Syrische Stadt Homs Assad-Gegner berichten von Massaker an Kindern

Dutzende Kinder, aber auch Frauen und Männer sollen ermordet worden sein: Bewaffnete Banden im Dienste des Assad-Regimes haben nach Angaben von Aktivisten ein Massaker in der syrischen Stadt Homs angerichtet, Bildmaterial wurde jetzt bei YouTube veröffentlicht. Einige Opfer wurden angeblich erwürgt.

Bild aus YouTube-Video: Das Bild soll Opfer des jüngsten Massakers in Homs zeigen
AFP / Syrian Opposition

Bild aus YouTube-Video: Das Bild soll Opfer des jüngsten Massakers in Homs zeigen


Damaskus/Istanbul - Neue Berichte über Gräueltaten des syrischen Regimes übersteigen alles bisher Bekannte: Laut Aktivisten haben die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad in der Widerstandshochburg Homs 57 Menschen massakriert. Die Regimegegner zeigten am Montag Videoaufnahmen von getöteten Kindern und Frauen, die in dem Viertel Karm al-Saitun mit Messern getötet worden sein sollen. Die Aktivisten erklärten, der Angriff sei von sogenannten Schabiha, bewaffneten Banden im Dienst des Regimes, verübt worden.

Einige der Kinder seien erwürgt worden, hieß es. Die Leichen seien am Sonntagabend gefunden worden. Bereits Anfang Februar hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch über Folter an Kindern berichtet. Insgesamt starben den Angaben vom Montag zufolge 28 Kinder, 23 Frauen und 6 Männer. Ein Arzt aus Homs, den der Nachrichtensender al-Arabija interviewte, berichtete außerdem von zahlreichen Vergewaltigungen.

Er sagte, es fehle an medizinischen Hilfsmitteln, um die vielen Verletzten zu behandeln. Die syrische Opposition rief er auf, endlich mehr Einigkeit zu zeigen. Erst dann werde sich die internationale Gemeinschaft zu einem entschlossenen Vorgehen gegen die massiven Menschenrechtsverletzungen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad durchringen, sagte er. Andernfalls drohe ein Völkermord wie einst in Ruanda.

Weitere 24 Zivilisten sollen nach Angaben der Opposition in der Nacht getötet worden sein, als sie versuchten, die Stadt Idlib zu verlassen. Das Syrische Observatorium für Menschenrechte mit Sitz in London erklärte, am Sonntagabend seien mindestens zwölf Menschen in Homs getötet worden. Die staatlichen Medien bestätigten die Todesfälle in Homs, machten jedoch "bewaffnete Terroristen" verantwortlich.

Regimeanhänger sollen ihre Familien ins Ausland gebracht haben

In der Stadt Deraa explodierte am Montag vor einer Schule eine Bombe. Ein Mädchen wurde ersten Berichten zufolge dabei getötet und 25 weitere Menschen verletzt. Die Bombe sei um neun Uhr am Morgen vor einer höheren Mädchenschule im Viertel al-Kaschef detoniert, sagte ein Vertreter der Opposition der Nachrichtenagentur Reuters. Schülerinnen der Bildungsstätte hätten wiederholt gegen Assad demonstriert. In der an der Grenze zu Jordanien liegenden Stadt Deraa kam es in der Vergangenheit vereinzelt zu Straßenkämpfen zwischen regimekritischen Aktivisten und Regierungstruppen.

Zum Schutz vor den Angriffen des Assad-Regimes forderte der Syrische Nationalrat (SNC) die Einrichtung einer sogenannten sicheren Zone. Angesichts der jüngsten Verbrechen des Regimes in Homs sei es notwendig, die Stadt und die umliegenden Gebiete zu schützen. Die Arabische Liga, die Vereinten Nationen und die Organisation der islamischen Staaten müssten dringend einschreiten, um das Töten zu beenden. Im Libyenkonflikt hatte die Nato im vergangenen Jahr das von Oppositionellen kontrollierte Gebiet im Osten des Landes mit Luftangriffen vor dem Zugriff der Truppen des Diktators Muammar al-Gaddafi geschützt. Für einen vergleichbaren Einsatz in Syrien gibt es bislang kein Uno-Mandat.

Das regimekritische unabhängige syrische Nachrichtenportal "All4Syria" meldete unterdessen, mehrere hochrangige Funktionäre aus dem Sicherheitsapparat und Beschäftigte des staatlichen Fernsehens hätten ihre Familie in den vergangenen Wochen ins Ausland geschickt. Um nicht aufzufallen, hätten sie bei den Behörden um Ausreisegenehmigungen, "zum Zweck der medizinischen Behandlung" ersucht. Einige der Funktionäre hätten Bestechungsgelder bezahlt, um die Ausreise ihrer Angehörigen sicherzustellen. Regierungsbeamte, die sich der Revolution angeschlossen haben, hatten zuvor berichtet, für Funktionsträger sei eine Ausreisesperre verhängt worden.

Seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Assad vor einem Jahr sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 7500 Menschen getötet worden. Die Organisation Human Rights Watch (HRW) wertete Satellitenbilder für die Stadt Homs aus. Danach starben allein bei der Erstürmung des Stadtviertels Bab Amr durch Regierungstruppen am 1. März Hunderte Menschen. Die Aufnahmen aus dem All zeigen 950 Krater von Granateneinschlägen in dem Viertel.

50 Politiker und Intellektuelle aus alle Welt haben einen dringlichen Appell an den Uno-Sicherheitsrat gerichtet, um der Gewalt in Syrien Einhalt zu gebieten. Die Spaltungen in der internationalen Gemeinschaft hätten der Regierung von Präsident Baschar al-Assad "das falsche Gefühl der Sicherheit gegeben, gewalttätige Unterdrückung sei ein gangbarer Weg", heißt es laut "Süddeutscher Zeitung" in dem Schreiben von etwa 50 international bekannten Persönlichkeiten.

Westerwelle will Druck auf Russland ausüben

Ein sofortiges Ende des Blutvergießens verlangten auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) und der Generalsekretär des Golf-Kooperationsrats, Abdul Latif al-Sajjani. "Wir sind beide der Überzeugung, dass eine solche Lage nicht akzeptiert werden kann", sagte Westerwelle bei einem Besuch des Golf-Kooperationsrats in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad. Beide Politiker forderten den Uno-Sicherheitsrat zum Handeln auf. In der Zeitung "Die Welt" sagte Westerwelle, er wolle bei den Vereinten Nationen in New York auf die Vertreter von China und Russland einwirken, damit es zu einer Syrien-Resolution komme.

Am Wochenende hatte der Uno-Sondergesandte Kofi Annan vergeblich versucht, bei einem Besuch in Syrien zu vermitteln. Annan unterbreitete Präsident Baschar al-Assad im Auftrag der Arabischen Liga und der Vereinten Nationen Vorschläge zur Beendigung der Krise, wie die Uno mitteilte. Der Machthaber räumte einem Dialog jedoch wenig Chancen ein und verwies auf die Aktivität von "Terroristen" in seinem Land. Auch weite Teile der Opposition lehnen Verhandlungen mit dem Regime ab.

Nach Ende der zweiten Verhandlungsrunde äußerte sich Annan am Sonntag verhalten optimistisch. Nach Angaben des arabischen Fernsehsenders al-Arabija sagte er Journalisten: "Es wird schwierig werden, aber wir müssen die Hoffnung bewahren." Die Lage sei so gefährlich, dass "wir uns ein Scheitern nicht leisten können". Nach Uno-Angaben hat Annan dem syrischen Machthaber konkrete Vorschläge zur Beendigung der Krise gemacht. Zugleich habe er zu einem Ende der Gewalt aufgerufen, den freien Zugang von Hilfsorganisationen und die Freilassung von Inhaftierten gefordert. Ein umfassender politischer Dialog solle die "berechtigten Anliegen und Bestrebungen des Volkes" berücksichtigen, hieß es.

anr/dpa/dapd/Reuters

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Baikal 12.03.2012
1. Saudi-Arabien und Quatar..
Zitat von sysopAFP / YoutubeEs sind Taten, die nicht vorstellbar sind: Bewaffnete Banden im Dienste von Syriens Regime haben nach Angaben von Aktivisten in Homs ein Massaker angerichtet. Dutzende Kinder, aber auch Frauen und Männer sollen ermordet worden sein, einige von ihnen erwürgt. Menschenrechtler zeigten Bilder der Leichen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820727,00.html
.. wollen in Syrien militärisch eingreifen um dem zweifellos maträtieren Volk die Freiheit der wahabitischen Ausrichtung des Islam zu bringen. Selbst die Stiftung Wissenschaft hat das schon begriffen, nur die "Aktivisten" immer noch nicht und verbeiten ihren Gräul ganz wie damals in Libyen, im Irak, im Kosovo. Hoch lebe der Konjunktiv, hoch die Manipulation und hoch die Sofakrieger von adopt a revolution.
werimmer 12.03.2012
2. Propagandamaschine
Zitat von sysopAFP / YoutubeEs sind Taten, die nicht vorstellbar sind: Bewaffnete Banden im Dienste von Syriens Regime haben nach Angaben von Aktivisten in Homs ein Massaker angerichtet. Dutzende Kinder, aber auch Frauen und Männer sollen ermordet worden sein, einige von ihnen erwürgt. Menschenrechtler zeigten Bilder der Leichen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820727,00.html
Die Propagandamaschine dreht mittlerweile im roten Bereich.
HomerImpson 12.03.2012
3.
Zitat von sysopAFP / YoutubeEs sind Taten, die nicht vorstellbar sind: Bewaffnete Banden im Dienste von Syriens Regime haben nach Angaben von Aktivisten in Homs ein Massaker angerichtet. Dutzende Kinder, aber auch Frauen und Männer sollen ermordet worden sein, einige von ihnen erwürgt. Menschenrechtler zeigten Bilder der Leichen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820727,00.html
Waren Sie denn mal vor Ort und haben Sie denn mal die Quellen überprüft?
jb_78 12.03.2012
4.
Zitat von sysopAFP / YoutubeEs sind Taten, die nicht vorstellbar sind: Bewaffnete Banden im Dienste von Syriens Regime haben nach Angaben von Aktivisten in Homs ein Massaker angerichtet. Dutzende Kinder, aber auch Frauen und Männer sollen ermordet worden sein, einige von ihnen erwürgt. Menschenrechtler zeigten Bilder der Leichen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820727,00.html
"Menschenrechtler", "Aktivisten" machen Angaben über Massaker an Kindern .... Das sind sehr sensible Nachrichten, die viele Menschen emotionell berühren und teilweise sehr wütend machen. Ist sich der Spiegel dessen bewust? Welche seriösen Quellen gibt es, es gab auch Nachrichten, das die "Aktivisten" Frauen und Kinder in Stadtvierteln versch. Städte, die nicht von Sunniten bewohnt waren ermordet haben. Ich mahne zur äussersten Vorsicht im Umgang mit s. g. Nachrichten, die weiteren Hass schüren können.
franko_potente 12.03.2012
5.
Zitat von sysopAFP / YoutubeEs sind Taten, die nicht vorstellbar sind: Bewaffnete Banden im Dienste von Syriens Regime haben nach Angaben von Aktivisten in Homs ein Massaker angerichtet. Dutzende Kinder, aber auch Frauen und Männer sollen ermordet worden sein, einige von ihnen erwürgt. Menschenrechtler zeigten Bilder der Leichen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820727,00.html
und dann gab es slebst die ARD gestern zu... Im Zuge der Sanktionierungung des Iran und eines eventuell bevorstehenden Militärschlages werden seit Monaten Vorbereitungen zur Destabilisierung eventuell Verbündeter getroffen. Syrien ist der Topverbündete des Iran. Syrien muss fallen, da eigene sich Kindermassaker sehr gut. die Stimmung endgültig kippen zu lassen. Erstaunlich auch, das ausgerechnet Katar als eines der wenigen Länder der arabischen Liga nicht auf Syrien Seite ist. Wo findet die WM statt?
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