Anschlag auf Kabuler Flughafen Taliban-Raketen treffen Karzais Hubschrauber

Mit einem spektakulären Anschlag bomben sich die Taliban zurück in die Schlagzeilen: Bei einem Raketenangriff auf den streng gesicherten Kabuler Flughafen gelang es ihnen, den Regierungshelikopter des Präsidenten zu zerstören.

Rauch über dem Airport von Kabul: Raketen am Rollfeld eingeschlagen
AP/dpa

Rauch über dem Airport von Kabul: Raketen am Rollfeld eingeschlagen

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Berlin - Es dauerte nicht lang, bis Sahibullah Mudschahid sich per Twitter zu Wort meldete. Der notorische Sprecher der afghanischen Taliban schickt jeden Tag Dutzende Tweets in den Landessprachen Dari und Paschtu, aber auch in Englisch herum, in martialischem Ton berichtet er über Anschläge der Taliban-Kämpfer gegen ausländische Soldaten oder Regierungtruppen, oft sind seine Angaben völlig übertrieben und doch geben sie einen Eindruck, wie unfriedlich die Lage am Hindukusch ist.

Am Dienstagmorgen nun hatte Mudschahid tatsächlich etwas Besonderes zu vermelden, folglich versah er seinen Tweet gleich ganz modern mit dem Zusatz "Breaking News". Kurz und knapp berichtete er dann, die Taliban hätten drei Raketen auf den Kabuler Flughafen abgefeuert, dabei sei vieles zerstört worden, darunter auch Militärflugzeuge und Hubschrauber. Wenig später waren dann auch Bilder von Kabuler Einwohnern zu sehen, die eine Rauchwolke über dem "Kabul International Airport" zeigten.

Wie erfolgreich der Angriff war, zeigte sich aber erst etwas später. Am Telefon gestanden afghanische Offiziere am Flughafen ein, dass tatsächlich zwei Raketen nahe des Rollfelds eingeschlagen seien und einen Hangar der afghanischen Armee getroffen hätten. Dabei, so stellte sich heraus, wurde eine der am besten geschützten Maschinen der Luftwaffe völlig zerstört: der Regierungshelikopter des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai. Neben der "Air Force One" der Kabuler Regierung seien zwei weitere Helis des Innenministeriums beschädigt worden.

Die Taliban sind immer noch zu Attacken in Kabul in der Lage

Der Anschlag auf den Flughafen, der von afghanischem und westlichem Militär streng bewacht wird und an dessen Rand auch die Kommandozentrale der Nato-Truppen in Afghanistan liegt, illustrierte einmal mehr, wie fragil die Sicherheitslage auch in der Hauptstadt Kabul ist. Durch die Raketen entstand nach afghanischen Angaben ein Schaden von mehreren Millionen Dollar, der zivile Flugbetrieb musste für Stunden eingestellt werden.

Erst am Tag zuvor hatte es einen Anschlag auf einen Armeebus mit mehreren Toten gegeben, die Taliban sind also zu Attacken mitten in Kabul noch immer in der Lage. In der Zeit seit den Präsidentschaftswahlen war die Lage in Kabul relativ ruhig, nun allerdings scheinen die Radikalislamisten die Hauptstadt erneut ins Visier zu nehmen. Militärische Erfolge gegen die Truppen der Regierung oder die Nato-Einheiten können sie dabei nicht erreichen, Anschläge wie auf den Flughafen tragen zu einer allgemeinen Verunsicherung bei.

Politisch ist die Lage derzeit ebenso unsicher. Nach der zweiten Stichwahl im Rennen um den Chefposten im Präsidentenpalast streiten die beiden Kandidaten Abdullah Abdullah und Aschraf Ghana über angebliche Wahlfälschungen und tragen den Protest immer mehr auf die Straße. Derzeit versuchen internationale Emissäre, den Zoff zwischen den Politikern, die beide den Sieg für sich reklamieren, zu beruhigen, deshalb sind gerade offenbar zwei prominente US-Senatoren in Kabul zu Gast und drängen die beiden zur Räson.

Sorge bei der Bundeswehr

Bei Bundesregierung und Bundeswehr herrscht wegen der Lage große Sorge. Zum einen gilt die Wahl als Symbol, dass erstmals nach 30 Jahren Bürgerkrieg eine halbwegs geordnete demokratische Machtübergabe möglich ist und damit das Engagement der Staatengemeinschaft überhaupt etwas gebracht hat. Kurzfristig ist eine Vereidigung des Präsidenten und dessen Unterschrift unter ein formales Truppenabkommen spätestens Ende des Sommers Voraussetzung, dass die Nato ihre Trainingsmission nach dem Abzug der Kampftruppen ab 2015 beginnen kann.

Kommt es nicht zu dem Truppenabkommen, müsste auch die Bundeswehr bis Ende 2014 alle Truppen aus Afghanistan abziehen, entsprechende Notfallpläne liegen bereits in den Schubladen im Wehrressort. Die Deutschen betreiben derzeit noch ein großes Lager im nordafghanischen Masar-e-Scharif, dort sind rund 2000 Soldaten stationiert. Für die Trainingsmission "Resolute Support" hat Berlin 600 bis 800 Soldaten in Aussicht gestellt.



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