Proteste in Deutschland, Pakistan, Nigeria Tausende Muslime demonstrieren friedlich gegen Mohammed-Schmähvideo

Die Proteste gehen weiter - aber friedlich: In Pakistan, Nigeria und auch in Dortmund haben Tausende Muslime gegen das verunglimpfende Mohammed-Video und Karikaturen des Propheten demonstriert. Die Bundesregierung spricht sich dagegen aus, das Video in Deutschland zu zeigen.

Protest gegen Mohammed-Schmähungen (hier am Freitag in London): Tausende Muslime gehen auf die Straße
AFP

Protest gegen Mohammed-Schmähungen (hier am Freitag in London): Tausende Muslime gehen auf die Straße


Hamburg/Islamabad - Die Lage in der islamischen Welt bleibt angespannt. Nach den antiwestlichen Massenprotesten gegen die Beleidigung des Propheten Mohammed mit vielen Toten und Verletzten fürchten Sicherheitskräfte einen neuen Ausbruch der Gewalt. In Pakistan herrschte am Samstag erhöhte Alarmbereitschaft, nachdem dort am Freitag mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen waren. In Bangladesch rief eine Allianz von zwölf islamischen Parteien für Sonntag zu einem landesweiten Generalstreik auf.

Die Wut der Massen entzündet sich an einem Schmähvideo aus den USA, das den Propheten Mohammed verunglimpft. Seit eineinhalb Wochen gibt es deswegen in islamischen Ländern Massenproteste. Der explosiven Lage zum Trotz veröffentlichte das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" mehrere Mohammed-Karikaturen.

In Pakistan, wo die Ausschreitungen mit Abstand am blutigsten waren, blieben die Proteste am Samstag bisher ruhig. In der Hauptstadt Islambad marschierten mehr als 5000 Menschen, darunter Hunderte Frauen, auf das Parlament zu. Sie riefen Parolen wie "Wir lieben unseren heiligen Propheten" und "Bestrafung für die, die unseren Propheten erniedrigt haben". In Lahore veranstaltete die islamistische Gruppe Jamaat-ud-Dawa eine Protestkundgebung vor dem US-Konsulat. Auch in Karatschi waren Proteste geplant.

Sudan verurteilt Sturm auf deutsche Botschaft in Khartum

Im Norden Nigerias protestierten am Samstag Tausende Menschen gegen das Video. Begonnen hatte die Demonstration in der Stadt Kano zunächst in einer Moschee. Von dort lief die stetig anwachsende Menge dann zum Palast des Emirs, dem geistlichen Führer der Muslime in der Region. Trotz wütender Parolen blieben die Demonstranten friedlich.

Das Außenministerium des Sudan verurteilte inzwischen erstmals den Sturm auf die deutsche Botschaft in Khartum vor einer Woche. Der Angriff verstoße gegen die Ideale und die Ethik des Islam, heißt es in einem Schreiben an Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP), das der "Welt am Sonntag" vorlag. Der Sudan werde sich an der Beseitigung der Schäden am Botschaftsgebäude finanziell beteiligen.

In Frankreich waren am Samstag jegliche Protestaktionen verboten. In der Bevölkerung stoßen die bitterbösen Mohammed-Karikaturen auf ein geteiltes Echo. Nach einer Umfrage der Tageszeitung "Sud-Ouest" sind 51 Prozent der Franzosen dafür. 47 Prozent der Befragten glauben, die Veröffentlichung könnte in der aktuellen Situation zu neuen Spannungen führen. An der französischen Atlantikküste nahmen Spezialeinheiten der Polizei einen Mann fest, der zur Enthauptung des verantwortlichen "Charlie Hebdo"-Redakteurs aufgerufen hat.

Friedliche Demos in Dortmund und Karlsruhe

In Deutschland versammelten sich am Samstag in Dortmund rund 1500 Menschen aus Protest gegen den islamfeindlichen Mohammed-Film. Zu der Kundgebung hatte eine muslimische Privatperson aufgerufen. Auch in Karlsruhe war eine Demonstration angemeldet. Am Freitag hatten bereits in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen insgesamt rund 1600 Menschen friedlich gegen das Video protestiert.

Die Bundesregierung und die Berliner Landesregierung sprachen sich dagegen aus, das umstrittene Video in Deutschland vorzuführen. Sie sprachen von einem gezielten Versuch zur Störung der öffentlichen Ordnung. "Denjenigen, die das vorhaben, geht es ja nicht um die Kunst- oder die Meinungsfreiheit. Sie wollen die öffentliche Ordnung stören", sagte die Staatsministerin und Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS").

Der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) kritisierte die hinter den Vorführplänen stehende rechtspopulistische Partei Pro Deutschland. Sie ziele mit ihren Aktionen ganz klar darauf ab, "unsere Gesellschaft zu spalten und Bevölkerungsteile gegeneinander aufzustacheln". Das "Machwerk" diene dazu, "Muslime zu verleumden" und in ihrer Würde zu verletzen. Bisher gebe es jedoch außer einer Ankündigung von Pro Deutschland keine konkreten Erkenntnisse über öffentliche Aufführungen des Films "Unschuld der Muslime" in Berlin.

Die Führung von Pro Deutschland rechnet nicht damit, dass ihr die angekündigte Vorführung von den Berliner Behörden verboten wird. "Innensenator Henkel wird sich doch nicht lächerlich machen, indem er sagt, er könne in Berlin die öffentliche Sicherheit nicht garantieren", sagte der Vorsitzende von Pro Deutschland Manfred Rouhs der "FAS". Er kündigte an, den Film im November in einer Lagerhalle in Berlin zu zeigen.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) forderte, eine öffentliche Vorführung des islamfeindlichen Videos in Deutschland zu verbieten, um nicht Aggressionen zu schüren.

ler/dpa/AFP

insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
Meteor03 22.09.2012
1. Ich frage mich...
... wo die Stimmen der friedlichen Muslime war, als islamistische Bomben an Touristenorten detonierten. So unsinnig das Video auch ist: es hat weder Menschen getötet, noch repräsentiert es die Meinung der westlichen Welt.
hairforce 22.09.2012
2. Einfach wunderbar
Zitat von sysopAFPDie Proteste gehen weiter - aber friedlich: In Pakistan, Nigeria und auch in Dortmund haben Tausende Muslime gegen das verunglimpfende Mohammed-Video und Karikaturen des Propheten demonstriert. Die Bundesregierung spricht sich dagegen aus, das Video in Deutschland zu zeigen. Tausende Muslime demonstrieren friedlich gegen Mohammed-Film - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,857363,00.html)
Deutschland ist vom "Glück" verfolgt. Die Prosteste gehen weiter, aber friedlich.
frunabulax 22.09.2012
3. London?
Das Foto ist aus London? Zeit für ein Burka-Verbot. Wir weren unsere falsche Tolranz noch bitter bereuen.
gbk666 22.09.2012
4.
Wurde einer dieser tausende Muslime gezwungen den Film zu sehen? Was soll eine Demo gegen einen Film bringen? Wieviele Polizisten mussten aber wegen der Demos eingesetzt werden, wieviele Hundertausend Euro oder vielleicht sogar Millionen kosten diese Demonstration den Staat, den Steuerzahler?
Ingmar E. 22.09.2012
5.
Das beste Signal wäre jetzt, wenn auch nicht-muslimische Deutsche an diesen Demonstrationen beteiligen, um ihre Verbundenheit zu den muslimischen Deutschen zu zeigen. Wenn jemand Menschen gegeneinander aufwiegeln will, nur wegen unterschiedlichen Glaubens, ist jeder gefordert dem entgegen zu treten. Wir sind doch nicht im Mittelalter, wo der Deutsche seinen Bruder angreift, weil der eine andere Religion hat.
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