Abgefangener syrischer Jet: USA stellen sich hinter Türkei

Russland ist empört, doch die US-Regierung unterstützt die Türkei im Streit um das abgefangene syrische Flugzeug. Man stehe hinter Verbündeten, die Waffentransporte an das Assad-Regime verhinderten, heißt es in Washington. Laut türkischen Medien befanden sich Raketenbauteile an Bord der Maschine.

Festgesetztes syrisches Passagierflugzeug: Washington unterstützt Türkei Zur Großansicht
AP

Festgesetztes syrisches Passagierflugzeug: Washington unterstützt Türkei

Washington/Istanbul - Aus Russland kommt scharfe Kritik, doch auf den Nato-Partner USA kann sich die Türkei offenbar verlassen. Im Streit um das in Ankara abgefangene syrische Flugzeug hat sich die US-Regierung hinter die Türkei gestellt. Zwar nahm man in Washington nicht ausdrücklich Bezug auf die zur Landung gezwungene Maschine. Jedoch stehe die US-Regierung hinter Verbündeten, die versuchten, Waffenlieferungen an das Regime von Baschar al-Assad zu verhindern, sagte ein stellvertretender Regierungssprecher in Washington. Dies gelte besonders für die Türkei.

Kurz zuvor hatte der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan den Fund "militärischer Güter" in dem syrischen Passagierflugzeug bestätigt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) rief die Türkei und Syrien zu Besonnenheit auf. "Wir müssen sorgfältig darauf achten, dass wir hier nicht in eine Eskalationsspirale geraten, an deren Ende dann ein Flächenbrand steht, der die gesamte Region anzünden kann", sagte Westerwelle am Freitag in Peking.

Auf der Rückreise von einem dreitägigen China-Besuch will er am Samstag Zwischenstation in Istanbul machen. Geplant ist ein Treffen mit dem türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu. Westerwelle sagte: "Es ist nicht akzeptabel, dass Waffen an das syrische Regime geliefert werden." Zugleich mahnte er die Türkei, niemand dürfe jetzt auf "Provokationen" hereinfallen.

In Ankara verurteilte Erdogan den Versuch, das Material durch den türkischen Luftraum zu transportieren. Russland reagierte verärgert auf die Berichte, wonach Waffen für das Assad-Regime an Bord der in Moskau gestarteten Maschine beschlagnahmt worden seien. Kremlchef Wladimir Putin sagte eine für diesen Montag geplante Reise in die Türkei ab - die Beziehungen zwischen Ankara und Moskau sind belastet.

300 Kilogramm Raketen-Material

Laut russischer Angaben befanden sich 37 Menschen in dem am Mittwochabend abgefangenen Flugzeug, darunter 17 russische Staatsbürger. Nach Erdogans Darstellung waren die beschlagnahmten Güter von einer russischen Behörde für Industrie und Chemie an das syrische Verteidigungsministerium adressiert gewesen. Sie würden nun von einer türkischen Behörde genauer untersucht.

Regierungsnahe türkische Medien hatten am Donnerstag berichtet, es seien 300 Kilogramm Empfänger, Antennen und Bauteile für Raketen beschlagnahmt worden. Die Regierung spricht aber offiziell weiterhin nur von "militärischen Gütern".

Die Führung in Moskau forderte eine Erklärung der türkischen Regierung. Sie ließ verlauten, es seien keine russischen Militärgüter an Bord gewesen. "Wenn, dann würde das nach der üblichen Praxis geschehen - und nicht auf illegalem Wege oder noch dazu unter Nutzung eines Passagierflugzeugs", sagte ein Vertreter der russischen Rüstungsexportindustrie der Agentur Interfax.

Auch Syrien reagierte empört auf den Zwischenfall. "Dies ist ein feindlicher Akt", erklärte das Außenministerium. Es seien "keine Waffen oder sonstigen verbotenen Waren" an Bord gewesen. Damaskus forderte die türkischen Behörden auf, die beschlagnahmte Ladung "vollständig und unbeschädigt" zu übergeben. Konkrete Angaben dazu, was sich im Frachtraum der Maschine befand, wurden nicht gemacht.

Die Maschine des Typs Airbus A-320 war von türkischen F-16-Kampfflugzeugen abgefangen und zur Landung auf dem Esenboga-Flughafen in Ankara gezwungen worden. Nach Angaben des türkischen Außenministers Ahmet Davutoglu lagen dem türkischen Geheimdienst Informationen über eine verdächtige Fracht vor.

fab/dpa

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insgesamt 123 Beiträge
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1. Waffenlieferung
Bedie 12.10.2012
Zitat von sysopRussland ist empört, doch die US-Regierung unterstützt die Türkei im Streit um das abgefangene syrische Flugzeug. Man stehe hinter Verbündeten, die Waffentransporte an das Assad-Regime verhinderten, heißt es in Washington. Laut türkischen Medien befanden sich Raketenbauteile an Bord der Maschine. Syrisches Flugzeug: USA unterstützten Türkei - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrisches-flugzeug-usa-unterstuetzten-tuerkei-a-860867.html)
dieser Bericht ist überflüssig - weil von vornherein klar und vorhersehbar.
2.
stuhlsen 12.10.2012
Witzige Überschrift des Artikels. Die USA sind doch die Verursacher der Sache, ihr Geheimdienst hat die Türken doch erst heiß gemacht ...
3. Erdogan
hubertrudnick1 12.10.2012
Zitat von sysopRussland ist empört, doch die US-Regierung unterstützt die Türkei im Streit um das abgefangene syrische Flugzeug. Man stehe hinter Verbündeten, die Waffentransporte an das Assad-Regime verhinderten, heißt es in Washington. Laut türkischen Medien befanden sich Raketenbauteile an Bord der Maschine. Syrisches Flugzeug: USA unterstützten Türkei - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrisches-flugzeug-usa-unterstuetzten-tuerkei-a-860867.html)
Der Herr Erdogan ist und bleibt der Terrier der Frau Clinton und deshalb bekommt er auch keine Kritik von ihr, aber diese Frau sollte aufpassen, dass die Türkei mit ihren Aktionen nicht den Konflikt zu einem neuen Krieg ausweitet.
4. Russische Medien berichten von Misshandlungen durch türk. Soldaten
Blutworscht 12.10.2012
Passagiere und Besatzungsmitglieder sollen von Soldaten geschlagen worden sein, weil man sie sich weigerten Dokumente zu unterschreiben, die fälschlicherweise behaupteten, dass die Maschine notlanden musste und kein Militär in die Sache verwickelt war. Wahr ist jedoch, dass der Airbus von zwei Kampflugzeugen mit Drohung von Waffengewalt zur Landung gezwungen wurde. Das russische Fernsehen zeigte auch Bilder von misshandelten Personen: http://rt.com/news/plane-passenger-reaction-140/
5. Erdogan Macht Spiel
hossain 12.10.2012
Mansche Politiker von 3rd World versuchen als großes Straken Mann speilen zu wollen. Weil Sie von kleine verhältnisse groß geworden sind. Sie wollen Macht zeigen. Wenn einer wie USA Nato diese noch von hinten anheiz, dann doppelt. Dabei vergessen Sie daß Sie eine falle tappen. Übrigens Erdogan tut jeden tag über seine Grenze ständig Waffen leiferung. Un was sll 300 Kg (was für eine lächerliche Zahl, wo jeden Tag Tonnenweise Kriegmatierial eingesetz wird) Kriegmaterial da was ändern. Da hinter steckt ein neuen Spiel. Weil die Rebellen nicht mehr können, muss so was her. Die Menschen außer Krieg in 4-5 Provinzen von 22 Millionen Protestieren auch nicht mehr.
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Zwangslandung in Ankara: Waffenteile in syrischem Jet?

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