Aus Palmanova berichtet Frank Feldmeier
Es ist Hauptsaison auf Mallorca: Bis zu 200.000 Deutsche machen nach Schätzungen von Reiseveranstaltern derzeit Urlaub auf der spanischen Ferieninsel, hinzu kommen rund 20.000 Briten. Auch die spanische Königsfamilie erholt sich dieser Tage auf Mallorca. Doch die Ferienstimmung dürfte den meisten Touristen am Donnerstag vergangen sein.
Um kurz vor 14 Uhr detonierte vor einer Polizeikaserne im Badeort Palmanova eine Haftbombe, die unter einem Auto angebracht war. Zwei Beamte der paramilitärischen Guardia Civil, die in dem Wagen saßen, wurden getötet, etliche weitere Personen wurden verletzt. Wenig später entdeckte die Polizei eine weitere, baugleiche Haftbombe unter einem Militärfahrzeug. Dieser Sprengsatz musste kontrolliert gesprengt werden.
Nach dem Anschlag hat die spanische Polizei die Sicherheitsvorkehrungen auf der Ferieninsel drastisch verschärft: Die Behörden sperrten zweitweise die gesamte Insel ab, schlossen den Flughafen sowie alle Seehäfen, um die Drahtzieher nicht entkommen zu lassen.
Spanische Fahnder machen die baskische Terrorgruppe Eta für die Tat verantwortlich. Spaniens Ministerpräsident José Luis Zapatero versprach umgehend, die Täter zur Strecke zu bringen. "Sie werden festgenommen, verurteilt und werden den Rest ihres Lebens im Gefängnis verbringen", sagte er - auch wenn es bislang noch keinen Fahndungserfolg zu vermelden gab.
Seit Tagen waren die spanischen Sicherheitskräfte in höchster Alarmbereitschaft - aber es ist schwer, Bevölkerung und Urlauber vor den Untergrundkämpfern zu schützen - die Bluttat auf Mallorca ist schon der zweite Anschlag der Eta binnen zwei Tagen.
Die Verunsicherung in Palmanova ist daher groß. Der touristisch geprägte Ort - dicht an dicht drängen sich Hotels, Geschäfte, Cafés - gilt neben Magaluf als Hochburg britischer Urlauber. Da viele Touristen wegen der Wirtschaftskrise und des schwachen Pfunds in diesem Jahr ohnehin ausbleiben, fühlen sich die Geschäftsleute von dem Anschlag nun doppelt getroffen. "Wirtschaftskrise, das kann überall passieren", sagt Kioskbesitzer José Maria Pérez. "Aber jetzt haben wir hier nach der Schweinegrippe auch noch zwei Tote bei einem Anschlag." Das sei nun wohl das Ende für die Saison. Die Detonation habe er in seinem Kiosk gehört, sagt Pérez. Doch trotz der Sperrung rund um die Stadt und der Tatsache, dass viele seiner Kunden in ihren Hotels festsitzen, will er seinen Laden nicht schließen. "Jetzt ist Hauptsaison. Da hat man keine Wahl."
"Ich würde nicht hierher kommen"
Die wenigen Urlauber, die sich am frühen Abend auf der Straße bewegten, wirkten gefasst. Eine Gruppe aus dem schottischen Glasgow gab sich demonstrativ unbeeindruckt. Nein, abreisen werde man nicht. "Im letzten Jahr waren wir auf dem spanischen Festland", sagte einer aus der Gruppe, "da ist auch eine Bombe explodiert. Ist doch egal, wo man hinfährt."
Hoteldirektor Alejandro González hörte die Detonation der Bombe an seinem Arbeitsplatz. "Es war ein sehr kurzer, harter, sehr lauter Knall. Ich habe gleich an die Eta gedacht", sagte González. Nur wenige seiner Gäste hätten Stornierungswünsche geäußert. "Die meisten bleiben. In ein paar Tagen sieht es hier hoffentlich schon wieder anders aus."
Juanjo Sánchez ist Geschäftsführer eines Strandcafés. Stundenlang versuchte er, sich auf den Weg nach Hause zu machen, er hätte dazu jedoch das abgesperrte Gebiet passieren müssen - und die Polizei war unerbittlich und ließ ihn nicht durch. "Zuerst haben sie mir gesagt, dass die Suchhunde etwas gefunden haben. Dann, dass die zweite Bombe gesprengt werden soll."
Als die kontrollierte Sprengung durchgeführt wurde, war der Knall weithin zu hören. Eine Touristin in einer Seitenstraße lief in Panik davon. "Die Situation ist fürchterlich, einfach fürchterlich", sagt Sánchez. "Ich weiß nicht, was ich denken soll. Es gibt sicher Urlauber, denen ist so etwas egal. Aber ich würde nicht hierher kommen."
Der brutale Kampf der Eta
Am Freitag jährt sich der Gründungstag der Eta zum 50. Mal. Experten zufolge versucht die Eta zu beweisen, dass sie trotz der Festnahme zahlreicher Führungskader immer noch schlagkräftig ist. Im April war der Militärchef der Separatisten, Jurdan Martitegi, festgenommen worden. Im Juni und Juli wurden in einem Zeitraum von drei Wochen 18 weitere mutmaßliche Mitglieder gefasst. Die Regierung von José Luis Rodriguez Zapatero hatte die Verhandlungen mit der Eta 2006 nach einem Anschlag auf den Flughafen von Madrid abgebrochen. Die Europäische Union stuft die Eta als terroristische Organisationen ein.
Die Eta begann ihren gewaltsamen Kampf für ein unabhängiges Baskenland im Norden Spaniens im Jahr 1968. Seither sind bei Anschlägen mehr als 825 Menschen ums Leben gekommen. Die spanische Bevölkerung reagierte mit Empörung und zahlreichen Großdemonstrationen.
Der schwerste Anschlag war eine Autobombenexplosion vor einem Supermarkt in Barcelona im Jahr 1987 mit 21 Todesopfern. Die Buchstaben im Namen der 1959 gegründeten Organisation stehen für "Euskadi Ta Azkatasuna", was in der baskischen Sprache "Das Baskenland und seine Freiheit" bedeutet.

mit Material von AP, Reuters, dpa, AFP
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