"Tatort" über Syrien-Flüchtlinge Ist der Bürgerkrieg in Deutschland angekommen?

Im "Tatort" mit Wotan Wilke Möhring überschattet der Bürgerkrieg das Leben syrischer Familien in Oldenburg. Wirken Folter, Terror und Mord in Nahost tatsächlich bis Deutschland? Der Faktencheck.

"Tatort"-Bösewicht Harun (l.), Bruder Nagib: Werden in Deutschland Rechnungen aus Syrien beglichen?
ARD

"Tatort"-Bösewicht Harun (l.), Bruder Nagib: Werden in Deutschland Rechnungen aus Syrien beglichen?

Von


Wie leben syrische Flüchtlinge in Deutschland?

Insgesamt leben derzeit knapp 84.000 Syrer in Deutschland. Die meisten von ihnen sind nach dem Beginn des Aufstands gegen das Assad-Regime im März 2011 in die Bundesrepublik geflüchtet. Seither sind nach Angaben der Bundesregierung etwa 58.000 Syrer ins Land gekommen. Je brutaler der Krieg in Syrien geführt wird, desto mehr Menschen flüchten. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres kamen 26.000 Syrer.

So wie Familie Massoud im "Tatort" versuchen viele Syrer in Deutschland ihre Familienangehörigen herzuholen. Insgesamt haben sie bislang mehr als 76.000 Aufnahmeanträge für Verwandte aus dem Bürgerkriegsland gestellt. Doch nur die wenigsten Anträge werden bewilligt. Bis dato hat sich Deutschland zur Aufnahme von 25.500 syrischen Flüchtlingen im Rahmen von Sonderprogrammen verpflichtet.

Die Syrer, die dort nicht berücksichtigt werden, müssen versuchen, auf eigene Faust in die Bundesrepublik zu gelangen. Zum Beispiel mit Hilfe von Schleusern oder gefälschten Reisepässen, wie auch im Bundespolizei-"Tatort" mit Wotan Wilke Möhring gezeigt. Angehörige in Deutschland, die für falsche Papiere und Helfer bezahlen, machen sich strafbar, werden als Anstifter der Organisierten Kriminalität von Bundespolizei und Staatsanwaltschaft verfolgt. Ihnen drohen Haftstrafen.

Die Flüchtlinge in Deutschland sind ein Abbild der syrischen Gesellschaft. Sunniten, Alawiten, Drusen, Christen - auf der Flucht sind alle Syrer gleich. Das bedeutet, dass auch Assad-Unterstützer und Stützen des Regimes hierzulande Unterschlupf gefunden haben. Zwar prüfen die Behörden die sogenannten Kontingentsflüchtlinge darauf, ob sie sich möglicherweise im Syrien-Krieg strafbar gemacht haben. Allerdings findet diese Prüfung natürlich nicht bei den Syrern statt, die mit Hilfe von Schleusern nach Deutschland gelangen.

Ist der Syrien-Krieg also in Deutschland angekommen?

Die Zusammenstöße zwischen Kurden und Salafisten in Hamburg und anderen Städten haben gezeigt, dass der Krieg in Syrien auch Auswirkungen auf Deutschland hat. Anders als im "Tatort" ging es jedoch nicht darum, alte Rechnungen aus Syrien zu begleichen. In der Wirklichkeit gingen rivalisierende Gruppen aufeinander los, die wie die Kurden größtenteils schon seit Jahren hier leben. Und auf Seiten der Salafisten waren die wenigsten jemals in Syrien.

Was hat es mit dem Titel "Feigheit des Löwen" auf sich?

Die Filmfigur Raja zitiert im "Tatort" ein angebliches arabisches Sprichwort: "Der Löwe ist ein Feigling in einem fremden Land." Im arabischen Original klingt die Redewendung etwas anders: "Jeder Hahn kräht auf seinem eigenen Misthaufen". Sie meint aber dasselbe. Der Löwe hat im Syrien-Kontext eine ganz eigene Bedeutung. Auf Arabisch heißt der Löwe nämlich wie die syrische Diktatorenfamilie: Assad.

insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
joG 30.11.2014
1. Etwas sehr offensichtlich und vielleicht auch. ....
.....konstruiert aber sehr richtig zeigt der Film wie absolut unmöglich unsere Gesetze und unser Gesetzesverstandnis und unsere Menschenrechte wirken und in sich versagen, wenn sie mit der Realität da draußen in der Welt konfrontiert werden.
kleineEiszeit 30.11.2014
2. die Probleme mag es geben
nur sind diese im Tatort super schlecht dargestellt worden. Wie immer, mag man hinzusetzen. Selbst Wotan konnte das erzählerische Desaster des Films nicht retten.
Jasro 30.11.2014
3. Realistisch?
Kann man wirklich bei jemandem den Bolustod, sprich: Tod durch Verschlucken, künstlich hevorrufen und ihn dadurch ermorden? Wie in dem Fall des heutigen "Tatort", wo der Mörder sein Opfer zwang, jeweils von einem grünen und einem roten Apfel abzubeißen (warum eigentlich nicht zweimal vom selben Apfel?) und ihn dann unters Kinn geschlagen hat? Mir kommt das sehr jedenfalls sehr an den Haaren herbeigezogen vor.
DerNachfrager 30.11.2014
4. Mal zum Vergleich...
Bei Kressin waren die Drehbücher realistischer. Bei Börne und Thiel zumindest komischer.
CancunMM 30.11.2014
5.
und wie kam eigentlich dieses blöde gras in die leiche. die war ja da schon tot. also konte die leiche das gras nicht aspirieren. und erst findet man die apfelstücke und dann stunden später das gras ? und dann die erklärung. nein nicht erstickt, sondern bolustod, oha. und ? völlig langweiliger tatort. und dann natürlich völlig pc. die armen syrer und die kriminellen syrer hier sind natürlich alles nur opfer, die kinder und verfolgte retten wollen. und dem falke sollte man mal einen neuen klingelton geben. der nervt. und warum sietzt er seine kollegin eigentlich ?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.