Taiwan Fünf Minuten "historische Begegnung"

Seit 60 Jahren sind Taiwan und China verfeindet: Nun hat der taiwanische Präsident hohe chinesische Funktionäre empfangen. Die Unterredung dauerte gerade einmal fünf Minuten.


Taipeh - Das Treffen wird als historisch gewertet: Taiwans Präsident Ma Ying-jeou ist mit einem ranghohen Vertreter der chinesischen Regierung zusammengekommen. Bei der fünfminütigen Unterredung in Taipeh dankte Ma dem Pekinger Diplomaten Chen Yunlin für seine Bemühungen um eine Annäherung der seit knapp 60 Jahren verfeindeten Staaten.

Demonstration in Taipeh: "Kein Ausverkauf Taiwans"
REUTERS

Demonstration in Taipeh: "Kein Ausverkauf Taiwans"

Während des Treffens protestierten Hunderte Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung Taiwans gegen den Besuch Chens. Dabei riefen sie Slogans wie "Taiwan ist Taiwan, China ist China" und "Kein Ausverkauf Taiwans". China betrachtet Taiwan, das sich 1949 abgespalten hatte, nach wie vor als abtrünnige Provinz.

Schon am Mittwochabend war es zu gewalttätigen Protesten gekommen. Dabei hatten Demonstranten Chen stundenlang am Verlassen eines Hotels gehindert, wo er an einem Bankett teilgenommen hatte. Erst nach Stunden konnte der chinesische Diplomat das Hotel unter Polizeischutz verlassen und in seine Unterkunft gebracht werden. Chen ist der bislang ranghöchste Vertreter Chinas, der Taiwan besucht hat.

Beide Seiten hatten bereits am Dienstag mehrere bilaterale Abkommen unterzeichneten. Ma würdigte ein von beiden Seiten unterzeichnetes Abkommen, das die Zahl der Flug- und Schiffsverbindungen erhöht. Außerdem vereinbarten China und Taiwan regelmäßige Wirtschaftsgespräche, die alle sechs Monate stattfinden sollen.

Ma, der seit Mai im Amt ist, sucht eine stärkere Annäherung an China. Sein Kurs war von der kommunistischen Führung in Peking begrüßt worden.

asc/dpa/AP



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