Terror-Abwehr Bush plant geheime Kommandos mit Elitekämpfern

Über George W. Bushs Pläne für seine zweite Amtszeit ist noch wenig bekannt. Aber in einem Bereich soll sich der US-Präsident entschieden zu haben: Der Kampf gegen den Terror soll aggressiver und effektiver werden. Statt der CIA könnten künftig Spezialeinheiten des Militärs die Jagd übernehmen - selbst in befreundeten Staaten.

Von Georg Mascolo, Washington


Marines in Afghanistan: Jagd nach Terroristen
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Marines in Afghanistan: Jagd nach Terroristen

Im Wahlkampf hatte Bush sich noch großer Erfolge gerühmt: Zwei Drittel der Qaida-Führung sind tot oder verhaftet, hat der Präsident überall im Land verkündet. Das klang als sei der Sieg schon ganz nah. Wirklich geglaubt hat Bush daran wohl nicht einmal selbst. Kaum wiedergewählt hat er dem Geheimdienst CIA und dem amerikanischen FBI aufgegeben, binnen 90 Tagen neue Pläne für die Ergreifung gesuchter Terroristen vorzulegen.

Denn während in den vergangenen Jahren immer wieder Qaida-Obere wie der Planungschef Khalled Scheich Mohammed gefasst wurden, bleiben seit Monaten die Erfolge aus. Bush verfolgt die Terroristenhatz mit Akribie, in seinem Schreibtisch verwahrt er die streng-geheime Liste der so genannten "High-Value-Targets", auf der er eigenhändig ausstreicht. Jeweils fünf Terroristen waren es 2002 und 2003, gerade mal einer ist es bisher in diesem Jahr. Und von Osama Bin Laden, der nur Tage vor der Wahl per Videoaufzeichnung den Präsidenten verhöhnte, fehlt jede Spur.

Bush ist unzufrieden und verlangt nach einer neuen Strategie. Noch ist diese nur in Umrissen erkennbar. Aber es scheint, als setzt sich einmal mehr der noch immer mächtige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld durch. Er hat den Frust seines Präsidenten als Chance begriffen und verspricht, seine 34.000 Mann umfassenden Spezialeinheiten könnten es besser, wenn man sie nur endlich machen ließe. Nach ersten Plänen des Pentagon würden die Soldaten künftig so ziemlich überall dort den Gesuchten nachspüren, wo sie vermutet werden. US-Soldaten im Einsatz um die verborgenen Qaida-Führer zu verschleppen oder zu töten - ein geheimer Krieg.

Operieren Special-Forces-Kommandos also künftig überall, wo die Regierungen dem Weißen Haus als zu zögerlich, oder zu wenig kooperativ gelten? Ziele gäbe es dann reichlich: Iran und Syrien aber womöglich auch Pakistan. Zwar sind dort seit Jahren US-Truppen im Einsatz, aber in der US-Administration sind die Zweifel nie verstummt, dass hohe Geheimdienstler in Islamabad die Radikalen noch immer decken.

Risiko eines diplomatischen Debakels

George W. Bush: Unzufrieden mit der bisherigen Strategie
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George W. Bush: Unzufrieden mit der bisherigen Strategie

Das Weiße Haus kennt die politischen Gefahren militärischer Alleingänge, der Einsatz von Militärs in fremden Staaten ist ein Schritt knapp vor der Kriegserklärung. Aber Rumsfelds-Berater behaupten, nur weil das Außenministerium und die CIA in der Vergangenheit immer wieder vor Risiken zurückschreckten, seien auch die Erfolge ausgeblieben.

Setzt sich der Verteidigungsminister durch, fällt eine Vorschrift mit der das US-Außenministerium bisher besonders riskante Under-Cover-Operationen stoppen konnte: Nur mit der Genehmigung des amerikanischen Botschafters vor Ort konnten Militärs, oder Angehörige der kleinen paramilitärischen Einheit der CIA einsickern. Die Klausel soll sicherstellen, dass nur in besonders begründeten Ausnahmefällen das Risiko eines diplomatischen Debakels eingegangen wird.

US-Soldaten im Irak: Operieren Special Forces-Kommandos künftig überall?
REUTERS

US-Soldaten im Irak: Operieren Special Forces-Kommandos künftig überall?

Rumsfeld scheint schon siegessicher, seine Kommandanten hat er angewiesen, sich auf die neue Aufgabe vorzubereiten. Einen ersten Erfolg kann er schon verbuchen: In diesem Jahr dürfen seine Truppen 25 Millionen Dollar an Helfer und Spitzel auszahlen, die bei der Terroristenjagd behilflich sind; Zahlungen die bisher der CIA vorbehalten waren.

Aber der schwer angeschlagene Geheimdienst, der in Bushs Regierung als widerspenstig und risikoscheu verschrien ist, will sich die Terroristenfahndung nicht nehmen lassen. Der neue CIA-Chef Porter Goss, der mit seinen rüden Manieren bisher nur einen Exodus hochdekorierter Spitzenbeamter zu Stande brachte, hat Bush versprochen den Geheimdienst radikal umzubauen und künftig selbst wieder hochriskante Unternehmen durchzuführen. Seinen Agenten hat Goss versichert: "Wenn etwas schief geht, decke ich euch."

Das wird wohl nicht in jedem Fall helfen. Der Bush-Freund Goss will, dass seine Leute künftig auch die Zirkel radikaler Islamisten infiltrieren, selbst wenn ihnen bei ihrer Entdeckung Tod und Folter drohen.



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