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Tabubruch bei Opec-Gipfel: Chávez bekreuzigt sich vor saudischem König

Präsident Hugo Chávez ist erneut aus der Rolle gefallen: Auf dem Opec-Gipfel in Saudi-Arabien bekreuzigte sich der Venezolaner vor Gastgeber König Abdullah und nahm in seiner Rede gleich mehrfach auf Christus Bezug - das ist nach den Gesetzen des islamischen Landes streng verboten.

Riad - Wenn Hugo Chávez ans Rednerpult tritt, stehen die Chancen gut, dass er aus der Rolle fällt. Trotzdem durfte er den diesjährigen Gipfel der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) eröffnen - als Gastgeber des vorangegangenen Treffens im Jahr 2000 fiel ihm diese Aufgabe automatisch zu.

Und Chávez provozierte wie so oft: Erst bekreuzigte er sich vor Gasteber König Abdullah von Saudi-Arabien - der Monarch trägt auch den Titel "Diener der zwei heiligen Moscheen", weil in seinem Land die heiligen Stätten von Mekka und Medina liegen. Im Verlauf der 25-minütigen Rede, mit der Chávez über das angekündigte Zeitmaß weit hinausging, nahm der Venezolaner sodann zweimal explizit auf Christus Bezug, was nach den saudischen Gesetzen nicht zulässig ist.

König Abdullah und Präsident Chávez: Der Venezolaner wurde für seinen Fauxpas nicht zurechtgewiesen
AP

König Abdullah und Präsident Chávez: Der Venezolaner wurde für seinen Fauxpas nicht zurechtgewiesen

"Wir wissen, dass der einzige Weg des Friedens, wie es Christus gesagt hat, in der Gerechtigkeit liegt", sagte Chávez unter anderem vor den Staats- und Regierungschefs der Organisation, die sich in einem luxuriösen Konferenzzentrum in Riad versammelt.

Ein Vertreter der Regierung ließ das Verhalten Chávez durchgehen. Er verwies darauf, dass zu Beginn der Veranstaltung Koran-Verse verlesen worden seien.

Das Treffen ist der dritte Gipfel seit der Gründung der Opec im Jahr 1960. Neben Saudi-Arabien, Iran und Venezuela nehmen Algerien, Angola, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indonesien, Irak, Kuwait, Libyen, Nigeria und Katar teil. Auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist vor Ort. Im Mittelpunkt des Treffens steht vor allem der steigende Ölpreis.

Chávez wetterte in diesem Zusammenhang kräftig gegen die USA und warnte US-Präsident George Bush vor einem Militärangriff auf Iran. Sonst könnte es zu Barrel-Preisen von 200 Dollar kommen. Ein Ölpreis von 100 Dollar pro Fass (159 Liter) sei dagegen "fair", so Chávez.

Chávez fordert Entschuldigung von König Juan Carlos

Mit seiner Rede in Riad sorgte Chávez innerhalb weniger Wochen zum zweiten Mal für Aufsehen auf internationalem Parkett: Auf dem Iberoamerikanischen Gipfel vergangene Woche beschimpfte er den konservativen spanischen Ex-Regierungschef José Maria Aznar als Faschist und nervte bei der anschließenden Gegenrede des spanischen Regierungschefs Jose Luis Zapatero mit Zwischenrufen so sehr, dass der spanische König Juan Carlos vor laufender Kamera aus der Haut fuhr. "Por qué no te callas?" ("Warum hältst du nicht die Klappe?"), motzte er Chávez an.

Der Schlagabtausch hatte Folgen: Chávez verlangt jetzt eine Entschuldigung. Falls der spanische Monarch keine Reue für seine verbale Entgleisung zeige, drohte Chávez sogar mit wirtschaftlichen Konsequenzen für Spanien. "Er sollte sagen ... 'Ich, der König, gebe zu, dass ich mich daneben benommen und einen Fehler begangen habe'", so Chávez.

ase/AFP

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