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Telefonstreich: Palin plaudert mit falschem Sarkozy über Präsidentschaftspläne

"This ist Sarah, hellllo!" - "This is Nicolas Sarkozy speaking." Telefonstreich bei US-Vize-Kandidatin Sarah Palin: Ein Radiomoderator gab sich als französischer Präsident aus, sprach übers Jagen, einen Porno - und entlockte ihr drei Tage vor der Wahl ein Statement zu ihren Ambitionen.

Die coolste Reaktion auf den Telefonstreich kam von Barack Obamas Team. "Ich bin froh, dass wir unsere Anrufe prüfen, bevor wir den Hörer an Barack Obama weiterreichen, sagte ein Sprecher des Wahlkampfteams - in Sarah Palins Lager wird man die Regularien künftig wohl auch etwas verschärfen.

Drei Tage vor der US-Wahl hat sich die Vize-Kandidatin der Republikaner von Witzbolden am Telefon hinters Licht führen lassen. Ein franko-kanadischer Komiker gab sich als Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy aus und brachte Palin unter anderem dazu, eine Einladung zur Seehundjagd anzunehmen - und eigene Ambitionen auf das Präsidentenamt zuzugeben.

In dem Gespräch vom Samstag, das die "Justiciers masqués" (etwa: "maskierte Rächer") aus Québec geführt haben und das inzwischen im Internet kursiert, reagiert Palin enthusiastisch auf den Anruf des vorgeblichen Sarkozy. "Es ist so toll, Sie zu hören! Danke, dass Sie uns anrufen! Wir haben Hochachtung vor Ihnen - John McCain und ich, wir lieben Sie", sagt Palin.

Das Comedy-Duo ist in Kanada bekannt dafür, Promis und Politiker zu verschaukeln. Auch Sarkozy selbst fiel schon auf sie herein.

Witzbold Marc-Antoine Audette bringt die Gouverneurin aus Alaska dazu, eigene Ambitionen auf das Präsidentenamt auszuposaunen. Als Audette ihr sagt, er könne sich Palin ebenfalls gut im Präsidentenamt vorstellen, lacht sie und sagt: "Nun ja, vielleicht in acht Jahren."

In übertriebenem französischen Akzent fragt Komiker Audette die Vize-Kandidatin, ob sie ihn mit auf eine Jagd per Hubschrauber nehmen würde. Er schlägt auf Französisch vor, sie könnten außerdem auch gemeinsam Seehundbabys jagen. "Ich liebe es, diese Tiere zu töten", ruft Audette. Palin lacht.

Die offensichtlich ahnungslose Sarah Palin beteuert, sie würde mit großem Vergnügen gemeinsam mit Sarkozy jagen gehen. "Wir könnten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Wir hätten viel Spaß während wir auf diese Weise unsere Arbeit erledigen." Palin sichert ihrem Gesprächspartner auf Nachfrage zu, Vizepräsidenten Dick Cheney zur Jagd nicht einzuladen. Cheney hatte auf einem früheren Jagdausflug versehentlich einen Jäger angeschossen. "I'll be a careful shot", verspricht Palin.

"Bruni ist heiß"

Am Ende, als der Streich aufgelöst wird, klingt Palin gar nicht amüsiert - Sprecherin Tracey Schmitt sagte allerdings später: "Die Gouverneurin hat sich darüber amüsiert, dass sie nun zu den großen politischen Persönlichkeiten wie etwa Nicolas Sarkozy gezählt wird, die diesen Spaßvögeln als Zielscheibe dienen. C'est la vie."

Hätte Palin die Posse bemerken können? Immerhin liefert ihr Anrufer Audette einige Hinweise. Er nennt den französischen Sänger Johnny Hallyday seinen Berater für US-Angelegenheiten und verulkt den kanadischen Premierminister Stephen Harper, indem er ihm den Namen des kanadischen Sängers Steph Carse gibt.

Doch nichtsahnend geht Palin auf die immer abstruseren Ausführungen ihres Gesprächspartners ein - und schwärmt von Sarkozys Ehefrau Carla Bruni. "Ich freue mich auf die gemeinsame Zusammenarbeit und sie und ihre schöne Frau zu treffen", sagte Palin, "Meine Güte, Sie haben Ihrem Land mit Ihrer wunderbaren Familie so viel Energie gegeben." Audette erklärt schließlich, Carla Bruni sei ziemlich "heiß im Bett". Er behauptet, Bruni habe ein Lied für Palin über "Joe, den Klempner" geschrieben; er erkundigt sich, ob es sich bei dem Klempner um Palins Ehemann handele. Der Titel laute "Du rouge à lèvres sur une cochonne". Diese Zeile bedeutet allerdings "Lippenstift auf einer Sau" - eine Anspielung auf einen umstrittenen Satz Obamas im Wahlkampf über Palins Kandidatinnenkür.

"Oh, wir wurden verulkt?"

Kurz vor dem Ende setzt Audette seinen Unverschämtheiten die Krone auf: Er habe diese wunderbare "Dokumentation" über Palin gesehen und erwähnt einen vom "Hustler Magazin" produzierten Pornofilm mit dem Titel "Nailin' Paylin", in der eine Doppelgängerin Palins zu sehen war. "Oh gut, vielen Dank", antwortet Palin unsicher.

Dann erlöst Witzbold Audette sein Opfer und gibt sich zu erkennen. "Oh, wurden wir verulkt?" ruft Palin noch in den Hörer, bevor sie das Telefon ihren Assistenten weiterreicht und im Hintergrund grummelt.

Audette von den "Justiciers masqués" sagte, dies sei der bisher "explosivste Coup" des Teams gewesen. Zuvor hatten die Komiker den Sarkozy-Imitator bereits auf Frankreichs Ex-Präsidenten Jacques Chirac oder Stars wie Mick Jagger oder Britney Spears losgelassen. Bei Palin allerdings sei es gar nicht so leicht gewesen, an Wahlkampfhelfern vorbei telefonisch zu der Gouverneurin durchzudringen.

cpa/AP/Reuters

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