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Tennessee: US-Behörden verhaften Skinheads nach Todesdrohungen gegen Obama

Sie wollten einen Waffenladen überfallen, ein Massaker an einer Schule mit vielen Schwarzen anrichten - und als letzten Akt Barack Obama töten: Die US-Justiz hat zwei Skinheads festgenommen. Die Attentatspläne des 18- und des 20-Jährigen waren allerdings noch nicht weit gediehen.

Washington - Bei den beiden Skinheads handelt es sich um Daniel Cowart, 20, aus Bells im US-Bundesstaat Tennessee und Paul Schlesselman, 18, aus West Helena im Staat Arkansas. Den US-Behörden zufolge haben sie sich vor etwa einem Monat über einen Freund im Internet kennengelernt und begonnen, über eine "Mordorgie" nachzudenken. Die beiden wollten demnach ein Waffengeschäft überfallen und ein Blutbad an einer vor allem von Schwarzen besuchten Highschool anrichten. Als letztes Ziel träumten sie offenbar davon, den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama zu ermorden.

"Die Vorwürfe, die in dieser kriminellen Anklageschrift gemacht werden, sind ernst zu nehmen und werden als solche behandelt", sagte Lawrence J. Laurenzi, Leitender Staatsanwalt für West-Tennessee. Ein Sprecher von Obama wollte zunächst nicht Stellung nehmen.

Obama ist der erste schwarze Präsidentschaftskandidat einer der beiden großen Parteien in der US-Geschichte. In den Umfragen liegt er acht Tage vor der Wahl deutlich vor seinem republikanischen Herausforderer John McCain. Bereits beim Nominierungsparteitag der US-Demokraten in Denver hatte die Polizei im August vier Verdächtige festgenommen, die zwei Präzisionsgewehre bei sich hatten. Den Männern wurden Verbindungen zu Rassisten vorgeworfen.

102 schwarze Schüler sollten sterben

Jim Cavanaugh, ein Sonderermittler der für Waffen, Sprengstoff und Alkohol zuständigen Bundespolizeibehörde, sagte, die Attentäter hätten in Tennessee zunächst 88 schwarze Schüler töten wollen; 14 von ihnen sollten geköpft werden. Beide Zahlen haben für Neonazis eine große symbolische Bedeutung: Die 88 steht für "Heil Hitler", nach der Position des Buchstaben H im Alphabet, die 14 erinnert an die berüchtigten "14 Words" des US-Neonazis David Lane (mehr auf SPIEGEL WISSEN...). Cowart und Schlesselman rühmen sich der Anklageschrift zufolge starker Überzeugungen bezüglich der US-Neonazi-Ideologie "White Power" und "Skinhead"-Ideen.

Das letzte Ziel der beiden nach dem Blutbad wäre dann den Ermittlern zufolge Präsidentschaftskandidat Obama gewesen. "Sie erklärten, das sei ihr letzter, finaler Akt - dass sie versuchen würden, Senator Obama zu töten," sagte Cavanaugh. "Sie glaubten nicht, dass sie das schaffen würden, sondern dass sie bei dem Versuch selbst getötet würden." Laut Gerichtsakten planten die zwei Neonazis "ihr Fahrzeug so schnell, wie sie können, in Richtung Obama zu fahren und aus den Fenstern heraus auf ihn zu schießen".

Am 20. Oktober fuhr Cowart den Behörden zufolge von Tennessee in den US-Bundesstaat Arkansas, um dort Schlesselman abzuholen und den Plan umzusetzen. Dabei kamen sie überein, die hauptsächlich von Schwarzen besuchte Highschool zu überfallen und ihren Tötungs-Feldzug so lange fortzusetzen, bis sie auch Obama erledigt hätten.

Festgenommen wurden sie am 22. Oktober in Alamo, nachdem sie mit einer Schrotflinte auf das Fenster einer Kirche geschossen hatten. Zuvor hatten sie in einem Laden ein Nylonseil und Skimasken gekauft. Am 21. Oktober hatten sie laut Gerichtsakten versucht, ein Haus zu überfallen.

Bei den Neonazis wurden laut den Ermittlern ein Gewehr, eine abgesägte Schrotflinte und drei Pistolen entdeckt. Die beiden Männer werden wegen des Besitzes unregistrierter Waffen, Verschwörung zum Diebstahl von Feuerwaffen und der Bedrohung eines Präsidentschaftskandidaten angeklagt.

Am Montag erschienen die Verdächtigen vor Gericht

An diesem Montag wurden Cowart und Schlesselman dem Bundesgericht in Memphis erstmals vorgeführt, für den 30. Oktober ist eine weitere Anhörung geplant.

Auch der Secret Service, der sich um die Sicherheit des Präsidenten kümmert, ist in den Fall eingeschaltet. Man nehme "alle Bedrohungen gegen Präsidentschaftskandidaten ernst und ermittelt aktiv wegen der Vorwürfe", sagte Sonderermittler Richard Harlow - machte aber keine weiteren Angaben. "Der Secret Service gibt zu dieser Art Untersuchung keinen Kommentar ab", sagte er.

flo/AP/Reuters

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