Grenzstadt Tall Abjad Syrische Flüchtlinge an Grenze zur Türkei aufgehalten

Kurden und der IS kämpfen um Tall Abjad - die Bewohner der syrischen Grenzstadt stecken mittendrin. Die sichere Türkei ist zwar in Sichtweite, doch IS-Kämpfer und türkisches Militär hindern die Flüchtlinge am Übergang.

DPA

Rund um die Stadt Tall Abjad spielen sich derzeit dramatische Szenen ab. Verzweifelt versuchen Bewohner des syrischen Grenzorts in die Türkei zu gelangen. Dort wären sie sicher vor den Kämpfen zwischen dem "Islamischen Staat" (IS) und der Kurdenmiliz YPG. Das rettende Nachbarland können sie sehen, jenseits der Grenze stehen Militärposten.

Doch zumindest an diesem Samstag war der Weg versperrt. Schwer bewaffnete Kämpfer des IS blockierten den Grenzübergang und drängen die Menschen mit vorgehaltenen Waffen zurück. Auch die türkischen Einheiten setzten Wasserwerfer ein, um die fliehenden Syrer am Grenzübertritt zu hindern. Zahlreiche Warnschüsse fielen. Viele der Flüchtlinge reckten wegen der großen Hitze leere Flaschen in die Höhe und baten um Wasser.

Tausende Menschen hatten sich zuletzt an dem Stacheldrahtzaun versammelt, der Syrien von der Türkei trennt. Sie hoffen, doch noch hinüber zu kommen, in Sicherheit. Wie die türkische Seite meldet, wurden in den vergangenen Tagen mehr als 13.000 Menschen an dem Grenzübergang aufgenommen.

Warum dann aber am 13. Juni mit derart drastischen Maßnahmen gegengesteuert wurde, ist noch unklar. Insgesamt hat das Nachbarland bereits rund 1,8 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen.

Es wird erwartet, dass sich der Konflikt um Tall Abjad noch verschärft. Am Sonntag wehte über der Stadt weiter die schwarze IS-Flagge. Aus Tall Abjad war Gefechtslärm zu hören, östlich der Stadt ereignete sich eine heftige Explosion. Noch hat der IS die Kontrolle über die Stadt, doch die kurdischen Einheiten rücken näher.

Der Ort Suluk, wenige Kilometer südwestlich, ist schon jetzt in kurdischer Hand. Dies bestätigt auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London. Meldungen aus dem Bürgerkriegsland lassen sich kaum unabhängig verifizieren, die Beobachtungsstelle hat sich in der Vergangenheit aber als zuverlässig erwiesen.

Für die Terroristen des "Islamischen Staats" wäre eine Niederlage in Tall Abjad ein erheblicher strategischer Rückschlag. Der Ort gilt als wichtiger Verbindungspunkt zwischen der inoffiziellen IS-Hauptstadt Rakka und der türkischen Grenze. Derzeit stehen die Kurden nur noch wenige Kilometer von Tall Abjad entfernt, ihre Offensive wird durch Luftschläge der Allianz gegen den IS unterstützt. Bei dieser Allianz wirken auch die US-Streitkräfte mit.

jok/cpa/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
TangoGolf 14.06.2015
1. diese Bilder
zeigen den ganzen Wahnsinn dort unten. Es wird Zeit, endlich massiv gegen den IS vorzugehen, damit das Flüchtlingselend ein Ende nimmt. Wer sich gegen einen Militäreinsatz stellt, nimmt solche Bilder billigend in Kauf.
3nvy 14.06.2015
2. Ekelhafte Welt
Erst verkaufen wir beiden Seiten Waffen (solange bis es offiziell wird und selbst dann geht es munter weiter) und die Menschen die darunter leiden werden auf erbähmliche Art und Weise im Stich gelassen kurz in den Tagesthemen erwähnen und nach dem Motto "registriert und ignoriert" wieder vergessen
alienfreak 14.06.2015
3.
Zitat von 3nvyErst verkaufen wir beiden Seiten Waffen (solange bis es offiziell wird und selbst dann geht es munter weiter) und die Menschen die darunter leiden werden auf erbähmliche Art und Weise im Stich gelassen kurz in den Tagesthemen erwähnen und nach dem Motto "registriert und ignoriert" wieder vergessen
Deutschland hat dem IS Waffen verkauft? Quellen bitte.
Kismet 14.06.2015
4.
Zitat von TangoGolfzeigen den ganzen Wahnsinn dort unten. Es wird Zeit, endlich massiv gegen den IS vorzugehen, damit das Flüchtlingselend ein Ende nimmt. Wer sich gegen einen Militäreinsatz stellt, nimmt solche Bilder billigend in Kauf.
Und was machen wir mit Asad? Wegen ihm sind auch millionen Menschen auf der Flucht.
deep.tief 14.06.2015
5. andere Bilder
In sozialen Medien gibt es auch Bilder,die IS-Kämpfer zeigen, die die armen Menschen wieder zurückscheuchen und gegenüber hinter dem Zaun stehen Türksiche Soldaten, die sich den Terror entspannt angucken!
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