Bagdad - Bei einer erneuten Serie von Anschlägen auf Schiiten sind im Irak am Donnerstag mehr als 60 Menschen getötet worden. In der Hauptstadt Bagdad kamen bei Bombenexplosionen in von Schiiten bewohnten Stadtteilen mindestens 23 Menschen ums Leben. Bei einem Selbstmordanschlag auf schiitische Pilger nahe Nassirija im Süden des Landes starben nach Behördenangaben fast 40 Menschen.
Ein mit einem Sprengstoffgürtel ausgerüsteter Selbstmordattentäter habe in Batha bei Nassirija im Süden des Landes mindestens 38 Menschen getötet und mehr als 60 weitere verletzt, teilten die Gesundheitsbehörden der Provinz Dhi Kar mit. Die Pilger waren auf dem Weg zum Heiligen Schrein von Kerbela.
In Bagdad waren zuvor in dem mehrheitlich von Schiiten bewohnten Stadtteil Kadhimija zwei Autobomben explodiert. Laut Innen- und Verteidigungsministerium wurden mindestens 14 Menschen getötet und knapp 40 weitere verletzt. Im Schiitenviertel Sadr City wurden durch eine Explosion nahe einer Gruppe von Tagelöhnern mindestens sieben Menschen getötet und 20 weitere verletzt.
Wenig später explodierten zwei Bomben nahe des Krankenhauses, in das einige Verletzte gebracht worden waren; mindestens zwei Menschen starben, 15 wurden verletzt.
Der Irak durchlebt derzeit eine schwere innenpolitische Krise, die von Differenzen zwischen Sunniten und Schiiten geprägt ist. Der Streit schien sich zuletzt aber zu entspannen. So sagte ein Berater von Regierungschef Nuri al-Maliki am Mittwoch, die neun Minister aus den Reihen der sunnitischen Irakija-Fraktion sollten nicht für abgesetzt erklärt werden, sondern würden als "beurlaubt" angesehen. Irakija blockiert die Regierungsarbeit seit Mitte Dezember.
Der Uno-Sondergesandte für den Irak, Martin Kobler, hatte am Mittwoch die politischen Führer der Kurden-Parteien getroffen, um über Wege aus der Krise zu sprechen. Die Kurden sind an diesem Konflikt nicht direkt beteiligt und haben ein Interesse daran, dass der Streit, der die Regierung lähmt, beigelegt wird. Nach den Gesprächen äußerte sich Kobler besorgt über die Spannungen zwischen den Regierungsparteien.
fab/ler/AFP/dpa
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