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22. Mai 2012, 21:21 Uhr

Protest im Libanon

Syrische Rebellen entführen libanesische Pilger

Im Libanon spitzt sich die Lage zwischen Gegnern und Anhängern des syrischen Regimes weiter zu. Rebellen sollen jetzt zwölf libanesische Pilger in ihre Gewalt gebracht haben. In Beirut protestierten Schiiten gegen die Entführer.

Beirut - Einen Tag nach blutigen Ausschreitungen in Beirut haben syrische Rebellen mindestens zwölf libanesische Schiiten im Norden des Landes entführt. Die Opfer waren auf dem Heimweg von einer Pilgerreise in den Irak, als sie in der syrischen Provinz Aleppo von den Rebellen angehalten und verschleppt wurden, berichteten Polizisten in Beirut.

Die Entführer gaben sich als Anhänger der Freien Syrischen Armee aus, sagte ein Verwandter eines Entführten der Nachrichtenagentur Reuters. "Sie ließen die Frauen gehen und behielten die Männer bei sich." Die meisten Aufständischen in Syrien sind Sunniten, während sich das Regime von Präsident Baschar al-Assad auf die schiitisch-alawitische Minderheit stützt.

Rund 40 bewaffnete Männer hätten ihren Bus gestoppt und die Männer zum Aussteigen gezwungen, berichtete ein Insasse dem libanesischen Fernsehsender Al Jadeed TV. "Wir haben ihnen gesagt, dass wir nur Pilger sind. Sie sagten uns, wir sollten zur Polizeistation in Aleppo gehen und ihnen von der Entführung berichten." Die Täter wollen angeblich so die Freilassung von gefangenen Rebellen erzwingen.

Aus Protest gegen die Entführung setzten Bewohner im schiitischen Teil der libanesischen Hauptstadt Reifen in Brand. Der Führer der militanten libanesischen Hisbollah-Miliz, Hassan Nasrallah, rief in einer Fernsehansprache zur Ruhe auf und warnte seine Anhänger vor Vergeltungsmaßnahmen an Syrern. "Das ist streng verboten", sagte Nasrallah.

Die Entführung dürfte die Sorge verstärken, dass der seit Monaten andauernde blutige Konflikt in Syrien auf das Nachbarland Libanon übergreifen könnte. In der Nacht zum Montag waren bei Straßenkämpfen zwischen pro- und antisyrischen Gruppen in Beirut mindestens zwei Menschen getötet und 15 verletzt worden. Auslöser der Kämpfe war die Tötung eines antisyrischen Geistlichen am Vortag im Nordlibanon.

vks/dapd/Reuters

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