Terror: Deutsche Dschihadisten-Witwe grüßt ihre Schwestern

Von Yassin Musharbash

Der Bonner Dschihadist Javad S. wurde vor zwei Jahren von pakistanischen Soldaten getötet - jetzt meldet sich seine Witwe zu Wort. Die deutsche Konvertitin Luisa S. alias "Ummu Safiyya" erklärt: "Ich habe mich losgesagt von euren Gesetzen und meinem deutschen Pass."

Szene aus IBU-Video: Stete Betonung der angeblichen Gemeinschaft im Terror-Camp Zur Großansicht

Szene aus IBU-Video: Stete Betonung der angeblichen Gemeinschaft im Terror-Camp

Berlin - Als der Dschihadist Javad S. aus Bonn starb, veröffentlicht die "Islamische Bewegung Usbekistan" (IBU) vor fast genau zwei Jahren ein Märtyrer-Video mit dem Titel "Er kam, sah und siegte". Nun, da sich seine Witwe "Ummu Safiyya" erstmals seit Bekanntgabe seines Todes zu Wort meldet, trägt das entsprechende Dokument die Überschrift: "Einigkeit und Recht und Freiheit". Es scheint, dass das deutsche Kontingent bei der IBU eine heimliche Freude daran empfindet, sich bekannte Zitate anzueignen und in ihrem Sinne umzudeuten.

Denn natürlich geschieht das auch in dem dreiseitigen PDF-Rundbrief, den die IBU jüngst veröffentlichte: "Einigkeit und Recht und Freiheit habe ich bei euch nicht gefunden", heißt es in dem Brief an die "geehrten Schwestern in Deutschland", "denn Einigkeit und Recht und Freiheit gibt es nur in der wahren Religion Allahs". Das Schreiben, das auf einer einschlägigen, seit Jahren von al-Qaida und Co. benutzten Web-Seite veröffentlicht wurde, liegt SPIEGEL ONLINE vor.

"Ummu Safiyya" heißt in Wahrheit Luisa S., sie ist eine deutsche Konvertitin, die mit ihrem Ehemann zusammen in die Kampfzone im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet ging und sich der IBU anschloss. Schon im Märtyrer-Video zu Ehren ihres Mannes versprach sie, dort zu bleiben. Daran scheint sich nichts geändert zu haben: "Ich habe mich längst losgesagt von euren Gesetzen, eurem demokratischen System und auch von meinem deutschen Pass."

Die interessantesten Passagen des Briefs beschreiben das Leben, das die Dschihadisten-Witwe führt: "Wir Frauen leben hier weit weg von den Orten, an denen der Kampf ausgeübt wird." Jede Familie werde vom "Bait ul-Mal", dem "Haus des Geldes" der Bewegung, mit "Versorgungsgeld" ausgestattet, die ärmeren auch mit "Gaskocher, Geschirr, Decken, usw.".

Geschönte Realität

Die Kommandeure hätten es "so eingerichtet, dass die verheirateten Männer nicht länger als einen Monat von zu Hause entfernt bleiben", berichtete Luisa S. weiter. "Der Ehemann geht also und leistet seinen Beitrag im Dschihad, und so Allah will, kommt er spätestens nach vier Wochen wieder und verbringt wieder längere Zeit mit seiner Familie." Manche Männer hätten wegen ihrer spezifischen Aufgaben sogar einen geregelten Arbeitstag und kämen jeden Tag nach Hause. Der Grund für die angebliche Familienfreundlichkeit: "Die Zuständigen unserer Bewegung haben über die Jahre festgestellt, dass verheiratete Mudschahidin mehr und bessere Leistungen erbringen."

Viele der "Schwestern" wiederum hätten Aufgaben als "Ärztinnen, Schneiderinnen und Lehrkräfte" übernommen. Auch militärisch könnten sie sich ausbilden lassen.

Diese Schilderungen lassen sich nicht überprüfen. Es ist aber davon auszugehen, dass sie ein geschöntes Bild widerspiegeln - jedenfalls verglichen mit dem, was Verhaftete IBU-Mitglieder in den vergangenen Jahren ausgesagt haben. Diese berichteten von ständigen Verhören, um mögliche Spione zu finden, schlechter Nahrungsmittelversorgung und mangelnder Munition.

Andererseits passt die Beschreibung in die Propaganda der IBU - mehr als jede andere Gruppe in der Region versucht die IBU, potentiellen Rekruten in Deutschland weiszumachen, dass es ein reines Vergnügen ist, sich ihr anzuschließen, auch und gerade für Familien. Vom "Urlaub deines Lebens", schwadronierte die IBU in einem früheren Video. Die Realität sieht vermutlich deutlich anders aus, was sich nicht zuletzt auch an den Zahlen getöteter IBU-Kämpfer ablesen lässt, unter denen mittlerweile auch mindestens drei Deutsche sind.

"Ummu Safiyya" könnte im Übrigen entsprechende Gerüchte zum Anlass genommen haben, sich überhaupt wieder zu Wort zu melden: "Als erstes möchte ich zu dem Gerücht, dass ich bereits Schahida (Märtyrerin, die Red.) sei, folgendes sagen: Leider noch nicht, doch möge Allah mir diese Ehre erweisen!"

Die IBU ist eine ursprünglich usbekische Gruppe, die aber bereits vor Jahren ihre Basis ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet verlagert hat. Es handelt sich um eine der größeren militanten Gruppen vor Ort, die als verhältnismäßig schlagkräftig gilt und sowohl pakistanische wie afghanische und US-amerikanische Soldaten angegriffen hat. Sie verfügt über mehrere deutsche Mitglieder, darunter die Brüder Yassin und Mounir C. aus Bonn.

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