Verschollene Dokumente US-Behörden präsentieren Tagebücher von Hitlers Chefideologen Rosenberg

Als enger Vertrauter von Adolf Hitler soll Alfred Rosenberg die Rassenideologie der Nazis geprägt haben. US-Behörden haben nun die Tagebücher gefunden, die einen Einblick "in den Geist einer dunklen Seele" böten. Die Wissenschaft erhofft sich neue Erkenntnisse für die Holocaust-Forschung.

REUTERS

Wilmington - In den Nürnberger Prozessen dienten sie als Beweismittel, später wurden sie in die USA geschmuggelt, wo sie schließlich verschwanden. Nun sind die Tagebücher des engen Hitler-Vertrauten und NS-Chefideologen Alfred Rosenberg nach Angaben US-amerikanischer Behörden wieder aufgetaucht. Die 400 Seiten würden einen weiteren Einblick in "eines der größten Unrechte unserer menschlichen Geschichte" gewähren, sagte der Chef der US-Zollbehörde ICE, John Morton, bei der Vorstellung des Funds.

Die Behörden sind von der Echtheit der Tagebücher sowie beigefügter offizieller Dokumente wie Aktennotizen und Lageberichte überzeugt. Sie gehören nun der US-Regierung und sollen bald an das Holocaust-Museum in Washington übergeben werden, das die Aufzeichnungen wissenschaftlich auswerten will. "Um zu verstehen, warum der Holocaust geschah, ist Material von großer Bedeutung, das sowohl das Handeln von Tätern als auch von Opfern dokumentiert", sagte Sara Bloomfield, Direktorin des Washingtoner Holocaust-Museums.

Nach Angaben des Museums sollen die Tagebücher neue Einblicke in Treffen von Rosenberg mit Adolf Hitler und anderen Nazi-Größen geben. So schreibt der damalige NS-Chefideologe in dichter Kursivschrift am 2. April 1942 über ein Abendessen mit Hitler und zitiert ihn so: "Rosenberg, jetzt ist Ihre große Stunde gekommen."

Deutscher Anwalt hatte Tagebücher in die USA geschmuggelt

Rosenberg soll die Aufzeichnungen von 1934 bis 1944 gemacht haben. Sie geben zudem Aufschlüsse über die Pläne zur Massenvernichtung der Juden in Europa und über die Dynamik im Nazi-Führungszirkel. Beispielsweise schreibt Rosenberg euphorisch über eine Konferenz zur Vernichtung der Juden. "Wir glauben, dass Teile dieser Materialien die geschriebene Geschichte widerlegen", sagte der Archivar Henry Mayer vom Holocaust-Museum, nannte allerdings keine Details.

Bei der Präsentation der Tagebücher sagte Morton: "Wir haben eines der größten Rätsel der Nachkriegsgeschichte gelöst." Die Aufzeichnungen böten einen Einblick "in den Geist einer dunklen Seele". Rosenberg habe es nicht geschafft, all seine Geheimnisse mit ins Grab zu nehmen.

Die Dokumente soll der deutsche Anwalt Robert Kempner, einer der Ankläger bei den Nürnberger Prozessen, in die USA geschmuggelt und dort unter Verschluss gehalten haben. Nach Kempners Tod 1993 tauchten einige Aufzeichnungen auf, der größte Teil der Tagebücher blieb aber verschollen. Im November 2012 erhielten die US-Behörden dann einen Hinweis von einem Mitarbeiter des Holocaust-Museums. "Die Rosenberg-Tagebücher wurden anschließend geortet und beschlagnahmt", erklärte die ICE und machte mit Verweis auf laufende Ermittlungen keine weiteren Angaben.

Rosenberg war 1893 im heutigen Tallinn geboren worden und 1918 nach München gekommen. Dort hatte er Bekanntschaft mit Hitler gemacht. Rosenberg gehörte zum inneren Führungszirkel der NSDAP, organisierte den Kunstraub der Nazis und war als Reichsminister für die besetzten Ostgebiete für die Ermordung von Millionen Juden verantwortlich.

Die Ankläger bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen bezeichneten ihn als "Hitlers Weltanschauungschef", der "die Lehre des Hasses schuf, die den Anstoß zur Vernichtung des Judentums" gab. Rosenberg wurde zum Tode verurteilt und 1946 hingerichtet.

max/dpa/AFP



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