Bagdad - Terroristen haben mit einer Bombenserie das Regierungsviertel in Bagdad ins Visier genommen. Vier Sprengkörper detonierten in der Nähe des Innenministeriums, des Arbeitsministeriums, eines Kunstinstituts und eines Gerichtsgebäudes. Ein Selbstmordattentäter riss zudem in dem südlichen Vorort al-Dura mehrere Polizisten mit in den Tod, als er sich neben ihrer Patrouille in die Luft sprengte. Nach Angaben der Polizei wurden über 110 Menschen getötet und mehr als 190 schwer verletzt. Augenzeugen und lokale Medien sprechen von 127 Toten, der Fernsehsender al-Arabija meldet 450 Verletzte.
Über der Innenstadt von Bagdad stiegen große, schwarze Rauchwolken auf. Unter den Opfern sollen viele Kinder sein, weil neben dem Kunstinstitut ein Kulturhaus für Kinder liegt. Viele der kleinen Besucher wurden von Glassplittern getroffen. Die Anschläge wurden wenige Tage vor der Auktion von Ölförderrechten verübt, zu der am Wochenende zahlreiche Spitzenmanager aus dem Ausland erwartet werden.
Die Rettungskräfte versuchten auch mit Kränen, die Trümmer beiseite zu heben, um nach Überlebenden suchen zu können. Dutzende Fahrzeuge brannten nach der Explosion. US-Soldaten halfen den irakischen Sicherheitskräften bei der Beweissicherung in den Trümmern.
Im August waren durch eine Bombenserie im Regierungsviertel von Bagdad rund hundert Menschen ums Leben gekommen. Sprengsätze detonierten damals nahe des Außen- und des Finanzministeriums. Im Oktober starben 153 Iraker, als kurz hintereinander neben dem Justizministerium und dem Gebäude des Provinzrates Bomben explodierten. Für die Anschläge wurden damals Anhänger des gestürzten und hingerichteten früheren Präsidenten Saddam Hussein verantwortlich gemacht.
Die Agentur al-Yaqen berichtete am Dienstag, in der nördlichen Stadt Kirkuk seien zwei Angehörige einer Bürgerwehr vergiftet worden. Sie seien gestorben, nachdem sie eine Speise gegessen hätten, die ihnen von Fremden gebracht worden sei. In beiden Fällen gibt es bisher keine Täterbekenntnisse.
Wahlen für 6. März angesetzt
Ungeachtet des Bombenterrors traf sich Vizepräsident Tarik al-Haschimi mit Vertretern der unabhängigen Wahlkommission. Nach monatelangen Streitereien hatten die irakischen Abgeordneten am Sonntag ein neues Wahlgesetz verabschiedet und damit den Weg für die zweiten Parlamentswahlen seit dem Sturz des Machthabers Saddam Hussein im Jahr 2003 freigemacht. Auseinandersetzungen um die Verteilung der Mandate auf die einzelnen Provinzen und um die Stimmen der Auslandsiraker hatten die Vorbereitungen zunächst verzögert. Am Dienstag einigte man sich auch auf den Termin für den Urnengang: Am 7. März sollen die Iraker über ein neues Parlament abstimmen. Zuvor hatte es geheißen, die Wahl sei für den 6. März anberaumt worden.
Die US-Regierung und die Uno haben dem Irak zur Verabschiedung des Wahlgesetzes gratuliert. Diese Wahlen seien ein "wichtiger Schritt nach vorne" im demokratischen Prozess des Landes, sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. Das Weiße Haus sah nach einer Mitteilung vom Montagabend in der Kompromisslösung die Entschlossenheit der irakischen Führung, die Gestaltung der Zukunft in ihre eigenen Hände zu nehmen und Differenzen gemäß der Landesverfassung friedlich zu beseitigen.
ler/dpa/AP/AFP
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