Terror in Afghanistan: Junge US-Diplomatin stirbt bei Taliban-Anschlag

Aus Kabul berichtet

Noch vor kurzem begleitete sie US-Außenminister John Kerry bei dessen Besuch in Kabul - nun ist Anne Smedinghoff tot. Die junge Diplomatin fiel einem Anschlag der Taliban zum Opfer. Mit ihr starben vier weitere Amerikaner und ein afghanischer Arzt.

Kabul - Bei einem Selbstmordanschlag im Süden Afghanistans sind am Samstag fünf Amerikaner, darunter zwei Soldaten und drei Zivilisten, sowie ein afghanischer Arzt ums Leben gekommen. Unter den Toten ist nach Angaben des US-Außenministeriums auch die junge Diplomatin Anne Smedinghoff, die kürzlich beim Besuch des US-Außenministers John Kerry als engste Beraterin des Politikers fungierte.

Smedinghoff war am Samstag mit Soldaten, Diplomaten und afghanischen Offiziellen auf dem Weg zu einer Schuleröffnung in der Unruheprovinz Zabul im Süden Afghanistans. Nach bisherigen Angaben der lokalen Behörden hatte sich auf einer vielbefahrenen Straße ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, als der Konvoi mit den Ausländern und dem afghanischen Gouverneur vorbeikamen.

Die Taliban bekannten sich umgehend zu dem Anschlag, einem der schwersten auf ausländische Soldaten und Helfer. In der kruden Propagandasprache der Radikalislamisten tönte ein Sprecher, durch Gottes Hilfe habe man einen schweren Schlag gegen die Ausländer und die afghanische Regierung erzielen können. Der afghanische Gouverneur entkam der Attacke unverletzt, allerdings wurde ein afghanischer Arzt durch die Bombe getötet.

"Du hast uns zu früh verlassen"

Der Tod der jungen Diplomatin Anne Smedinghoff löste im Außenministerium große Bestürzung aus. Kerry kondolierte den Eltern der US-Beamtin persönlich und sprach öffentlich von einem großen Verlust. "Sie war so, wie unsere besten Diplomaten sein sollten - klug, immer bereit und tief verbunden mit unserem Land und den Afghanen, denen wir helfen wollen." Smedinghoff, so Kerry, habe ihr Leben für die vielen jungen Afghanen geopfert, die eine Chance auf eine bessere Zukunft verdienten.

Die Familie der Diplomatin veröffentlichte in der Nacht eine berührende Erklärung. Die Welt habe eine "wahrhaft schöne Seele verloren", so das im Netz veröffentlichte Schreiben. Ihre Tochter habe den jungen Afghanen im Süden des Landes nur Bücher bringen wollen, damit diese eine bessere Ausbildung genießen können. "Sie hat immer versucht, die Menschen zu erreichen und Fortschritt zu erreichen in diesem vom Krieg gebeutelten Land", schrieben die Eltern, "du hast uns zu früh verlassen und wir werden dich immer vermissen." Smedinghoff war seit dem Sommer 2012 an der Botschaft in Kabul stationiert und arbeitete vorher in Venezuela für das Außenamt.

Truppen verlassen Afghanistan

Der Anschlag und eine weitere Attacke auf einen US-Zivilisten im Osten des Landes illustrierten auf blutige Weise, wie sich das Jahr 2013 in Afghanistan entwickeln könnte. Obwohl die internationalen Truppen und auch die Bundeswehr im Norden Afghanistans die Zahl der eingesetzten Soldaten bereits massiv reduzieren, erwarten Militärs und Diplomaten auch für diesen Sommer eine heftige Kampfsaison mit den Aufständischen aus den Reihen der Taliban und diversen anderen Gruppen in Afghanistan.

Zuletzt hatten die Taliban sich mit ihren Attacken auf afghanische Soldaten konzentriert. Die ausländischen Truppen aber bleiben unverändert in ihrem Visier. Im Laufe des Jahres 2013 werden sie ihre Präsenz in Afghanistan bereits einschneidend reduzieren, überall im Land werden kleine Basen geschlossen, dort sollen dann die Afghanen die Verantwortung für die Sicherheit übernehmen.

Ende 2014 sollen dann gar keine Kampfsoldaten der Nato mehr am Hindukusch sein, allerdings startet dann eine gemeinsame Ausbildungsmission für die afghanische Armee. Nach bisherigen Planungen sollen für das weitere Training der lokalen Sicherheitskräfte zwischen 8000 und 12.000 Soldaten im Land bleiben, die Bundeswehr wird bei dieser Mission eine wichtige Rolle spielen.

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Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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