Syrischer Bürgerkrieg Exodus aus Ost-Ghuta und Afrin

Sechs Millionen Syrer sind bislang vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land geflohen - nun versuchen sich Tausende Menschen vor der Gewalt in Afrin und Ost-Ghuta in Sicherheit zu bringen. Die Lage ist dramatisch.

AFP

Syrien ist im achten Kriegsjahr angekommen. Nach Schätzungen kamen bislang eine halbe Million Menschen um, sechs Millionen Syrer flohen aus dem Land, weitere fünf Millionen wurden innerhalb Syriens vertrieben.

Die Hoffnung, dass es endlich Frieden geben könnte, ist weit weg: An den beiden Brennpunkten des Bürgerkriegs nahe Damaskus und entlang der türkischen Grenze haben massive Angriffe syrischer, russischer und türkischer Truppen am Freitag eine Massenflucht der Zivilbevölkerung ausgelöst. Hunderttausende verharrten zudem eingeschlossen in Städten und Dörfern.

400.000 Menschen in Ost-Ghuta eingeschlossen

Im Bezirk Ost-Ghuta nahe der Hauptstadt wurden bei Luftangriffen am Freitag Dutzende Menschen getötet. Der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge griffen russische Kampfjets dort Ziele an. Die Angaben der Beobachtungsstelle können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden, haben sich in der Vergangenheit aber oft als zuverlässig erwiesen.

Das Gebiet war bislang von Regime-Gegnern kontrolliert worden, ist mittlerweile aber in drei getrennte Enklaven aufgespalten. Der Grund: Die vor einem Monat begonnene Offensive durch syrische Regierungstruppen und ihre russischen und iranischen Verbündeten.

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Angriffe auf Ost-Ghuta: Hundert Quadratkilometer Hölle

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass dort rund 400.000 Menschen ohne ausreichend Nahrung und Wasser eingeschlossen sind. Weit über 15.000 Menschen flohen nach russischen Angaben seit Donnerstag aus der schwer umkämpften Rebellenhochburg. Die letzte Rebellenhochburg nahe der Hauptstadt Damaskus steht offenbar kurz vor der Einnahme durch das syrisch-russisch-iranische Bündnis.

Türkei verstärkt Offensive auf Afrin

Am zweiten Brennpunkt des Krieges um die nordsyrische Stadt Afrin verstärkte die türkische Armee ihre Offensive, um endgültig die Kontrolle über das hauptsächlich von Kurden bewohnte Gebiet zu erlangen.

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Türkische Militäroffensive: Schlacht um Afrin

Nach Angaben der Beobachtungsstelle beschoss die türkische Armee die Stadt Afrin massiv mit Granaten. Mindestens 18 Menschen seien getötet, 2500 Zivilisten seien in die Flucht getrieben worden. Kurdische Kämpfer wurden auf Flugblättern zur Aufgabe und zum Vertrauen in die Justiz der Türkei aufgefordert.

"Vertraut der Justiz der Türkei!"

"Die türkischen Streitkräfte sind in Afrin, um Frieden, Ruhe und Sicherheit zu bringen", heißt es nach Militärangaben in arabischer und kurdischer Sprache auf den Flugblättern. "Vertraut der Hand, die wir Euch entgegenstrecken. Vertraut der Justiz der Türkei! Vertraut den türkischen Streitkräften! Kommt und gebt auf! Eine Zukunft voller Ruhe und Frieden erwartet Euch in Afrin."

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Afrin und Ost-Ghuta: Tausende Syrer fliehen vor Gewalt

Nach Angaben eines Sprechers der kurdischen Miliz YPG, die Afrin bislang kontrolliert hatte, starben in der Nacht bei dem Beschuss durch das türkische Militär mindestens 18 Menschen. Die Stadt unweit der syrisch-türkischen Grenze ist weitgehend eingeschlossen.

Mit der vor fast zwei Monaten begonnenen Offensive versucht die Türkei, den Einfluss der YPG zurückzudrängen. Es soll zudem verhindert werden, dass sich ein zusammenhängendes kurdisches Einflussgebiet vom Irak über Syrien bis in die Türkei bildet.

Nach Angaben des Uno-Menschenrechtsbüros sind in Afrin hunderttausende Menschen in Gefahr. "Wir sind tief besorgt über das hohe Risiko für die praktisch eingekesselten Zivilisten, getötet, verletzt, belagert, vertrieben oder als Geiseln zum Schutz gegen Angriffe genommen zu werden", sagte eine Sprecherin der Vereinten Nationen.

dop/Reuters/dpa



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