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19. September 2012, 14:18 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

Rebellen feiern Sieg an türkischem Grenzübergang

Syrische Rebellen sind an der Grenze zur Türkei auf dem Vormarsch. Nach schweren Kämpfen gegen Regierungssoldaten brachten sie einen weiteren Posten unter ihre Kontrolle.

Damaskus - Nach dem Sieg kamen Syrer aus der Türkei zu Freudenfeiern über die Grenze und riefen "Ich bin ein freier Syrer": Rebellen haben am Mittwoch am Posten Tell al-Abjad Soldaten des Regimes aus den Gebäuden vertrieben. Das berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Die Widerstandskämpfer holten demnach die syrische Fahne ein und rissen Bilder Assads von den Wänden. Verletzte Kämpfer der Rebellen wurden in die Türkei gebracht.

Seit Dienstag hatte es zwischen den Gegnern von Diktator Baschar al-Assad und Regierungssoldaten heftige Kämpfe auch bis unmittelbar an die türkische Grenze gegeben. In dem türkischen Grenzdorf Akcakale waren am drei Menschen von Schüssen verletzt worden, darunter ein kleines Kind. Am Mittwoch hatten die Behörden die Schulen geschlossen und die Einwohner aufgefordert, in sicherer Deckung zu bleiben.

Amnesty berichtet über Regimeangriffe auf Zivilisten

Wie sehr das Regime die eigene Bevölkerung terrorisiert, belegt ein neuer Bericht von Amnesty International. Mit Luftangriffen und massivem Artilleriebeschluss werde nicht gegen oppositionelle Kämpfer oder militärische Ziele vorgegangen, sondern offenbar ausschließlich Zivilisten bestraft, die mit den Aufständischen sympathisierten. Wo sich die Regierungstruppen nach Kämpfen mit Rebellen zurückziehen, bombardierten sie wahllos die aufgegebenen Gebiete, teilte die Menschenrechtsorganisation mit.

In den vergangenen Wochen konzentrierten sich die Kämpfe auf die Wirtschaftsmetropole Aleppo im Norden des Landes. Laut Amnesty wurden aber auch in anderen Teilen von Nord- und Zentralsyrien Hunderte Zivilisten getötet oder verletzt, darunter zahlreiche Kinder. "Solche willkürlichen Angriffe verletzen grundlegende Regeln des humanitären Völkerrechts, da sie nicht zwischen militärischen Zielen und Zivilisten unterscheiden", hieß es in dem Bericht. Täglich würden Wohngebiete mit ungelenkten Bomben und unpräzisen Granaten angegriffen, wodurch die Zahl der zivilen Opfer deutlich steige.

Die Menschen seien in ihren Häusern, auf offener Straße oder beim Versuch, sich vor den Bombardements in Sicherheit zu bringen, getroffen worden, hieß es in dem Amnesty-Bericht. Die Angaben beruhten auf Erkenntnissen der Amnesty-Krisenbeauftragten Donatella Rovera, die vom 31. August bis zum 11. September 26 Städte und Dörfer im Norden Syriens besucht hatte.

Amnesty wirft aber auch den Aufständischen schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Beide Seiten würden von Wohngebieten aus Angriffe starten und die Zivilbevölkerung damit erheblichen Gefahren aussetzen, hieß es in dem Bericht.

als/dpa/dapd

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