Damaskus - In der syrischen Hauptstadt Damaskus sind am Freitagmorgen nach Angaben des staatlichen Fernsehens zwei Bomben explodiert. Ziele seien Gebäude der Sicherheitskräfte und des Geheimdienstes gewesen. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana sprach von Terroranschlägen. Erste Spuren würden auf eine Beteiligung des Terrornetzwerks al-Qaida hindeuten, hieß es in dem Bericht des Staatsfernsehens. Selbstmordattentäter hätten sich in Autos in die Luft gesprengt.
Syrischen Behörden zufolge kamen bei den Anschlägen mehr als 40 Menschen ums Leben, 100 wurden verletzt. Zunächst war von 30 Toten die Rede gewesen.
Staatliche syrische Stellen bezeichnen alle Aufständischen seit Monaten durchgängig als Terroristen oder vom Ausland bezahlte Banden. Es ist daher nicht auszuschließen, dass der Hinweis auf angebliche Qaida-Spuren der Regime-Propaganda dienen soll. Weder das syrische Staatsfernsehen noch die staatliche syrische Presseagentur sind unabhängige Quellen. Es handelt sich vielmehr um Instrumente von Machthaber Baschar al-Assad.
Augenzeugen berichteten in Telefongesprächen aus Damaskus der Nachrichtenagentur dpa, die Explosionen seien laut und deutlich in der gesamten Hauptstadt zu hören gewesen. Sicherheitskräfte hätten alle Zufahrtsstraßen zu dem Stadtgebiet abgeriegelt. Mehrere Personen seien festgenommen worden. Eine syrische Menschenrechtsgruppe berichtete unter Berufung auf weitere Zeugen von schwerem Maschinengewehrfeuer nach den Explosionen.
Zuletzt waren erste Beobachter der Arabischen Liga in die syrische Hauptstadt gereist. Sie sollen die Gewalt in dem Land untersuchen. Die Diplomaten und Experten sollen die Umsetzung eines Friedensplans, die Freilassung von Regimegegnern und den Abzug der Armeen aus den Städten überwachen. Angesichts der seit Monaten anhaltenden blutigen Auseinandersetzungen in Syrien hatte die Arabische Liga die Regierung in Damaskus gedrängt, der Entsendung von Beobachtern zuzustimmen.
Seit Monaten protestiert das syrische Volk gegen das Regime von Assad. Die Regierung geht mit Gewalt gegen die Demonstranten vor. Nach Uno-Schätzungen sind bei den Protesten seit Mitte März mehr als 5000 Menschen ums Leben gekommen.
Im Streit um eine Verurteilung der Gewalt in Syrien hatten sich zuletzt die Fronten zwischen den westlichen Ländern und Russland im Uno-Sicherheitsrat verhärtet. Bei einer Sitzung des Uno-Gremiums am Donnerstag verlangte der russische Uno-Botschafter Witali Tschurkin erneut eine Untersuchung zum Tod von Zivilisten durch den Nato-Militäreinsatz in Libyen. Die US-Botschafterin Susan Rice nannte die Forderung "einen billigen Trick", um von anderen Themen abzulenken und den Erfolg der Nato zu "verschleiern".
Rice und Frankreichs Uno-Botschafter Gérard Araud verwiesen zudem auf zwei laufende Untersuchungen durch den Uno-Menschenrechtsrat und den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, bei denen es auch um den Nato-Einsatz in Libyen gehe. Araud sagte, eine dritte Untersuchung sei unnötig, zumal es noch keine Ermittlungskommission der Uno zur Gewalt in Syrien gebe. Die Regierung in Moskau gilt als Verbündeter von Assad und hat eine Uno-Resolution zusammen mit der Vetomacht China bislang blockiert.
hen/yas/Reuters/dapd/dpa
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