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Aufstand in Syrien: Assad-Soldaten erschießen Flüchtlinge an türkischer Grenze

Erstmals wurden auch auf türkischer Seite mehrere Menschen von herumfliegenden Kugeln verletzt: Direkt an der syrisch-türkischen Grenze haben Truppen des Assad-Regimes das Feuer auf Flüchtlinge eröffnet, es gab mindestens zwei Tote. Eine für Dienstag erhoffte Waffenruhe wird immer unwahrscheinlicher.

Istanbul - Die Lage an der türkisch-syrischen Grenze hat sich am Montag nach tödlichen Schüssen auf Flüchtlinge weiter verschärft. Wie türkische Fernsehsender berichteten, wurden erstmals mehrere Menschen auf türkischem Staatsgebiet von Schüssen verletzt, die von syrischen Truppen über die Grenze hinweg abgefeuert wurden. Zudem seien auf syrischer Seite mindestens zwei Menschen getötet und insgesamt elf weitere verletzt worden.

Auf der syrischen Seite der Grenze war es zu Kämpfen zwischen syrischen Regierungstruppen und Rebellen der oppositionellen Freien Syrischen Armee gekommen. Bewohner eines in der türkischen Provinz Kilis unmittelbar an der Grenze gelegenen Flüchtlingslagers hätten den Rebellen am Morgen zur Hilfe kommen wollen, als diese unter Feuer gerieten.

Unter den Verletzten sei auch ein türkischer Staatsbürger, der auf türkischem Gebiet getroffen worden sei, teilten die Behörden mit. Er habe in dem Flüchtlingslager als Übersetzer gearbeitet. In der Türkei halten sich insgesamt fast 24.700 syrische Flüchtlinge auf, wie das Außenministerium in Ankara am Montag mitteilte.

Ankara richtete eine scharfe Warnung an das syrische Regime. Die Angriffe müssten umgehend gestoppt werden. Der Zwischenfall schlage ein neues Kapitel in dem Konflikt auf, zitierte das türkische Staatsfernsehen TRT einen Sprecher des Außenministeriums in Ankara. Die Türkei verstärkte ihre Truppen in dem Gebiet.

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4  Bilder
Syrien: Schüsse an der türkischen Grenze
Kämpfe in Homs und bei Aleppo

Am Montag gingen die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und oppositionellen Rebellen unvermindert weiter. In der Protesthochburg Homs kamen nach Angaben von Aktivisten mindestens neun Menschen ums Leben, als die Armee am frühen Morgen das Feuer auf die Viertel Chalidija und Deir Baalba eröffnete.

An der syrisch-türkischen Grenze nahe der Stadt Aleppo wurden laut syrischen Menschenrechtlern mindestens sechs syrische Grenzschützer bei einem Rebellenangriff getötet. Wegen der vom Regime verhängten Medienblockade sind solche Meldungen von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Ursprünglich war für Dienstagmorgen in Syrien eine von Uno und Arabischer Liga überwachte Waffenruhe vorgesehen. Doch die Hoffnungen darauf schwinden. Zwei Tage vor Beginn der vereinbarten Feuerpause stellte das Regime von Präsident Baschar al-Assad sowohl die Vereinbarung als auch den Zeitplan in Frage. Ein Sprecher des Außenministeriums verlangte am Sonntag schriftliche Garantien des Uno-Sondergesandten Kofi Annan. Demnach sollen auch die als "bewaffnete Terror-Gruppen" bezeichneten Oppositionskräfte die Gewalt in jeder Form beenden.

Belege für Hinrichtungen von Zivilisten

Ein Sprecher der oppositionellen Freien Syrischen Armee erklärte, nur der internationalen Gemeinschaft aber nicht der Regierung in Damaskus würden Garantien gegeben werden. Oberst Riad al-Asaad sagte dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira: "Das ist eine kriminelle Bande." Deshalb würden dem Assad-Regime keine Garantien gegeben werden.

Aktivisten stellten am Wochenende Videos von angeblichen Massenhinrichtungen ins Internet. Auf den Bildern sind unter anderem 13 Leichen zu sehen, die vor einer Schule im Stadtteil Deir Baalba in der Rebellenhochburg Homs liegen. Die Männer sind gefesselt, ihre Augen verbunden. Alles deutet darauf hin, dass sie hingerichtet worden sind. Die Einschüsse sind an der Mauer deutlich zu sehen. Wegen der Medienblockade sind auch diese Meldungen von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Laut einem neuen Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch haben syrische Regierungstruppen bei ihren jüngsten Offensiven mehr als hundert Menschen hingerichtet - meist Zivilpersonen. In den aufständischen Städten Homs und Idlib wurden einem am Montag veröffentlichten Papier zufolge Massenerschießungen durchgeführt. Tatsächlich könnte es allerdings noch deutlich mehr Opfer geben, teilte die in New York ansässige Organisation mit.

Es seien nur Fälle aus den vergangenen vier Monaten dokumentiert worden, die von Augenzeugen belegt seien, hieß es. Es gebe aber Berichte über weit mehr Exekutionen. Die meisten Erschießungen fanden demnach im März statt.

Auswärtiges Amt fordert Waffenruhe

Der Uno-Sondergesandte Annan reagierte "schockiert" auf die jüngsten Berichte aus Syrien. In einer Erklärung, die die Vereinten Nationen am Sonntag in seinem Namen verbreiteten, mahnt Annan das Regime von Präsident Assad, sich an seine Versprechen zu halten. Auf die jüngste Ankündigung aus Damaskus, die Waffenruhe an neue Bedingungen zu knüpfen, ging der Sondergesandte der Vereinten Nationen (Uno) und der Afrikanischen Union (AU) nicht ein.

Die Bundesregierung pocht auf Einhaltung der Waffenruhe. "Wir brauchen ein Ende der Gewalt - spätestens am 10. April", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Sonntag in Berlin. "Humanitärer Zugang zu den Menschen in Syrien muss ermöglicht werden. Das muss glaubwürdig von der internationalen Gemeinschaft verifiziert werden können." Aus Sicht von Außenminister Guido Westerwelle bestätigten die jüngsten Berichte, wie drängend ein geschlossenes Auftreten der internationalen Gemeinschaft gegenüber dem Assad-Regime sei, sagte die Sprecherin.

Frankreich verurteilte die neuen syrischen Forderungen als "inakzeptabel". Auch China appellierte an die syrische Regierung und die Aufständischen, ihre Zusagen für eine Waffenruhe einzuhalten. Die Konfliktparteien müssten Annan bei dessen Vermittlungsbemühungen unterstützen, sagte Außenamtssprecher Liu Weimin am Montag in Peking.

sto/dpa/dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1.
Thomas-Melber-Stuttgart 09.04.2012
Zitat von sysopAFPErstmals wurden auch auf türkischer Seite mehrere Menschen von herumfliegenden Kugeln verletzt: Direkt an der syrisch-türkischen Grenze haben Truppen des Assad-Regimes das Feuer auf Flüchtlinge eröffnet, es gab mindestens zwei Tote. Eine für Dienstag erhoffte Waffenruhe wird immer unwahrscheinlicher. Aufstand in Syrien: Assad-Soldaten erschießen Flüchtlinge an türkischer Grenze - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826394,00.html)
Bei den syrischen Grenzschutzkräften gab es sechs Tote. Waren diese Flüchtlinge bewaffnet?
2. Die ganze Welt
40jahred 09.04.2012
Zitat von sysopAFPErstmals wurden auch auf türkischer Seite mehrere Menschen von herumfliegenden Kugeln verletzt: Direkt an der syrisch-türkischen Grenze haben Truppen des Assad-Regimes das Feuer auf Flüchtlinge eröffnet, es gab mindestens zwei Tote. Eine für Dienstag erhoffte Waffenruhe wird immer unwahrscheinlicher. Aufstand in Syrien: Assad-Soldaten erschießen Flüchtlinge an türkischer Grenze - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826394,00.html)
Die ganze Welt schaut hier zu ,weil es nichts zu holen gibt .
3.
berteb 09.04.2012
".......wurden erstmals mehrere Menschen auf türkischem Staatsgebiet von Schüssen verletzt, die von syrischen Truppen über die Grenze hinweg abgefeuert wurden. .......Auf der syrischen Seite der Grenze war es zu Kämpfen zwischen syrischen Regierungstruppen und Rebellen der oppositionellen Freien Syrischen Armee gekommen. Bewohner eines in der türkischen Provinz Kilis unmittelbar an der Grenze gelegenen Flüchtlingslagers hätten den Rebellen am Morgen zur Hilfe kommen wollen, als diese unter Feuer gerieten. .....An der syrisch-türkischen Grenze nahe der Stadt Aleppo wurden laut syrischen Menschenrechtlern mindestens sechs syrische Grenzschützer bei einem Rebellenangriff getötet." - alle Angaben aber nicht überprüfbar - Im Klartext: Rebellen überfallen und ermorden Grenzbeamte, wollen sich über die türkische Grenze zurückziehen, werden von syrischen Regierungstruppen gestellt, Kämpfer aus dem "Flüchtlingslager" ( oder sollten es unbewaffnete Zivilisten sein?) eilen zu Hilfe und werden ebenfalls bekämpft. Aber die Regierungstruppen sind die Schuldigen. Wer will hier wen auf was vorbereiten?
4. Da haben wir den Kriegsgrund ...
driftwood1973 09.04.2012
Zitat von Thomas-Melber-StuttgartBei den syrischen Grenzschutzkräften gab es sechs Tote. Waren diese Flüchtlinge bewaffnet?
Hat Erdogan nicht schon vorgerstern mit einer Intervention gedroht? Die Lage scheint zu eskalieren und wenn wir nicht aufpassen, kann es zum Flächenbrand kommen. Wenn die Türkei reguläre Soldaten richtung Syrien schickt, dann wird Russland auch nicht mehr tatenlos zusehen.
5.
Lekcad 09.04.2012
Zitat von Thomas-Melber-StuttgartBei den syrischen Grenzschutzkräften gab es sechs Tote. Waren diese Flüchtlinge bewaffnet?
Alles friendly Fire....
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Hauptstadt: Damaskus

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Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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