Verletzter US-Teenager Israel untersucht Prügelvorfall bei Protesten

Bei den gewaltsamen Protesten in Jerusalem ist ein 15-jähriger US-Bürger offenbar heftig geschlagen worden. Israel untersucht nun die Vorwürfe gegen die Grenzpolizisten, die USA zeigten sich beunruhigt.

Die Mutter zeigt ein Bild ihres Sohns: Tarik soll von israelischen Grenzbeamten verprügelt worden sein
Mahmoud illean /Demotix

Die Mutter zeigt ein Bild ihres Sohns: Tarik soll von israelischen Grenzbeamten verprügelt worden sein


Jerusalem - Der 15-jährige Tarik Abu Chair soll in Jerusalem von Grenzpolizisten "heftig geschlagen" worden sein. Bei dem misshandelten Jugendlichen handelt es sich offenbar um einen US-Bürger. Über die Vorwürfe äußerte sich das US-Außenministerium am Samstag in Washington "zutiefst beunruhigt". In einer Erklärung verurteilte das Ministerium "den exzessiven Einsatz von Gewalt" gegen Abu Chair und forderte sofortige und umfassende Aufklärung.

In israelischen Medien war ein Video zu sehen, das zeigt, wie Polizisten auf eine auf dem Boden liegende Person einschlagen und zutreten. Laut den Berichten handelt es sich bei der Person um den Cousin des 16-jährigen Palästinensers, der am Mittwoch tot aufgefunden wurde. In sozialen Netzwerken kursierten am Sonntag Bilder des 15-jährigen Cousins mit geschwollenem Gesicht.

Das US-Außenministerium bestätigte, dass sich der Jugendliche derzeit in israelischer Haft befinde. Ein Vertreter des US-Konsulats habe ihn dort am Samstag besucht. Seine Eltern sagten der Nachrichtenagentur AFP, Tarik sei am Donnerstag verhaftet worden, nachdem ihn Polizisten zusammengeschlagen hätten. Er soll am Sonntag vor Gericht erscheinen.

"Sehr schwerwiegende Tat"

Israel untersucht nun die Vorwürfe gegen die Grenzpolizisten. Justizministerin Zipi Livni habe den Generalstaatsanwalt Jehuda Weinstein entsprechend angewiesen. Das berichteten israelische Medien am Sonntag. Das Justizministerium hatte auch interne Ermittlungen der Polizei gegen die Beteiligten angekündigt. Livni sprach nach Angaben der Zeitung "Maariv" von einer "sehr schwerwiegenden Tat von Männern in Uniform".

Israelische Medien zitierten Polizisten mit dem Vorwurf, das Video von der Tat sei "manipuliert" worden. Insgesamt seien bei dem Vorfall am Donnerstag sechs maskierte Palästinenser festgenommen worden, von denen drei mit Messern bewaffnet gewesen seien. Sie hätten sich der Festnahme widersetzt und die Polizisten angegriffen.

Der 16-jährige Abu Chair war nach der Beerdigung dreier jüdischer Schüler verschleppt worden, die im Westjordanland getötet worden waren. Für den Tod der Schüler macht Israel die radikalislamische Hamas verantwortlich. Diese hat sich bislang nicht dazu geäußert. Seine Leiche war am Mittwochmorgen in einem Wald aufgefunden worden. Laut vorläufigem Autopsiebericht ist der Junge bei lebendigem Leibe verbrannt.

Nach der Trauerfeier war es in Ost-Jerusalem und anderen Orten zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Sicherheitskräften gekommen.

vek/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 5 Beiträge
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voska 06.07.2014
1. was soll man noch dazu sagen
mir tut es leid wenn ich die ganze Nachrichten sehe was auf diese schöne Welt passiert. Es tut mir wirklich leid das die Menschen nicht in der Lage sind die Problematik auf dem griff zu bekommen ich glaube Millionen von Menschen haben es nicht verstanden dass diese leben viel zu kurz ist um gegenseitig sich umzubringen. ich wünsche mir das Eltern nicht mehr weinen müssen und bitte die grossmächte dass sie sich für den Frieden einsetzen. Jedes Mensch hat recht auf Frieden und leben auf dieser Welt.
Veterano48 06.07.2014
2. hallo @voska
ihr Beitrag hat mich sehr bewegt. Sie haben mehr als nur Recht. Leider ist die Wirklichkeit so brutal, dass für Schwärmereien kein Platz mehr ist. Machtbesessene Kriegstreiber und die Waffenindustrie werden einen Weltfrieden nicht zulassen.
meinkaterkasimir 06.07.2014
3. Ja sicher doch
Zitat von sysopMahmoud illean /DemotixBei den gewaltsamen Protesten in Jerusalem ist ein 15-jähriger US-Bürger offenbar "heftig geschlagen" worden. Israel untersucht nun die Vorwürfe gegen die Grenzpolizisten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-untersucht-pruegel-vorfall-bei-protesten-a-979484.html
Und das Video auf dem zu sehen ist wie in Beitunja 2 Jugendliche erschossen wurden (einer in den Rücken) war angeblich ja auch "manipuliert". Von der "umgehenden Untersuchung" hat man bis heute nichts mehr gehört.
Dojii 07.07.2014
4.
Und da Palästinenser in Israel keine vollen bis gar keine Bürgerrechte haben, werden Taten gegen sie auch nicht unter vollem (Kosten-)Einsatz des israelischen Rechtssystems untersucht.
KarlKäfer 07.07.2014
5.
Zitat von sysopMahmoud illean /DemotixBei den gewaltsamen Protesten in Jerusalem ist ein 15-jähriger US-Bürger offenbar "heftig geschlagen" worden. Israel untersucht nun die Vorwürfe gegen die Grenzpolizisten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-untersucht-pruegel-vorfall-bei-protesten-a-979484.html
Was mich aber interessieren würde ist was der Teenager aus den USA dort vor Ort in diesem konfliktbeladenen Terrain gemacht hat? Es war auch in anderen Quellen was von einer Steinschleuder zu lesen, die er bei sich getragen haben soll. Wie gefährlich das dort werden kann muss doch jedem klar sein und was den drei jüdischen Teenagern erst vor wenigen Tagen passiert ist wird er ja wohl auch mitbekommen haben. Ich würde als Eltern mit meinen minderjährigen Kindern jedenfalls nicht auf die Idee kommen in so ein Krisengebiet zu reisen wenn ich es geschafft habe in einem sicheren Drittland unterzukommen wie den USA im vorliegenden Fall.
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