Teilnahme an Afghanistan-Konferenz Karzai will Pakistan umstimmen

Aus Protest gegen einen Nato-Angriff hat Pakistan spontan die Teilnahme an der Afghanistan-Konferenz abgesagt. Die Organisatoren wollen die Regierung nun in letzter Minute umstimmen. Afghanistans Präsident Karzai telefonierte nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen umgehend mit Islamabad.

Demonstration in Pakistan: Heftige Proteste gegen die Nato
AP

Demonstration in Pakistan: Heftige Proteste gegen die Nato


Kabul - Nach dem von Pakistan angekündigte Boykott der internationalen Afghanistan-Konferenz in Deutschland bemühen sich die Organisatoren des Treffens, Islamabad doch noch an den Konferenztisch in Bonn zu bekommen. Das Auswärtige Amt bedauerte Pakistans Absage zwar, blieb aber zurückhaltend. Käme Pakistan nicht zu der Konferenz, so ein Sprecher, wäre dies "unzweifelhaft ein Rückschlag für die Bemühungen um regionalen Ausgleich". Bisher habe man jedoch direkt aus Pakistan keine Absage für die Konferenz erhalten, bei der das Land als wichtiger Nachbar Afghanistans eingeladen war.

Als Gastgeber der Internationalen Afghanistan-Konferenz werde Deutschland weiter alles versuchen, um Pakistan in die Bemühungen um eine regionale Stabilisierung einzubinden, ergänzte das Außenamt. Bundeskanzlerin Merkel sagte, sie sei von der aus Protest gegen einen Nato-Angriff auf einen pakistanischen Grenzposten gefallenen Entscheidung "betrübt". Gleichzeitig regte sie an, dass Islamabad seine Entscheidung gegen die Teilnahme an der Konferenz noch einmal prüfen solle. "Wir müssen schauen, ob wir noch etwas machen können", erklärte die Kanzlerin.

Auch Afghanistans Präsident Hamid Karzai forderte Pakistan auf, die am Dienstag vom Kabinett getroffene negative Entscheidung über die Teilnahme an der Konferenz zu überdenken. Zu Beginn eines SPIEGEL-Gesprächs in der Hauptstadt Kabul sagte Karzai, er habe am Dienstagnachmittag deswegen bereits direkt mit dem pakistanischen Premierminister gesprochen. "Ich habe mit Yusuf Raza Gilani telefoniert und ihm gesagt, dass die Vorfälle an der Grenze keine Grund für Pakistan sein sollten, nicht an der Konferenz teilzunehmen", so Karzai.

Bei dem Luftangriff der Nato auf einen Grenzposten der Pakistaner am vergangenen Samstag waren mehr als 20 Menschen getötet worden. Bisher ist nicht genau geklärt, wie es zu dem fatalen Angriff kam, die Nato hat aber eine umfassende Untersuchung angekündigt und sich bereits jetzt für den Tod der Grenzer entschuldigt. Nach ersten Recherchen der Nato war vor dem Luftangriff eine afghanisch-amerikanische Einheit in der Grenzregion beschossen worden und hatte deswegen Luftunterstützung angefordert. In Pakistan gab es wütende Proteste. Als Reaktion stoppte Islamabad wichtige Nachschublieferungen an die Nato-geführten Isaf-Truppen in Afghanistan.

Karzai fungiert bei der in Deutschland stattfindenden Konferenz am kommenden Montag ebenfalls als Gastgeber. "Ich hoffe, sie überdenken ihre Entscheidung und kommen am Ende doch zu der Konferenz", sagte der Präsident nach seinem Gespräch mit dem pakistanischen Premier. Er habe das Gefühl, die Sache sei noch nicht endgültig entschieden. Pakistans Rolle bei der Konferenz, die sich ausdrücklich auch mit den Nachbarn des Krisenlands Afghanistan beschäftigen wird, sei "wichtig". "Wir wären glücklicher, wenn sie am Ende doch kommen würden", so Karzai.

Pakistan spielt eine wichtige Rolle beim Ringen um Frieden am Hindukusch

Am kommenden Montag werden in Bonn mehr als 100 Staaten und Organisationen beraten, wie das Krisenland Afghanistan nach dem Abzug der internationalen Truppen Ende 2014 weiter unterstützt werden kann. Besonders für den sogenannten Versöhnungsprozess mit den Taliban, deren Führung in Pakistan sitzt, wird die Rolle des Landes von internationalen Diplomaten als entscheidend für ein Gelingen der Konferenz angesehen.

Bei allen Punkten, die in Bonn besprochen werden sollen, spielt der mächtige Nachbar Afghanistans eine entscheidende Rolle. Zehn Jahre nach dem Sturz der Taliban soll es um die Zukunft des geschundenen Landes am Hindukusch nach dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes 2014 gehen. Zentrale Punkte sind die politische Lösung des Konflikts mit den Taliban, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und die Stabilisierung der gesamten Region.

Ohne die Unterstützung der Atommacht Pakistan ist es so gut wie ausgeschlossen, Sicherheit und Stabilität am Hindukusch zu erreichen, die angestrebte politische Aussöhnung mit den Taliban scheint ohne das Land völlig unmöglich. Ob Pakistan allerdings überhaupt willens ist, sich für den vom Westen angestrebten Frieden in Afghanistan einzusetzen - oder ob das Land ein doppeltes Spiel spielt - ist seit Jahren unklar.

Während die USA den Pakistanern immer wieder vorwerfen, sich nicht entschlossen genug gegen Terroristen zu engagieren, beklagt Islamabad regelmäßig übermäßige Eingriffe und nicht abgesprochene Militäraktionen der Amerikaner auf pakistanischem Boden. Das Verhältnis zwischen den beiden Staaten ist vor allem seit dem Tod des Terrorchefs Bin Laden im Mai angespannt. Damals hatten die Amerikaner den Verdacht geäußert, Bin Laden sei möglicherweise vom pakistanischen Geheimdienst geschützt worden. Die Pakistaner ihrerseits beschwerten sich, die Mission der US-Spezialkräfte in ihrem Land sei nicht abgesprochen gewesen.


Lesen Sie das vollständige Interview mit Hamid Karzai am kommenden Montag in der neuen Ausgabe des SPIEGEL.

mgb/chr/mit Material von dpa

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Seite 1
hugahuga 29.11.2011
1. Was immer
Herr Karzai - der Bürgermeister von Kabulistan - versuchen wird, ich glaube nicht, dass er die Pakistani überreden kann an den Verhandlungen teilzunehmen. Vielmehr wird die pakistanische Regierung es sich dieses Mal nicht leisten können, einfach hinzunehmen, dass a. eine fremde Macht (USA) auf pakistanischem Staatsgebiet unabgesprochen Kampfeinsätze gegen sog. Terroristen durchführt. b. Stütztpunkte auf pakistanischem Staatsgebiet unterhält, die dem Nachschub fremder Mächte (Nato) gegen Teile der Nachbar-Bevölkerung dienen. Da es mit der sozio-ökonomischen Lage der USA auch nicht zum Besten bestellt ist, ist eine engere Anbindung an China durchaus denkbar. Die finanzielle Unterstützung der USA kann durch China leicht aufgefangen werden. So langsam scheint man in Asien zu realisieren, dass - trotz allen Werbens - die Anwesenheit amerikanischer Truppen, keinerlei Vorteile hat.
Chlodwich 29.11.2011
2. Es hat sich noch nie
Zitat von hugahugaHerr Karzai - der Bürgermeister von Kabulistan - versuchen wird, ich glaube nicht, dass er die Pakistani überreden kann an den Verhandlungen teilzunehmen. Vielmehr wird die pakistanische Regierung es sich dieses Mal nicht leisten können, einfach hinzunehmen, dass a. eine fremde Macht (USA) auf pakistanischem Staatsgebiet unabgesprochen Kampfeinsätze gegen sog. Terroristen durchführt. b. Stütztpunkte auf pakistanischem Staatsgebiet unterhält, die dem Nachschub fremder Mächte (Nato) gegen Teile der Nachbar-Bevölkerung dienen. Da es mit der sozio-ökonomischen Lage der USA auch nicht zum Besten bestellt ist, ist eine engere Anbindung an China durchaus denkbar. Die finanzielle Unterstützung der USA kann durch China leicht aufgefangen werden. So langsam scheint man in Asien zu realisieren, dass - trotz allen Werbens - die Anwesenheit amerikanischer Truppen, keinerlei Vorteile hat.
für ein Land jemals ausgezahlt, fremde Truppen als Besatzer im Lande zu haben. Es ist so als ob man einen Einbrecher zu Hause beherbegt, der von dort aus seine Raubzüge begeht. Sowas bleibt nie ohne Folgen.
materialist 29.11.2011
3. hirnlose Bombenwerferei
Zitat von sysopAus Protest gegen einen Nato-Angriff hat Pakistan spontan die Teilnahme an der Afghanistan-Konferenz abgesagt. Die Organisatoren wollen die Regierung nun in letzter Minute umstimmen. Afghanistans Präsident Karzai telefonierte nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen umgehend mit Islamabad. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,800713,00.html
Dafür dass Pakistan von dem hirnlosen Bombenwerfen ohne Rücksicht auf irgend etwas die Schauze voll hat finde ich völlig verständlich sie haben oft genaug gewarnt dass das Mass langsam voll ist.Neben der Absage der Teilnahme an der Konferenz haben sie auch gleich noch die Nachschubwege der NATO dichtgemacht alle Achtung.
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