Syrische Opposition: Befreundete Länder sollen Rebellen bewaffnen

Die Kämpfe um die syrische Millionenstadt Aleppo sind wieder aufgeflammt. Während die Regierungstruppen die von Rebellen gehaltenen Stadtviertel mit Hubschraubern und Kampfflugzeugen angreifen, fordert die syrische Opposition befreundete Staaten dazu auf, die Rebellen mit Waffen zu versorgen.

AFP

Abu Dhabi/Damaskus - Den ersten Tag der Großoffensive haben die Rebellen in Aleppo überstanden - die Regierungstruppen haben offenbar keines der von den Aufständischen kontrollierten Viertel erobert. Nach einer nächtlichen Gefechtspause startete die Armee am Sonntagmorgen neue Angriffe und setzt auch Hubschrauber und Kampfflugzeuge ein.

Der Syrische Nationalrat (SNC), eine Dachorganisation der syrischen Opposition, macht jetzt Druck auf ausländische Verbündete: Der SNC forderte befreundete und "Bruderstaaten" auf, die Rebellen mit Waffen zu versorgen. "Wir wollen Waffen, die die Panzer und Kampfflugzeuge stoppen würden", sagte der im Exil lebende SNC-Chef in Abu Dhabi.

Rebellen verteidigen Stadtviertel

Die Regierung teilte mit, Sicherheitskräfte verfolgten im Stadtviertel Salahaddin bewaffnete Gruppen. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana zitierte einen Behördenvertreter in Aleppo mit den Worten, die Soldaten würden die Terroristen so lange verfolgen, bis die Stadt von den Banden befreit sei.

Augenzeugen berichten, dass es den Rebellen am Samstag gelungen war, die Angriffe zurückzuschlagen. Die Aufständischen versuchten nun, eine Polizeiwache einzunehmen, um von dort Kontakt zu den Rebellen in einem weiteren eroberten Stadtviertel zu bekommen. Eigenen Angaben zufolge zerstörten sie mehrere Panzer der Regierungstruppen.

SNC fordert Anklage Assads

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London waren am Samstag landesweit 168 Menschen getötet worden, darunter 94 Zivilisten, 41 Soldaten und 33 Rebellen. Am Sonntag starben demnach bereits vier Menschen bei den Kämpfen. Neben Aleppo gab es der Organisation zufolge auch Gefechte um das Hauptquartier der Polizei in der zentralsyrischen Rebellenhochburg Homs.

Der SNC teilte mit, er wolle mit Rebellengruppen vor Ort über die Bildung einer Übergangsregierung beraten und forderte außerdem, Syriens Staatschef Assad wegen Massaker an Syrern vor Gericht zu stellen. Es handele sich um einen Verbrecher, der nicht Asyl in einem anderen Land erhalten dürfe.

Der im August 2011 in Istanbul gegründete SNC ist die größte und repräsentativste Oppositionsgruppe, die auch der bevorzugte Ansprechpartner der Regierungen in Washington und Paris ist. Die "Freunde Syriens" haben den SNC als "einen legitimen Vertreter aller Syrer anerkannt".

nck/AFP/dpa

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insgesamt 149 Beiträge
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1. Titellos
UnitedEurope 29.07.2012
Warum nicht? Moderne Boden-Luft Raketen wohl kaum, aber ein paar alte Flaks und RPG-7 reichen für die Hubschrauber und T-72 von Assad. Und selbst wenn diese Waffen in die Hände von Al-Kaida gelange, sind sie keine große Gefahr für den Westen. Ob es jetzt moralisch richtig ist, Bürgerkriegsparteien zu bewaffnen, steht auf einem anderen Blatt ..
2.
bayrischcreme 29.07.2012
Aha, Großoffensive mit zehntausenden Soldaten, Panzern, Hubschraubern und rücksichtslose "Bombardierungen" der Stadt durch Assads Kampfflugzeuge - und am ende sind "landesweit 168 Menschen getötet worden, darunter 94 Zivilisten, 41 Soldaten und 33 Rebellen." Irgendwie klingen diese Informationen aus London nicht wirklich plausibel....
3.
GeistderWelt 29.07.2012
Hmm tolle Menschenrechtsorganisation, die nicht verurteilt das man Kampfhandlungen in Großstädte verlegt....nebenbei wie können die zwischen Zivilisten und Rebellen unterscheiden.....ich seh bei den rebellen immer nur Zivilisten die ne Waffe tragen.
4.
abc-xyz 29.07.2012
Zitat von sysopDie Kämpfe um die syrische Millionenstadt Aleppo sind wieder aufgeflammt. Während die Regierungstruppen die von Rebellen gehaltenen Stadtviertel mit Hubschraubern und Kampfflugzeugen angreifen, fordert die syrische Opposition befreundete Staaten dazu auf, die Rebellen mit Waffen zu versorgen. Syrische Opposition fordert Ausland auf Rebellen zu bewaffnen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,847008,00.html)
Die syrische Opposition ist die legitime Repräsentation. Diktator Assad's 97,3% "Wahl" bestätigt das. Dass Assad's Schergen lügen, beweisen auch die Taten. Keine verantwortungsvolle Regierung der Welt würde ganze Stadtteile, ja ganze Städte flächendeckend einebnen, nur weil ein paar "Terroristen" sich darin verschanzt hätte. Allein der inflationäre Gebrauch des Wortes "Terroristen", sollte zu denken geben. "Terroristen hier, Terroristen dort, und überall...". Ja mei, soviel "Terroristen" hatten RAF, IRA, Al-Quaida nicht mal zusammen. Wer soll denn diesen Bockmist glauben. Terroristen? Das sind simpel Menschen, die Diktator Assad ablehnen und dagegen alles, was sie haben, einsetzen, während dieser alle (!) Statuten des Völkerrechts verletzt. Assad muss nun endgültig entfernt werden. Wenn er sich weigert, muss eben die Clausewitz Politik her.
5. Demokratie funktioniert eben am besten,
Baikal 29.07.2012
wenn nur noch die Regierung regiert und alle Untertanen tot sind - lang schieße die französichenglischamerikansiche Armee.
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