Taliban-Äußerungen: Afghanistans Außenminister hält Beck Ahnungslosigkeit vor

SPD-Chef Beck bekommt für seinen Vorschlag zu einer Konferenz mit den Taliban eine Abfuhr aus Afghanistan. Genauso gut könne man auch vorschlagen, eine Koalition mit der "moderaten NPD" in Rheinland-Pfalz zu schließen, kritisiert der afghanische Außenminister. Auch der SPD-Außenpolitiker Klose distanziert sich von Becks Idee.

Hamburg - Erst brachte SPD-Chef Kurt Beck mit seinen Forderungen Unruhe in die Große Koalition, jetzt kommt Kritik aus Afghanistan selbst: Der afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta sagte im NDR, es gebe keine moderaten Taliban. "So eine Klassifizierung ist eine Erfindung von denjenigen, die von Afghanistan keine Ahnung haben."

Kurt Beck in Afghanistan: Auch aus dem Land, dem der SPD-Chef helfen will, kommt heftige Kritik
DPA

Kurt Beck in Afghanistan: Auch aus dem Land, dem der SPD-Chef helfen will, kommt heftige Kritik

Spanta erklärte, genauso könne man vorschlagen, in Rheinland-Pfalz eine Koalition mit der "moderaten NPD" zu schließen. Zwar seien in Afghanistan viele Menschen instrumentalisiert worden, die man wieder eingliedern solle. "Aber als militärische und politische Kraft sehe ich keine moderaten und nicht-moderaten Taliban."

Seine Regierung suche seit geraumer Zeit nach moderaten Taliban-Kräften. "Wenn westliche Politiker sowas haben, können sie uns die Adresse und Kontaktpersonen geben, damit wir uns mit ihnen auseinander setzen können." Spanta sieht nach eigenen Worten in einer neuen Afghanistan-Konferenz keinen Sinn.

Beck hatte am Sonntag nach einem Gespräch mit Afghanistans Präsident Hamid Karzai in Kabul eine neue Friedenskonferenz in Deutschland ins Gespräch gebracht. Es war das erste Mal, dass ein Spitzenpolitiker der Großen Koalition mit dem Vorschlag zu neuen Friedensverhandlungen vorprescht - ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da die angeforderten Bundeswehr-Tornados nach Afghanistan unterwegs sind.

Für seine Vorschläge hatte der SPD-Chef im Inland bereits Widerspruch aus verschiedenen politischen Lagern geerntet. Sein Vorstoß fand bislang nur in der eigenen Partei Unterstützer.

Am Donnerstag ging allerdings der SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose auf Distanz zu Becks Vorschlägen. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärte er, Beck sei Vorsitzender einer Partei, die in der Regierung sei und die den Außenminister stelle. Wenn sich Beck zu Verhandlungen äußere, "denken doch viele im Ausland, in Washington, in London, in Moskau das sei abgesprochen". Und Klose weiter: "Ich hoffe, das ist geschehen, sicher bin ich mir aber nicht".

Zu Becks Vorschlag, mit sogenannten moderaten Kräften der Taliban zu reden, erklärte der SPD-Bundestagsabgeordnete: "Es mag einzelne unter den Taliban geben, die in die normale afghanische Gesellschaft zurückkehren wollen. Denen sollte man den Weg bereiten. Aber diejenigen, die in Madrassen - den Koranschulen - in Pakistan ausgebildet und über die Grenze nach Afghanistan gehen, sind keine moderaten Taliban, die man zu einer Konferenz a la Petersberg einladen könnte", so Klose, der Stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag ist.

In Deutschland fanden bereits drei internationale Afghanistan-Konferenzen ohne die Taliban statt: 2001 und 2002 auf dem Petersberg bei Bonn und 2004 in Berlin. Beck machte seinen Vorschlag zum Abschluss eines Afghanistan-Besuchs und stieß bereits in Deutschland auf heftige Kritik. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) distanzierte sich von den Äußerungen.

Den Tornado-Einsatz der Bundeswehr sieht Außenminister Spanta nach eigenem Bekunden positiv. "Das ist eine friedenssichernde Aufgabe." Man müsse in der Lage sein, die Bewegungen von Terroristen herauszufinden, zu analysieren und später zu kontrollieren. "Wir sind Deutschland dankbar. Das ist eine gute Entscheidung für Deutschland und Afghanistan", sagte der Politiker. Die sechs Aufklärungsflugzeuge werden heute in Afghanistan erwartet.

sev/jaf/AP/dpa

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