Prügel in Kairo: Syrer-Treffen endet im Chaos

Sie wollen Diktator Assad stürzen, doch sie sind sich spinnefeind: Syrische Oppositionelle haben sich bei einem Treffen in Kairo wüst beschimpft, Delegierte gingen prügelnd aufeinander los. Die Veranstaltung endete im Chaos - ein Sieg für das Regime in Damaskus.

Kairo - Die ohnehin gespaltene syrische Opposition liefert Gegnern und Unterstützern einen weiteren Beleg für ihre Zerrissenheit. Ein Treffen in Kairo endete am Dienstag im Chaos, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Delegierte verprügelten einander und beschimpften sich derart wüst, dass Frauen im Saal zu weinen begannen.

Beschäftigte des Veranstaltungsortes, eines Hotels, brachten Tische und Stühle in Sicherheit, als aufgebrachte Gegner von Präsident Baschar al-Assad aufeinander losgingen.

Auslöser der Unruhe war die Entscheidung der syrischen Kurden, das Treffen zu verlassen. Vertreter der ethnischen Minderheit seien gegangen, weil die Konferenz ihren Status nicht habe anerkennen wollen, sagte Abdel Asis Othman vom Nationalen Kurdenrat.

"Das ist einfach nur traurig und wird negative Folgen für alle Parteien haben", sagte der 27-jährige Widerständler Gawad al-Chatib. "Die Oppositionsbewegung steht dumm da und die Demonstranten auf der Straße werden demoralisiert."

Weil es bislang nicht gelang, die verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen hinter einer Führung zu versammeln, ringt die Opposition in Syrien weiter um internationale Anerkennung. Die Spaltung der Regierungsgegner gilt als einer der Gründe, warum sich Assad trotz des seit mehr als 16 Monaten andauernden Volksaufstands länger als andere unter Druck geratene Staatschefs in der Region an der Macht halten konnte.

wal/Reuters

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insgesamt 65 Beiträge
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1. Spaltung?
Emmi 04.07.2012
Unter diesen Umständen kann ein Sturz Assads zur Spaltung Syriens führen, wie sie auch in Libyen (zwischen Ost und West) zu befürchten ist. Ein kurdischer Nordostteil würde mit dem Kurdengebiet im Irak und den Kurden in der Türkei verstärkt einen eigenen Kurdenstaat anstreben und dann haben wir in der Region neben dem Palästinenserproblem noch verstärkt ein Kurdenproblem, das die Grenzen in der Region ins Wanken bringt, Türkei und Iran eingeschlossen...
2. Vorgeschmack
el-gato-lopez 04.07.2012
Zitat von sysopSie wollen Diktator Assad stürzen, doch sie sind sich spinnefeind: Syrische Oppositionelle haben sich bei einem Treffen in Kairo wüst beschimpft, Delegierte gingen prügelnd aufeinander los. Die Veranstaltung endete im Chaos - ein Sieg für das Regime in Damaskus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,842446,00.html
Naja, wenigsten kann man SPON zugute halten, dass über diesen "Konferenzverlauf" berichtet wird. Die Fraktion der gutmenschelnden Revolutionsromantiker in den westlichen Redaktionen bekommt langsam - auch Dank der "lupenreinen" Demokraten, die sich in Ägypten, Tunesien, Libyen etc. an die Fleischtöpfe gekämpft haben - mit, was für dubiosen Gestalten man da als westlicher feel-good Salon-Kämpfer eigentlich zujubelt. In einem Jahr wird man in Syrien die gleiche Gemengelage haben, wie im Libanon in den 80ern. Unzählige Milizen, religiöse Spinner, kleptokratische Warlords etc., die ihre ganz eigene Agenda durchziehen wollen.... Und im Westen werden wieder mal die Weltverbesserer furchtbar "enttäsucht von der Entwicklung" sein. Aus Geschichte zu lernen, scheint dieses Milieu ja offensichtlich grandios zu überfordern.
3. Tja wenns
LustigerLumpi 04.07.2012
um Macht und Religion geht hört bei unseren Freunden aus dem Nahen Osten eben der Spaß auf. Deshalb wird dort auch jeder neue Machthaber genauso sein wie der vorherige, wenn man in diesen Gesellschaften einmal einen Platz an der Sonne hat, trocknet einem das scheinbar schnell das Hirn aus und man vergisst alles was man vorher verabscheut hat. Deswegen meine Meinung, Waffen liefern solange bis dort unten Ruhe herrscht weil sich alle gegenseitig umgebracht haben. Der Machthaber ist ein Fiesling, aber würde eine Besserung durch einsetzen durch führender Oppositioneller etwas ändern, das sind genauso welche die den Leute Freiheit, Wohlstand und Blabla versprechen und die dummen Menschen folgen ihnen und lassen sich abschlachten für den großen Traum, ein bisschen mehr Bildung statt beten würde sicher helfen sowohl bei den Machthabern als auch bei den Anhängern, wer alles mit Gott legitimiert hat wohl nie unrecht, egal von welcher Seite aus.
4. Kein Wunder
peacefool 04.07.2012
Die Gruppen sind noch vielfältiger als in Libyen. Der Kuchen ist noch nicht gebacken und die Verteilung wird bereits umfochten. Assad ist wohl noch der Liberalste, aber das darf man natürlich nicht laut sagen und schon gar nicht freischalten...
5. war zu erwarten
materialist 04.07.2012
Zitat von sysopSie wollen Diktator Assad stürzen, doch sie sind sich spinnefeind: Syrische Oppositionelle haben sich bei einem Treffen in Kairo wüst beschimpft, Delegierte gingen prügelnd aufeinander los. Die Veranstaltung endete im Chaos - ein Sieg für das Regime in Damaskus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,842446,00.html
Der Ausgang dieser Veranstaltung liegt somit genau im Erwartungshorizont.
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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