wieder haben sich einige hochrangige Militärs aus Syrien in die Türkei abgesetzt. Wie lange kann sich der Herrscher noch an der Macht halten?

Istanbul/Berlin - Die Getreuen laufen ihm davon, seine Machtbasis bröckelt und auch im neuen Jahr setzten sich wieder syrische Offiziere ins Nachbarland Türkei ab und kehrten damit dem Regime von Baschar al-Assad den Rücken. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, erneut seien ein syrischer General, mehrere Oberste und weitere Offiziere über die Grenze geflüchtet, insgesamt 42 Menschen.

Die Männer und ihre Familien wurden demnach im Flüchtlingslager Apaydin untergebracht, es liegt in der Nähe der türkischen Stadt Antakya, jenseits der Hauptstraßen, zwischen Kuhweiden und verfallenen Häusern. Ein gut bewachter Ort. Dort versorgen die türkischen Behörden viele hochrangige Überläufer. Von hier aus versuchen die desertierten Militärs, ihre Einheiten zu steuern und den Kampf gegen das Regime von Baschar al-Assad zu organisieren.

Die Zäune sind verhängt mit Planen; Kameras und Scheinwerfer hängen an den Masten, Wachen patrouillieren, Besucher werden in einer Sicherheitsschleuse kontrolliert. Denn immer wieder gab es Versuche, hochrangige Rebellen zu entführen.

Mittlerweile sollen sich etwa 50 syrische Generäle in der Türkei aufhalten. Auch Spitzenpolitiker und Diplomaten, die Assad einst dienten, verlassen Syrien. Der Herrscher wird mehr und mehr zum einsamen Diktator.

Doch die Kämpfe dauern an. So soll sich ein weiteres Massaker an Zivilisten ereignet haben. Regimegegner berichteten am Dienstag, Angehörige der Schabiha-Miliz hätten in dem Dorf Maan in der Provinz Hama 23 Menschen enthauptet. Die Kämpfer stehen auf der Seite von Präsident Baschar al-Assad.

Die Getöteten gehörten laut dem Bericht zu den wenigen sunnitischen Familien, die in dem Dorf lebten. Auch sieben Kinder sollen getötet worden sein. Die Leichen seien angezündet worden, so dass einige von ihnen noch nicht hätten identifiziert werden können. Die Angaben der Oppositionellen lassen sich nur schwer durch unabhängige Quellen verifizieren, da die syrische Regierung eine Medienblockade verhängt hat.

Das Gemetzel soll begonnen haben, nachdem Rebellen am Montag in der Region Straßensperren der Regierungstruppen angegriffen hatten. Diese hätten daraufhin die Kämpfer der Miliz gerufen. Auch eine Gasleitung im ölreichen Osten Syriens haben die Rebellen der staatlichen - und unter der Kontrolle des Assad-Regimes stehenden - Nachrichtenagentur Sana zufolge am Montag gesprengt.

Seit Beginn des Volksaufstands gegen das Assad-Regime vor knapp 22 Monaten sind nach Angaben der Opposition bereits mehr als 45.000 Menschen ums Leben gekommen.

otr/dpa

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