Teherans Zauberwaffe: US-Regierung kontert Irans Raketenprovokation

Die Drohung ging ins Leere. Die US-Regierung weist Warnungen Irans vor einem angeblich neuen Raketensystem, mit dem Kriegsschiffe im Golf versenkt werden könnten, kühl zurück - offenkundig zu Recht. Die Waffe ist für derartige Angriffe ungeeignet.

Teheran - "Wir sehen das nicht als einen direkten Angriff auf unsere Schiffe", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, heute in Washington. Gordon Johndroe, Sprecher des nationalen Sicherheitsrates fügte unaufgeregt hinzu: "Von Zeit zu Zeit halten sie verschiedene Übungen im Persischen Golf ab. Wir beobachten das." Damit ließ die US-Regierung die Provokation aus Teheran zunächst mal ins Leere laufen. Die USA sind derzeit dabei, einen zweiten Flugzeugträger in das Meer vor der iranischen Küste zu verlegen.

Die "USS Ronald Reagan" auf ihrem Weg in den Persischen Golf: Keine Gefahr durch Tor-M1
REUTERS

Die "USS Ronald Reagan" auf ihrem Weg in den Persischen Golf: Keine Gefahr durch Tor-M1

Der oberste iranische Führer Ajatollah Ali Khamenei erklärte in einer Rede vor Luftwaffenchefs, Teheran lasse sich von Drohungen mit meinem Angriff nicht einschüchtern. Er drohte mit Gegenschlägen weltweit. Zudem hatten die paramilitärischen Revolutionsgarden heute gewarnt, dass alle ausländischen Kriegsschiffe im Persischen Golf in Reichweite iranischer Raketen seien. General Hossein Salami erklärte, die neuen Raketen vom Tor-M1 seien erfolgreich getestet worden. Damit könnten nun alle Kriegsschiffe im Golf unter Beschuss genommen werden. Im staatlichen Fernsehen waren Aufnahmen des Tests zu sehen.

Experten bezweifeln allerdings, dass die Raketen tatsächlich Schiffe im Golf erreichen könnten. Denn das Tor M1-System verschießt nach Angaben der Federation of American Scientists (FAS) lediglich Boden-Luft-Raketen mit einer Reichweite von zwölf Kilometern und einem 15 Kilogramm leichten Sprengkopf - genug, um ein Flugzeug vom Himmel zu holen, aber keine Gefahr für ein Kriegsschiff.

Die paramilitärischen Revolutionsgarden hatten gestern mit einem neuen Militärmanöver im Golf begonnen. Damit soll Irans Verteidigungsbereitschaft angesichts einer wachsenden Präsenz der US-Marine im Golf gezeigt werden. Das Tor-M1-System basiere auf dem Prinzip der Abschreckung, sagte Salami.

Das Tor-M1-System stammt aus Russland. Teheran und Moskau hatten 2005 einen Vertrag über den Ankauf von 29 dieser Abwehrsysteme mit geschätztem Wert von 700 Millionen Dollar (rund 540 Millionen Euro) abgeschlossen. Im Januar lieferte Russland die Raketen, obwohl die USA heftige Kritik an dem Waffengeschäft geübt hatten. Der Sicherheitsrat der Uno hatte im Dezember Wirtschaftssanktionen gegen Iran verhängt, um das Land zur Aussetzung seines umstrittenen Atomprogramms zu bringen.

Spione enttarnt

Der Westen verdächtigt die Islamische Republik, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Iran hat die Vorwürfe zurückgewiesen und Forderungen nach einem Ende der Anreicherung von Uran abgelehnt.

Die iranische Regierung hat eigenen Angaben zufolge ein amerikanisch-israelisches Spionagenetzwerk aufgespürt. Der für die Geheimdienste zuständige Minister Gholam Hossein Mohseni Edschehi gab heute zugleich die Festnahme einer Gruppe von Iranern bekannt, die ins Ausland habe reisen wollen, um sich dort als Spione ausbilden zu lassen. Ob auch Mitglieder des angeblichen Spionagenetzwerks inhaftiert wurden, sagte der Minister nicht. Er deutete jedoch an, dass die Gruppe überwacht werde. Es handele sich um Agenten der CIA und des israelischen Geheimdienstes Mossad, sagte der Minister. Das Netzwerk sei an der iranischen Grenze aktiv gewesen.

Solana zu Gesprächen bereit

Der iranische Chefunterhändler Ali Laridschani kündigte an, er werde am Wochenende am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz mit westlichen Mächten verhandeln. Mit wem er über welche Themen sprechen wollte, habe Laridschani offengelassen, hieß es in einer Mitteilung der amtlichen Nachrichtenagentur Irna. EU-Chefdiplomat Javier Solana zeigte sich heute zu einem Treffen mit dem iranischen Unterhändler im Atomkonflikt bereit. Falls er und Laridschani einander in München begegneten, sei eine kurze Beratung möglich, sagte Solana in Brüssel. "Im Moment habe ich aber noch nichts verabredet", fügte er hinzu.

Laridschani hatte kürzlich Treffen mit US-Vertretern ausgeschlossen. Die Amerikaner wiederum wollen erst nach einem Stopp der Uran-Anreicherung mit Vertretern der iranischen Regierung reden.

Zur Münchner Sicherheitskonferenz von morgen bis Sonntag werden unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, der russische Präsident Wladimir Putin und der neue US-Verteidigungsminister Robert Gates erwartet.

ler/dpa/Reuters

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