Syrische Protesthochburg Duma Rebellen erobern Vorort von Damaskus

Seit Monaten dauern die Kämpfe in Syrien an, nun haben Rebellen laut Menschenrechtlern Duma erobert, einen Vorort der Hauptstadt Damaskus. Augenzeugen berichten aber noch immer von Gefechten und Explosionen. Im Verlauf des Tages sind landesweit knapp 100 Menschen gestorben.


Duma - Syrische Rebellen haben nach Angaben von Menschenrechtlern die Stadt Duma unter ihre Kontrolle gebracht. Nach heftigen Kämpfen gegen Sicherheitskräfte kontrollierten Gruppen aus übergelaufenen Soldaten inzwischen sämtliche Bezirke der Stadt im Nordosten von Damaskus, sagte der Chef der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Die Gefechte dauerten aber weiter an.

"In Duma kommt momentan niemand rein oder raus", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Aktivisten. Es sei das erste Mal, dass die Rebellen mehr als einen überfallartigen Angriff gestartet hätten. Den Angaben zufolge haben sie Straßenbarrikaden errichtet, zudem sind alle paar Minuten Schüsse und Explosionen zu hören. Duma ist ein Zentrum des Protests in der seit zehn Monaten anhaltenden Revolte gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

In der Nacht sollen sich die Rebellen teilweise in ihre Verstecke zurückgezogen haben. Dies sei vermutlich geschehen, um dem Regime keinen Grund zu liefern, in die Region einzufallen, sagte Rahman.

Landesweit gab es den Angaben zufolge am Samstag erneut zahlreiche Tote bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen. Nach Zählung von Oppositionsgruppen sind mindestens 96 Menschen ums Leben gekommen. Allein 60 Tote seien in der Leichenhalle eines Krankenhauses in der Provinz Idlib gefunden worden, sagte ein Oppositionsvertreter. Nach Aussage von Abu Omar, einem syrischen Regimegegner aus der Region Idlib, handle es sich dabei um Opfer der Sicherheitskräfte des Assad-Regimes. Sie seien seit Tagen festgehalten und zu Tode gefoltert worden.

Weitere Opfer gab es laut Oppositionsberichten bei einem Überfall auf einen Gefangenentransport in der Provinz Idlib. In den Regionen um Homs, Hama und Daraa seien etwa zehn Menschen von Sicherheitskräften getötet worden. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete zudem, dass Regierungstruppen in der Gegend um Tel Kalakh, nahe der libanesischen Grenze, drei Menschen getötet haben. Es handle sich um bewaffnete Terroristen, die versucht hätten, Waffen aus dem Libanon nach Syrien zu schmuggeln, hieß es. Berichte aus Syrien können seit Monaten nicht überprüft werden, weil keine unabhängigen Reporter ins Land gelassen werden.

Die Unruhen in Syrien dauern bereits seit März 2011 an. Die Protestbewegung wird brutal unterdrückt und von den Sicherheitskräften des Staatsapparats niedergeschlagen. Schätzungen der Uno zufolge starben seit Beginn der Aufstände mehr als 5000 Menschen, Zehntausende Regimegegner wurden inhaftiert.

aar/AFP/dpa/Reuters

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amana 22.01.2012
1.
Zitat von sysopSeit Monaten dauern die Kämpfe in Syrien an, nun haben Rebellen*Duma erobert, einen Vorort der Hauptstadt Damaskus. Augenzeugen berichten von Straßenbarrikaden und*Explosionen. Im Verlauf des Tages sind landesweit knapp 100 Menschen gestorben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810606,00.html
Es scheint so als ob sich die FSA und die Opposition darauf eingestellt hat Damascus als erste Großstadt einzunehmen. Schon jetzt dürften die reichen Eliten von Damascus not amused sein dass ihre Sommerfrische Zabadani und Madaya in Oppositionshand ist. Douma ist ein weiterer Sargnargel für das verbrecherische Regime der Assads.
wwwwalter 22.01.2012
2. Wem soll man noch glauben ?
Zitat von sysopSeit Monaten dauern die Kämpfe in Syrien an, nun haben Rebellen*Duma erobert, einen Vorort der Hauptstadt Damaskus. Augenzeugen berichten von Straßenbarrikaden und*Explosionen. Im Verlauf des Tages sind landesweit knapp 100 Menschen gestorben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810606,00.html
Nur Schreckliches hört man noch aus Syrien. Ich traue inzwischen niemandem mehr dort, und ich bin nicht bereit Partei zu ergreifen, ganz egal was hier geschrieben steht. Überprüfen lässt sich sowieso kaum was. Das einzige was festeht ist, dass in Syrien ein offener Bürgerkrieg ausgebrochen ist. Aber wer sagt, das ganze syrische Volk habe sich gegen Assad erhoben, hat wirklich nicht Recht, auch wenn es die Meldungen in unserer Presse so vermitteln. Wie stark welche Seite ist, lässt sich schwer einschätzen. Zweifellos gibt es Terror von beiden Seiten. Und keine Seite ist zu Friedensverhandlungen bereit. Die Opposition glaubt, dass frueher oder später alles so laufen wird wie in Libyen. Deshalb ist sie daran interessiert, dass keine Verhandlingen stattfinden, und ruhig viel Blut fließt - bis irgendwann doch noch die westliche Luftunterstützung kommt. Und Waffen kommen jetzt schon en Masse über den Libanon und die Türkei ins Land, selbstverständlich geduldet oder sogar gefördert durch die Scheichs und den Westen. Und auch Erdogan ist mit dabei, wenn es darum geht die Lunte an dieses Land zu legen, bis schließlich alles in Anarchie abgleiten wird. Und am Ende profitiert mal wieder nur die Waffenindustrie.
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