Schulterschluss bei US-Vorwahlen Stimmung? Miserabel

In den Vorwahlkämpfen streiten Republikaner und Demokraten mehr untereinander als gegeneinander. Trump und Clinton behalten die Oberhand - vorerst.

Republikaner Trump, Cruz
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Republikaner Trump, Cruz

Von und , Washington und New York


Ausgerechnet vor dem Superwahltag an diesem Dienstag holte Donald Trump zu grundsätzlicher Sytemkritik aus: "Total manipuliert" sei das ganze Vorwahlsystem. Kurz vor dem Urnengang nämlich haben sich Ted Cruz und John Kasich verbrüdert. Bei den Vorwahlen in Oregon und New Mexico soll der laut Umfragen schwächere dem das Feld überlassen, dessen Chancen besser sind.

Zwei Männer, ein Gegner

Doch Trumps Aufregung wirkt künstlich - denn möglicherweise könnte er von dem Deal zwischen Cruz und Kasich sogar profitieren. Diese Verabredung dürfte das Gefühl vieler seiner Anhänger noch verstärken, die Politik in Washington würde nach ganz eigenen undurchsichtigen Regeln spielen, abgehoben von den wahren Sorgen der einfachen Amerikaner. Trump dagegen hatte sich seinen ganzen Wahlkampf über in die Posen des Rebellen gegen das Establishment geworfen.

Der Pakt zeigt aber auch, dass Trumps Gegner noch lange nicht zur Kapitulation bereit sind. Selbst wenn dem Immobilienmogul ein Durchmarsch in den fünf Staaten am Dienstag gelänge, droht der Schulterschluss seiner Konkurrenten ihm den Weg hin zu den für die Kandidatur erforderlichen 1237 Delegierten zu versperren.

Die Stimmung unter den Republikanern ist schon jetzt miserabel. Je länger die Frage der Kandidatur ungeklärt bleibt, desto schlechter dürfte sie werden. Das Ziel, das Weiße Haus zurückzuerobern, droht aus dem Blick zu geraten. Statt sich langsam mal auf den Hauptwahlkampf zu konzentrieren und den Kurs gegen Hillary Clinton zu planen, ist die Partei mit einem internen Krieg beschäftigt.

Bernie Sanders' Endspiel

Auch bei den Demokraten war die Stimmung schon mal besser, vergleichbar mit der Atmosphäre bei den Republikanern ist sie jedoch nicht. Für Bernie Sanders ist dieser Dienstag bereits eine Art Endspiel. Nach seiner schweren Niederlage in New York in der vergangenen Woche drohen ihm am Abend weitere Schlappen. Holt er keinen Überraschungssieg, dürfte von Mittwoch an der Druck auf Sanders enorm wachsen, zu prüfen, ob er wirklich noch im Wahlkampf bleiben oder nicht vielleicht doch besser ausscheiden will.

Hinter verschlossenen Türen verfolgt der an der Basis der Demokraten so beliebte Senator aber längst ein anderes Kalkül: Als gescheiterter Herausforderer von Clinton könnte er sein Profil und seine enorme Popularität vor allem bei jungen Millenniumswählern nutzen, um die künftige Richtung der Demokraten zu prägen.

Der Weg dazu führt über den Parteitag im Juli. Auf dem Treffen in Philadelphia wird auch das Wahlprogramm verabschiedet, das die Agenda des nächsten US-Präsidenten bestimmen könnte. Sanders will dabei seine progressiven Anliegen - Zerschlagung der Banken, Mindestlohn, Wahlkampfreform - retten.

Auch wäre seine Kartei, die zwei Millionen Spender umfasst, von großem Wert. Wie man solch einen Wählerstamm politisch gewinnbringend einsetzt, hat Hillary Clinton selbst vorgemacht: Nach ihrer eigenen Vorwahl-Niederlage in 2008 inszenierte sie den Schulterschluss mit Barack Obama mit einer dramatischen Parteitagsgeste: Persönlich überzeichnete sie ihm die Stimmen ihres Staates New Yorks und verhalf dem Kandidaten so zur Mehrheit für die Nominierung.

Ergebnisse der US-Vorwahlen
insgesamt 27 Beiträge
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maxi.koch99 26.04.2016
1. Seltsamer Ton
"Kalkül" "Wählerkartell" Wer sich mit Bernie Sanders beschäftigt weiß dass er keine normaler Politker ist. Er macht das ganze mit Herz. Der Artikel hat einen ziemlich bösen Unterton gegen ihn. Man hätte einfach sagen können vielleicht plant er seine Ideen zu retten oder er kann seine Wählerbasis nutzen anstatt die verwendetem Begriffe zu nehmen. Wenn Sanders verliert verliert Amerika und damit die Welt
Mira Quli 26.04.2016
2. den Satz muss man fortführen:
Zitat "Persönlich überzeichnete sie ihm die Stimmen ihres Staates New Yorks, und verhalf dem Kandidaten so zur Mehrheit für die Nominierung" ... und wurde anschließend Außenministerin in Obamas 1. Amtszeit. Wenn also Sanders, um diesen Gedanken aufzugreifen, wirklich ein Ministerium unter H. Clinton anstrebt, dann vielleicht das für Innen?
mr-mucki 26.04.2016
3. Das Ziel weisses Haus
"Das Ziel, das Weiße Haus zurückzuerobern, droht aus dem Blick zu geraten" Das ist aber sehr diplomatisch ausgedrueckt. Der Weg ins Weisse Haus eine Sackgasse fuer die Republikaner dieses Jahr. Egal was die Partei auch noch versuchen koennte, es wird ein PR Desaster nach sich ziehen. Es gibt im Prinzip nur eine Chance: Ein Neutraler Kanidat (Bloomberg) wird unterstuetzt und H.Clinton muss noch 2 Leichen aus dem Keller holen.
johannesraabe 26.04.2016
4.
Guckt euch Obama 2009 und 2017 an. Der Mann ist um Jahrzehnte gealtert. Wie will Sanders das durchstehen? Und das Trump Gewinn aus der Bruderschaft zwischen Kasich und Cruz zieht, war schon klar als die beiden Fach..., es verkündet haben.
alt_f4 26.04.2016
5. soviele interessante Theorien
id USA kann man etwas präziser nachlesen wie es aussieht ZITAT "17 Apr 2016 - After the convention last night Ted Cruz released this statement on his voter-less victory. “This is how elections are won in America." (siehe thegatewaypundit)
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