Afghanische Islamisten Taliban-Minister beantragte in Deutschland Asyl

Die Behörden haben nach Informationen des SPIEGEL offenbar verhindert, dass sich ein Ex-Top-Kader der Taliban mit falschem Pass nach Deutschland einschleicht. Der Mann war in Frankfurt aufgegriffen worden.

Abdul Mohammad Rauf (im Jahr 2009)
danapress

Abdul Mohammad Rauf (im Jahr 2009)

Von , Christoph Schult und


Vor wenigen Wochen landete nach SPIEGEL-Informationen ein Mann mit einer Lufthansa-Maschine aus der saudischen Hauptstadt Riad in Frankfurt am Main. Er versuchte, mit einem gefälschten Pass die Grenzkontrolle zu passieren. Als der falsche Ausweis aufflog, beantragte er für sich und seine Familie Asyl.

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Bei der Prüfung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) kam heraus, wer der Mann wirklich ist: Abdul Rauf Mohammed diente während der Taliban-Herrschaft in Afghanistan zeitweise als Gesundheitsminister, mehrmals soll er sich zwischen 1996 und 2001 auch mit Osama Bin Laden getroffen haben. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Um die Jahrtausendwende gelangte er über Pakistan nach Norwegen, wo er Asyl beantragte und auch bekam. Mohammed behauptete damals, mit der Taliban-Führung in Streit geraten zu sein und stellte sich als Kritiker der afghanischen Islamisten dar.

Mit den Jahren im norwegischen Exil radikalisierte sich Mohammed jedoch offenbar. Er dementierte zwar, dass er junge Muslime in der Hauptstadt Oslo radikalisiert habe, wurde jedoch 2011 von den dortigen Behörden verwarnt. 2014 stuften die norwegischen Sicherheitsbehörden Mohammed schließlich als Sicherheitsrisiko ein und verwiesen ihn des Landes.

Vor diesem Hintergrund lehnte das Bamf sein Asylbegehren im Schnellverfahren ab. Das Verwaltungsgericht Frankfurt bestätigte den Bescheid am 15. November. Kurze Zeit später wurde Mohammed, der während der Prüfung den Frankfurter Flughafen nicht verlassen durfte, nach Saudi-Arabien zurückgeschickt. Von dort flog er offenbar zurück nach Afghanistan.

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