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Taliban-Aussteigerprogramm Bündnis der Selbstbetrüger

Taliban-Kämpfer: Trennung zwischen "gemäßigten" und "radikalen" Islamisten ist UnfugZur Großansicht
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Taliban-Kämpfer: Trennung zwischen "gemäßigten" und "radikalen" Islamisten ist Unfug

2. Teil: Es fehlen Mädchenschulen? Frauen tragen die Burka? Das ist kein Drama

Einer wie Gulbuddin Hekmatjar zum Beispiel muss im politischen Kabul künftig irgendwie verankert sein, auch wenn das für den Westen eine Selbstkasteiung wäre. Hekmatjar ist ein typischer Vertreter jener Elite, die in den sechziger Jahren die Kabuler Universität verließ, islamistische Parteien gründete und während der repressiven Herrschaft des Königs-Vetters Mohammed Daud 1974 nach Pakistan flüchtete - dieses Jahr definieren die Islamisten als Beginn des langen Bürgerkriegs. Nach dem Sturz Nadschibullahs gehörte Hekmatjar zu jenen, die Kabul in Schutt und Asche legten.

Hekmatjar lebt jetzt im Untergrund, aber seine Kämpfer gibt es noch, vor allem im Südosten. Er hat sich dieser Tage prompt zu Wort gemeldet, mit einer erstaunlich moderaten Position: Er sei offen für Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung, teilte er mit. Aber natürlich müssten die ausländischen Truppen weg und neue Präsidentenwahlen stattfinden. Hekmatjars Worte hören sich an, als ginge er auf Distanz zur Taliban-Führung, die Karzais Versöhnungsprogramm Anfang der Woche in Bausch und Bogen verdammte: "Der Regierung wird es nicht gelingen, mit Hilfe von Geld die Taliban zu teilen und zu schwächen", hatte ihr Sprecher gesagt.

Hier zeigt sich, wie hilflos der Westen allein im Umgang mit dem Wort "Taliban" ist. Es ist ein Hilfsbegriff, den seine Politiker gern benutzen, weil es sie der Notwendigkeit enthebt, sich die Anti-Kabul-Front genauer anzusehen. Denn die ist in Wirklichkeit sehr heterogen. Hekmatjar zum Beispiel war nie Taliban, er wurde durch die radikalisierten Religionsstudenten 1996 sogar wieder aus dem Land vertrieben. Aber als 2001 die westliche Allianz in Afghanistan einmarschierte, gab es für alle, die sich bislang gegenseitig bekämpften, nur noch ein Ziel: die Ausländer wieder aus dem Land zu drängen. Dass Leute wie Hekmatjar (und später auch die Warlords der Nordallianz) unter Karzai keinerlei Einfluss erhielten, hat die jetzige katastrophale Sicherheitslage erst geschaffen.

Versöhnung also ist gut, die Frage ist nur: mit wem? Die eigentlichen Wortführer des Widerstands dabei auszuschließen, wie das deutsche Politiker so gern fordern, ist absurd.

Militärisch kann der Westen nichts mehr ausrichten

Der Vorschlag, die Regierungsmacht in Kabul offiziell zu teilen, ist übrigens nicht neu. Den haben 1989 schon die Russen gemacht. Damals flog Moskaus Außenminister Eduard Schewardnadse eigens ins pakistanische Islamabad, um eine Koalition zwischen den Kommunisten um Nadschibullah und den Mudschahidin zu schmieden. Die amerikanischen und pakistanischen Geheimdienste, CIA und ISI also, lehnten ab, sie wollten den Krieg gegen die Russen zu Ende bringen. Was Schewardnadse schwer verärgerte - so jedenfalls berichtet es der frühere Taliban-Botschafter Abdul Salam Saif in seinem Buch "Mein Leben mit den Taliban".

Bleibt noch die Frage, was sich für den Westen aus der neuen "Aussöhnungspolitik" ergibt.

Erstens: Es ist klar, dass er militärisch in Afghanistan nichts mehr bewegen kann, jede Truppenaufstockung ist damit sinnlos. Mit der neuen Taliban-Strategie siegt der gesunde Menschenverstand, das Land wird den Afghanen zurückgegeben. Der Westen kann diesen Prozess nur noch begleitend sichern - sollte aber tatsächlich nicht Hals über Kopf abziehen, weil dann erneut ein Bürgerkrieg mit all seinen blutigen Abrechnungen beginnt. Ein Krieg, in dem übrigens vermutlich nicht die Taliban siegen.

Zweitens: Wenn der Westen eines Tages doch abziehen wird - und es gibt in Afghanistan dann noch immer nicht flächendeckend Mädchenschulen, wie wir uns das in unserer Naivität so dringend wünschen, und die Frauen in Masar-i-Scharif oder Kandahar tragen immer noch die Burka - dann ist das kein Drama. Schon einmal wurde der Schleierzwang aufgehoben und das Schulsystem liberalisiert. Das war während der großen Reformen Anfang der sechziger Jahre. Aber diese Reformen scheiterten - was nur belegt, dass Afghanistan mit einer stürmischen Modernisierung schnell überfordert ist.

Denn die Taliban sind nicht die einzigen Konservativen in Afghanistan.

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insgesamt 2965 Beiträge
akolyth2 23.01.2010
Dies ist vollkommen undenkbar. Eine Erhöhung der Militärpräsenz und eine Ausweitung der militärischen Maßnahmen in Zahl, Intensität und Härte sind die einzigen angezeigten Mittel.
Dies ist vollkommen undenkbar. Eine Erhöhung der Militärpräsenz und eine Ausweitung der militärischen Maßnahmen in Zahl, Intensität und Härte sind die einzigen angezeigten Mittel.
Panslawist 23.01.2010
Gestern Russlands Mahnung zur Bekämpfung der Finanzierung des Terrorismus und heute die Frage nach einer Zusammenarbeit mit den Taliban. Der geneigte Forist mag sich an meine Voraussage bezüglich des kommenden Konflikts [...]
Zitat von sysopÜber die richtige Strategie des Westens in Afghanistan wird intensiv diskutiert. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, wie man künftig mit dem Widerstand im Lande umgeht. Soll im Rahmen einer Gesamtstrategie auch mit den Taliban zusammengearbeitet werden?
Gestern Russlands Mahnung zur Bekämpfung der Finanzierung des Terrorismus und heute die Frage nach einer Zusammenarbeit mit den Taliban. Der geneigte Forist mag sich an meine Voraussage bezüglich des kommenden Konflikts zwischen der Nato auf der einen und Russland und China auf der anderen Seite erinnern. Ein möglicher Konflikt zwischen Pakistan und Indien wird der beginn für den grossen Kriegt sein.
Peter Uhlemann 23.01.2010
Eindeutig ja. Um diesen unseligen Krieg endlich zu beenden und zu einer Lösung zu kommen, mit der alle leben können, müssen alle Kräfte in Afghanistan eingebunden werden, auch die "Taliban". Die "Taliban" [...]
Zitat von sysopÜber die richtige Strategie des Westens in Afghanistan wird intensiv diskutiert. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, wie man künftig mit dem Widerstand im Lande umgeht. Soll im Rahmen einer Gesamtstrategie auch mit den Taliban zusammengearbeitet werden?
Eindeutig ja. Um diesen unseligen Krieg endlich zu beenden und zu einer Lösung zu kommen, mit der alle leben können, müssen alle Kräfte in Afghanistan eingebunden werden, auch die "Taliban". Die "Taliban" zu vernichten wird nicht gelingen, nicht heute, nicht morgen, nicht in 100 Jahren.
natterngesicht 23.01.2010
Ja was denn sonst? Schließlich gibt es genug gemäßigte Taliban. Der Westen kann nichts von oben bestimmen, die einheimischen Politiker und Eliten sind zuständig. Und dazu gehören nun mal die Taliban (übersetzt heißt Taliban: [...]
Zitat von sysopÜber die richtige Strategie des Westens in Afghanistan wird intensiv diskutiert. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, wie man künftig mit dem Widerstand im Lande umgeht. Soll im Rahmen einer Gesamtstrategie auch mit den Taliban zusammengearbeitet werden?
Ja was denn sonst? Schließlich gibt es genug gemäßigte Taliban. Der Westen kann nichts von oben bestimmen, die einheimischen Politiker und Eliten sind zuständig. Und dazu gehören nun mal die Taliban (übersetzt heißt Taliban: Theologe, jemand der sich in Glaubensdingen anstrengt bzw bemüht. Quasi ein Theologiestudent. "Freedom & democracy" ist nur eine andere Theologie. Der Islam hat natürlich bessere Karten bei den Einheimischen.)
natterngesicht 23.01.2010
Wer die Taliban vernichten will, der will die meisten Afghanen vernichten. Warum sollte das jemand wollen, außer vielleicht Bush, der wußte, wer oder was böse ist.
Zitat von Peter UhlemannEindeutig ja. Um diesen unseligen Krieg endlich zu beenden und zu einer Lösung zu kommen, mit der alle leben können, müssen alle Kräfte in Afghanistan eingebunden werden, auch die "Taliban". Die "Taliban" zu vernichten wird nicht gelingen, nicht heute, nicht morgen, nicht in 100 Jahren.
Wer die Taliban vernichten will, der will die meisten Afghanen vernichten. Warum sollte das jemand wollen, außer vielleicht Bush, der wußte, wer oder was böse ist.
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