Taliban antworten Bush: Wer für Amerika spioniert, muss sterben

Das afghanische Taliban-Regime stellt sich stur: Die obersten Führer stellten am Morgen klar, dass sie den Terroristenführer Osama Bin Laden ohne Beweise für seine Beteiligung an den Anschlägen nicht an die USA ausliefern werden.

Ein Sprecher der Taliban lehnte die Forderung des US-Präsidenten ab
REUTERS

Ein Sprecher der Taliban lehnte die Forderung des US-Präsidenten ab

Islamabad/Washington/Kairo - Es sei nicht möglich, Osama Bin Laden auszuliefern, sagte der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abd al-Salim Saif. Eine Auslieferung würde nach seinen Worten den Islam beleidigen. Und er fügte hinzu: "Wenn er will, kann er gehen. Wir werden ihn nicht zwingen zu gehen." Sahif drohte zudem, jeder, der Informationen an Amerika liefere, müsse sterben.

Weiter forderten die Taliban in der Pressekonferenz, die teilweise einen chaotischen Verlauf nahm, eine Untersuchung der Anschläge durch die Uno. Afghanistan sei bereit, einem US-Angriff die Stirn zu bieten, sagte Saif. Die Taliban seien zu jedem Opfer bereit.

Zu der Frage des Aufenthaltsortes Bin Ladens erklärte Saif, er wisse nicht, wo sich dieser aufhalte. In der pakistanischen Presse wurde am Freitag spekuliert, dass der saudi-arabische Multimillionär das Land bereits verlassen haben könnte. Gerüchte, dass Bin Laden bereit sei, aus Afghanistan auszureisen, waren bereits vor zwei Jahren gestreut worden, als die USA und die Vereinten Nationen die Auslieferung Bin Ladens verlangt hatten und die Taliban versuchten, ihr Verhältnis zu den USA zu verbessern.

Beobachter nehmen an, dass Bin Laden und seine Verbündeten außerhalb Afghanistans die Taliban unter Druck setzen. Die radikalislamischen Taliban hatten ihr Land in den vergangenen Jahren immer mehr isoliert. Wegen ihrer Verstöße gegen die Menschenrechte leistete der Westen nur Nothilfe, aber keine Entwicklungshilfe. Die Taliban machten sich damit von der Unterstützung durch islamistische Gruppen abhängig.

Wo ist Bin Laden?

Über den Aufenthaltsort des von den USA als Terrorist gesuchten Fundamentalistenführers Bin Laden gibt es unterdessen widersprüchliche Berichte. Während eine pakistanische Zeitung am Freitag meldete, Bin Laden habe Afghanistan verlassen, verlautete aus dem Umkreis des Muslim-Extremisten, er halte sich weiterhin dort auf. Bin Laden sei weiter in Afghanistan, betonte der Führer einer Koranschule in Pakistan, Hamid Hakkani. "Dies ist der Moment, auf den er gewartet hat. Seine Gebete werden wahr." An Hakkanis Koranschule waren zahlreiche Taliban-Führer ausgebildet worden.

Die Zeitung "The News" meldete dagegen, der Multimillionär habe das Land bereits am Montag noch vor den Beratungen der afghanischen Geistlichen über seine Auslieferung verlassen.

US-Präsident George W. Bush hatte vor dem Kongress gefordert, die Taliban müssten Bin Laden und seine Helfer ausliefern. "Sie werden die Terroristen ausliefern oder ihr Schicksal teilen", sagte Bush. Die Taliban hatten den USA und ihren Verbündeten im Fall eines Angriffs bereits mehrfach mit einem "Heiligen Krieg" der muslimischen Welt gedroht. Am Donnerstag hatten die Religionsführer Afghanistans lediglich beschlossen, Bin Laden zum freiwilligen Verlassen des Landes aufzufordern, ohne ihm eine Frist zu setzen.

Arabische Liga schließt Schulterschluss mit den USA aus

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, hat unterdessen eine arabische Beteiligung an der von den USA geforderten internationalen Antiterror-Allianz ausgeschlossen, wenn Israel beteiligt wird. Israel töte Menschen, und wer eine solche Politik betreibe, könne nicht den Terrorismus bekämpfen, sagte Mussa in einem Fernsehinterview.

Auf die Frage nach einer arabischen Unterstützung der USA wie im Golfkrieg gegen den Irak sagte Mussa, die Zeiten hätten sich geändert. Damals hätten die USA den arabischen Staaten als Gegenleistung eine Lösung des Palästina-Konflikts versprochen. Versprechungen reichten heute nicht mehr aus. Nun seien bindende Vereinbarungen notwendig, unter anderem über die Schaffung eines palästinensischen Staates, betonte Mussa.

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